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UKL-Ratgeber direkt

​​​​​​​​​​​Die Rubrik "Ratgeber" unseres Gesundheitsmagazins "Liebigstraße aktuell" bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen aus der Welt der Medizin.

Warum Tabletten so unterschiedlich aussehen

Dr. Yvonne Remane, Direktorin der Krankenhausapotheke im UKL, erläutert die Hintergründe

Manche Tabletten sind so groß, dass man sie kaum schlucken kann. Andere so winzig, dass sie kaum zu fassen sind. Die einen haben eine Kerbe, die anderen sind weiß oder rot oder blau. „Jeder einzelne Hersteller entscheidet selbst, welche Form und Farbe die Tablette bekommt“, erklärt Dr. Yvonne Remane, Direktorin der Krankenhausapotheke des Universitätsklinikums Leipzig (UKL)​. 

Und immerhin gibt es in Deutschland mehr als 300 Pharmahersteller. Deshalb kön​​​​nen die Tabletten rund, länglich, oval und sogar quadratisch sein. In den meisten Fällen sind sie weiß, gern aber auch gelblich, rosa oder blau. Die Oberflächen sind flach oder konvex, die Ränder können abgeschrägt und abgerundet sein. Zudem können die Tabletten Bruchkerben, Prägungen, Schriftzüge und andere Markierungen aufweisen. „Einige Unternehmen verwenden Farben, die zu ihrem Corporate Design gehören. Andere verewigen sich mit einer Prägung, die aus einem Logo oder Buchstaben oder Zahlen oder gar einer Kombination davon bestehen kann. Die Größe der Tablette indes hat mit den Inhaltsstoffen zu tun“, so die Apothekerin. Denn fast alle Tabletten enthalten Hilfsstoffe. Das können Füllmittel sein, die Masse und Volumen der Tablette beeinflussen. Bindemittel wiederum sind für Zusammenhalt und Festigkeit der Pressung verantwortlich. Überzugsmittel sorgen dafür, dass die Tablette gut zu schlucken ist und sich nicht schon im Mund auflöst. Zerfallsmittel dienen dazu, dass sich die Tablette dann im Magen oder Darm zersetzt. 

Geschmackskorrigenzien wiederum verbessern den Geschmack. „Früher hieß es ja oft: Wenn die Medizin bitter ist, dann hilft sie auch“, so Dr. Remane. „Heute steht das Wohlfühlen im Mittelpunkt. Da werden bittere Inhaltsstoffe von Geschmacksmaskierungen, also einem Aroma, überdeckt.“ Das betreffe besonders Medikamente, die auf der Zunge zergehen sollen, weil die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut schneller in den Körper gelangen. Eine Kerbe in der Tablette bedeutet übrigens noch nicht, dass das Medikament zum Auseinanderbrechen gedacht ist. „Die Kerbe kann auch ein Schmuck sein, sie ist nicht immer ein Indiz für die Teilbarkeit“, so die Leipziger Apothekerin. Wobei das Teilen einer Tablette durchaus üblich ist, um die Medikation variieren zu können. Allerdings weiß Dr. Remane aus ihrer eigenen Familie, dass das Teilen an der Bruchkerbe gerade alten Menschen Schwierigkeiten bereiten kann. Zum Glück gibt es spezielle Tablettenteiler, die sehr hilfreich sein und nicht nur kleine und große Tabletten, sondern auch solche ohne Bruchkerbe einfach und unkompliziert zerteilen können.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 01​/22 (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​​

Vorlesungsreihe "​Medizin für Jedermann"
Im Rahmen unserer ​Vorlesungsreihe "Medizin für Jedermann"​ erläutert Frau Dr. Remane an ​praxisnahen Beispielen warum der Medikationsplan wichtig ist. Gelangen Sie hier zum Vortrag​.

Lupus erythematodes – das Chamäleon der Inneren Medizin

​Interview mit Prof. Christoph Baerwald, Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig​

Der systemische „Lupus erythematodes" ist eine schwere entzündliche Autoimmunerkrankung des Bindegewebes, die zahlreiche Organsysteme befallen kann. Wie sich die Erkrankung klinisch ausprägt und wie sie verläu​ft, variiert von Patient zu Patient. Daher wird sie auch als „Chamäleon" unter den rheumatischen Erkrankungen bezeichnet. Die Patienten klagen in der Regel über Fieber und Abgeschlagenheit. Wie Prof. Christoph Baerwald, Leiter des Bereiches Rheumatologie der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig​, im Gespräch sagt, stehen den Ärzten heute gute Möglichkeiten zur Verfügung, Schübe und Komplikationen der Erkrankung zu bekämpfen.

Warum heißt die Krankheit Lupus, also Wolf?

Das ist ein beschreibender Ausdruck, den Ärzte in der Vergangenheit wählten, weil die Gesichtsmanifestation der Erkrankung wolfsähnlich wirkte. Mit einem Wolf hat die Krankheit aber absolut nichts zu tun, auch wenn „Lupus erythematodes" mit „rotem Wolf" übersetzt werden kann.​

Wie entsteht sie?

Der systemische „Lupus erythematodes" gehört zu den Autoimmunerkrankungen, denen Fehlreaktionen des Immunsystems gemeinsam sind. Die genauen Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. Was wir wissen: Es ist eine komplexe Erkrankung, bei der gewisse genetische Faktoren eine Rolle spielen. Von einer Erbkrankheit kann aber nicht gesprochen werden. Zudem scheint sie mit Umweltfaktoren zusammenzuhängen, weil sie in städtischer Umgebung häufiger auftritt.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Durchschnittlich 15 von 100 000 Menschen sind von „Lupus erythematodes" betroffen. Das sind für die Region Leipzig also 150 bis 170 Patienten, die zum Teil von unserer Sektion Rheumatologie betreut werden.

Es gibt also einen Zusammenhang zu Rheuma?

Nur der Ursache nach, denn entzündliche rheumatische Erkrankungen sind wie der „Lupus erythematodes" Autoimmunerkrankungen, bei der Antikörper gegen das körpereigene Gewebe vorgehen. Wir haben eine Spezialsprechstunde Kollagenosen, also Bindegewebserkrankungen, zu der auch der Lupus gehört.

Ist nur das Gesicht betroffen?

Keineswegs. Nicht umsonst spricht man beim Lupus vom Chamäleon der Inneren Medizin. Der systemische „Lupus erythematodes" kann eine Vielzahl von Organen befallen: Haut, Lunge, Nervensystem. Man spricht auch vom „Rheuma der inneren Organe und der Haut", weil es eben eine entzündliche Erkrankung ist.

Gibt es eine Heilung?

Derzeit kann man noch keine Heilung versprechen, es gibt aber Bestrebungen zur Heilung. Gerade in der letzten Zeit wurden neue Medikamente für die Therapie zugelassen und wir sind an Studien beteiligt, bei denen die neuesten Medikamente untersucht werden. Eine Heilung könnte durch eine gezielte Beeinflussung des Immunsystems erzielt werden, bei der eine Art Knochenmarkspende oder genetisch veränderte Immunzellen Anwendung finden. Insgesamt gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten, Schübe oder Komplikationen der Krankheit zu behandeln. Früher sind die Betroffenen relativ schnell verstorben, heute stehen uns Medikamente zur Verfügung, die vielen Patienten helfen.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 02​/22 (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​

Schmerz lass nach: Nierenkolik und Bewegungsmangel

Urologe Prof. Jens-Uwe Stolzenburg erläutert Ursachen, Behandlung und Vorsorge bei Harnwegssteinen – Teil 1​

Nieren- oder Harnwegssteine entstehen unbemerkt. Erst wenn sie in das Hohlraumsystem gelangen und den Abfluss der Niere oder den Harnleiter verstopfen, machen sie sich durch schmerzhafte Koliken bemerkbar. „Wer das einmal erlebt hat – und das sind immerhin bis zu einem Prozent der Bevölkerung – weiß, von welchen Schmerzen wir reden“, sagt Prof. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). „Aber keine Angst: Da können wir helfen.“ 

Wie Prof. Stolzenburg erläu​tert, werden zunächst schmerz- und krampflösende Medikamente verabreicht, bevor durch moderne Untersuchungsverfahren Lage und Art des Steines bestimmt werden können. „Glücklicherweise gehen kleine Steine – und das sind die meisten – von alleine ab,wenn der Patient viel Flüssigkeit aufnimmt und therapeutische Infusionen bekommt.“ Übrigens muss es nicht Bier sein, auch normale Blasen-, Nieren- oder Kräutertees sind ausreichend. „Hauptsache, es wird möglichst viel Flüssigkeit aufgenommen“, so der Urologe. „Denn dann bestehen gute Möglichkeiten, dass der Stein förmlich aus dem Körper gespült wird.“ Dauert dieser Prozess jedoch zu lange oder treten Komplikationen wie Dauerschmerz oder Fieber auf oder ist der Stein einfach zu groß, muss gehandelt werden. Dabei spielen minimal-invasive Therapien die Hauptrolle​. 

Ernährung und Bewegung

Die heutige Lebens- und Ernährungsweise gilt nicht als direkte Ursache. „Ein Zusammenhang zwischen der Steinbildung und der Wohlstandsgesellschaft – also ballaststoffarme Ernährung mit viel tierischem Eiweiß oder hoher Alkoholkonsum – ist jedoch bewiesen“, so der Leipziger Klinikchef. „Denn körperlich tätige oder sportlich aktive Menschen entwickeln weniger oft Harnsteine.“ Eine Vorbeugung gegen Harnsteine ist also zumindest eingeschränkt möglich, indem für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter kalziumarmes Wasser pro Tag) gesorgt wird. Zu den Vorbeugemaßnahmen gehört auch eine gesundheitsbewusste Ernährung und die Reduktion von Übergewicht. Da tierisches Eiweiß die Harnsteinbildung fördert, ist es bei Neigung zu Nieren- und Blasensteinen empfehlenswert, denAnteil von Fleisch in der Ernährung vorbeugend zu reduzieren – und vor allem: Bewegung, Bewegung, Bewegung. Wieso bekommen manche einen Stein und andere nicht? „Beim Nieren-, Blasen- oder Harnleiterstein handelt es sich um eine kristallisierte Ablagerung“, erklärt Prof. Stolzenburg. „Denn im Harn, der über das NierenbeckenunddieHarnleiter zur Blase geleitet wird und sich dort sammelt, befinden sich Mineralsalze. Bei einer bestimmten Säurekonzentration des Harns können diese Salze auskristallisieren und größere Ablagerungen bilden.“​​​​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 03/22 (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​

Schmerz lass nach: Nierenkolik und Steintherapie

​​​Urologe Prof. Jens-Uwe Stolzenburg erläutert Ursachen, Behandlung und Vorsorge bei Harnwegssteinen – Teil 2​

Nieren- oder Harnwegssteine entstehen unbemerkt. Erst wenn sie in das Hohlraumsystem gelangen und den Abfluss der Niere oder den Harnleiter verstopfen, machen sie sich durch schmerzhafte Kolikenbemerkbar. Meist können sie mit minimal-invasiven Methoden entfernt werden. „Sie befreien die Patient:innen schmerzarm von den Beschwerden“, sagt Prof. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)​. 

Selbst bei hoher Harnkonzentration bildet sich nicht bei allen Menschen ein solcher Stein. Denn im Urin gibt es bestimmte Hemmstoffe (Inhibitoren), die eine Steinbildung verhindern. Erbliche Anlagen, Harntransportstörungen und Stoffwechselstörungen können der Grund dafür sein, dass diese Inhibitoren gegen die Steinbildung fehlen. Es kommt dann meist zurwiederholten Bildung von Harnwegssteinen. Manchmal sind auch anatomische Besonderheiten, wie ein zu enger Übergang vom Nierenbecken zum Harnleiter, eine Ureterabgangsstenose, die Ursache,warum der Urin nicht richtig abfließen kann.In diesen Fällen hilft eine minimal-invasive OP, eine sogenannte Nierenbeckenplastik, um die Ursache zu beseitigen. „Die Steine bereiten dann die kolikartigen Schmerzen, wenn sie beispielsweise vom Nierenbecken in den Harnleiterwandern“,so Prof. Stolzenburg. „Die Schmerzen vergehen, wenn der Stein die Blase erreicht hat. Eine solche Nierenkolik kann sehr lange anhalten, ist meist sehr schmerzhaft, nicht selten wan​​dert der Schmerz während dieser Zeit von der Niere in Richtung Blase und Leiste. Beim Mann kann er bis in den Hoden ziehen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Stein den Harnleiter hinab wandert.“ Zur Behandlung der Nierenkolik wird häufig eine kleine Schiene über die Blase in den Harnleiter bis in die Niere eingelegt. Dies erfolgt in Narkose und befreit die Patient:innen von ihren Schmerzen. Weiterer Vorteil der Schiene: Eine Behandlung mit Entfernung des Steines kann später problemlos erfolgen, ohne dass der an sich sehr dünne Harnleiter vorher „aufgedehnt“ werden muss. 

Endoskope und Laser 

Bei der Behandlung von Nieren- und Harnleitersteinen kommen heute moderne Behandlungsmethoden zum Einsatz. Erste Wahl ist es, sofern der Stein nicht zu groß ist, ihn gleich im Harnleiter oderin der Niere endoskopisch zu entfernen. Dafür kommen dünnste Geräte zum Einsatz, die Ureterorenoskope, mit denen man unter Sicht – der Operateur sieht das Innere in mehrfacher Vergrößerung – über die Harnröhre, die Bla​se in den Harnleiter oder/und die Niere gehen kann, um dort den Stein per Laser zu zertrümmern und dann mittels Schlinge zu entfernen. Große Nierensteine können durch Punktion der Niere von außen und anschließende Ultraschallzertrümmerung und Absaugung der Steinreste entfernt werden. „All das sind minimal-invasive Methoden, die den Patienten schmerzarm von seinen Beschwerden befreit. Nur extrem selten ist eine ‚große‘ chirurgische Nieren- oder Harnleiterstein-Operation notwendig, aber auch solche Operationen führen wir heute minimalinvasiv mittels Operationsroboter da Vinci durch“, so Prof. Stolzenburg. 

Lebensführung und Krankheiten 

Auch nach erfolgreicher Behandlung des Harnwegssteines kann es wieder zur Steinbildung kommen. „Allerdingslässtsich das Risiko durch Vorsorgemaßnahmen verringern“, so der Klinikchef. „Also: viel trinken, viel Obst und Gemüse und viel Bewegung. Das ist die Lebensführung, mit der zumindest teilweise einer Entstehung vorgebeugt werden kann.“

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 04/22​ (PDF). Eine Übersicht all​er Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​ ​

Bewegung ist die beste Prophylaxe gegen Volkskrankheit Rückenschmerzen

Prof. Dr. Christoph-Eckhard Heyde: Der Mensch ist nicht dafür konstruiert, wie er heute mit Auto, Fahrstuhl und Computer lebt​

„Viele Rückenbeschwerden haben einen ganz simplen Hintergrund: Der Mensch ist nicht dafür konstruiert, wie er heute lebt", sagt Prof. Dr. Christoph-Eckhard Heyde, Geschäftsführender Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. „Wir Ärzt:innen helfen gern. Aber ein Stück weit ist jeder für seine Gesundheit mitverantwortlich."

Rückenschmerzen sind heute ja schon eine Volkskrankheit. Warum haben es so viele „im Kreuz"?

Die Mehrzahl der Beschwerden resultiert aus funktionellen Störungen. Das heißt, dass Verspannungen oder Ungleichgewichte in der Muskulatur für Schmerzen sorgen. Ein Teil der Beschwerden entsteht allerdings auch durch Abnutzung und Osteoporose, also altersbedingte Prozesse. Andererseits ist der Mensch für ein aktives Leben konstruiert. Fehlendes Training der Muskulatur, ob durch zu viel Sitzen, Inaktivität, oder auch Übergewicht führt dazu, dass wir die Muskulatur, welche die Wirbelsäule trägt, nicht ausreichend trainieren und es dann zu Beschwerden kommen kann.

Also haben Rückenschmerzen mit den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu tun und nichts mit den Jahren, die man auf dem Buckel hat?

Ja und nein. Natürlich summieren sich die Jahre, in denen man wenig aktiv war, oder vielleicht auch zu viel gegessen hat. Andererseits kann extreme Aktivität, wie im Extremsport, die Wirbelsäule überfordern. Ausgewogenheit ist auch hier zu empfehlen. Weiterhin bringen wir eine genetisch bedingte Veranlagung mit, d. h. einige Menschen bekommen eher, andere später degenerative Veränderungen. Allerdings kommen auch häufig Kinder und Jugendliche mit Schmerzen zu uns, die dann doch häufig mit der Lebensweise und dem Aktivitätsniveau zu begründen sind.

Apropos Geist: Können auch Stress oder Sorgen zu Rückenschmerzen führen?

Durchaus. Auf lange Sicht wirken seelische Belastungen auch auf den Körper. Denn sie beeinflussen unter anderem die Grundspannung der Muskeln. Man sagt ja auch, dass die Wirbelsäule die Seele zeigt. Oder anders: An der Haltung des Körpers wird oftmals deutlich, wie es um die psychische Befindlichkeit des Menschen bestellt ist.

Das heißt: Wenn der Rücken schmerzt, ist nicht gleich ein orthopädischer Eingriff nötig?

Keinesfalls. Denn erst einmal muss der Arzt herausfinden, wodurch die Schmerzen verursacht werden. Da ist nicht immer eine riesige Diagnostik mit folgender komplexer Therapie nötig. Denn vieles lässt sich schon im Gespräch und bei der körperlichen Untersuchung herausfinden. Oftmals sind die Krankengymnastik und sportliche Aktivität, auch unter Anleitung, die beste Medizin. Was nichts anderes heißt als: Bewegung und Aktivität sind die besten Möglichkeiten, sich vor Rückenschmerzen zu schützen. Natürlich helfen wir Ärzt:innen gern, wenn Patient:innen Beschwerden haben. Aber ein Stück weit ist jeder für seine Gesundheit durchaus mitverantwortlich.  

Was halten Sie eigentlich von Osteopathie und Chiropraktik?

Die Manuelle Medizin (auch Chiropraktik genannt) halte ich für eine echte Bereicherung, vor allem um Beschwerden an der Wirbelsäule besser diagnostizieren zu können. Ich dringe an unserer Klinik darauf, dass alle Kollegin:innen die Manuelle Medizin, für die es klare Ausbildungsrichtlinien gibt, beherrscht. Denn damit lassen sich die häufigen funktionellen Störungen sehr gut diagnostizieren und behandeln. Osteopathie ist eine sehr komplexe Lehre, die den Menschen ganzheitlich betrachtet und eine sehr gute konservative Ergänzung des Diagnose- und Therapiespektrums ist. Aber alle diese Verfahren haben natürlich auch ihre Grenzen.​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 05​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.   ​

Bei altersbedingten Stimmstörungen kann gut geholfen werden

Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie und des Zentrums für Musikermedizin: Menschliche Stimme braucht Pflege – Teil 1

Wie das Alter die Haut zeichnet, wirkt es ebenso auf die Stimmlippen – auch die Stimme wird älter. Ursache ist – auch hier Ähnlichkeiten mit der Gesichtshaut – eine nachlassende Elastizität: Stimmlippen schließen nicht vollständig oder nicht lange genug, Feinmotorik und Feinsteuerung gehen mit dem Lebensalter zurück.

„Ein bis zwei Patienten sind es mindestens pro Woche, die wegen ​altersbedingter Stimmprobleme in unsere Spezialsprechstunde für Stimmstörungen kommen", sagt Prof. Dr. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie​ an der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig​. „Ein Paradebeispiel ist die 70-jährige Frau, für die der Chor Lebensmittelpunkt ist, und deren Stimme plötzlich nicht mehr ins Klanggefüge passt. Oder der 65-jährige Stadtführer, der stimmlich nicht mehr in die letzte Reihe seiner Gäste durchdringt. Beiden kann ich sagen: Keine Bange, es kann oft gut geholfen werden."

Wie der Leipziger Phoniater und Pädaudiologe erläutert, muss jedoch zuerst geklärt werden, ob die stimmlichen Veränderungen krankheitsbedingt oder altersbedingt sind: „Jede Heiserkeit, die länger als drei Wochen besteht, kann auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten, beispielsweise eine Lähmung der Stimmlippen oder einen Tumor. Für eine Stimmalterung typisch ist eine langsam zunehmende Heiserkeit. Diese so genannte Presbyphonie tritt meist nach dem Ende der Berufstätigkeit auf, also etwa im Alter von 65 bis 70 Jahren."

Ein logopädisches oder gesangspädagogisches Training kann nicht unbedingt Wunder, aber doch eine ganze Menge bewirken. Da viele Logopäden zwar auf die Sprechstimme, aber nicht auf die Gesangsstimme ausgebildet sind, empfiehlt Prof. Fuchs älteren Hobbysängern, sich bei Problemen an das 2021 am Universitätsklinikum Leipzig neu gegründete Zentrum für Musikermedizin zu wenden. In der Spezialsprechstunde kann beraten und auf der Grundlage des Netzwerkes Musikermedizin Leipzig an geeignete Gesangspädagogen vermittelt werden. Dafür besteht auch eine enge Kooperation mit Hochschulen für Musik und Musikschulen, die oft kostenlose oder preisgünstige Kurse zum Singen im Alter anbieten. „Ziel ist es dabei, ohne eine mechanische Mehrbeanspruchung des Kehlkopfes eine lautere oder tragfähigere Stimme zu erreichen. Die Ansatzräume des Stimmapparates sind dafür ganz wichtig", so der Phoniater, der auch den Leipziger Thomanerchor betreut.

Ursache der Presbyphonie ist – wie bei der Gesichtshaut – eine nachlassende Elastizität: Die Stimmlippen schließen nicht vollständig oder nicht lange genug. Auch gehen Feinmotorik und Feinsteuerung mit dem Lebensalter zurück. „Das Gefühl für die Stimme kann verloren gehen", so Prof. Fuchs. Dazu kommen mit dem Alter Schwerhörigkeit, Kurzatmigkeit, so dass es am Stützvorgang für die Stimmentstehung mangeln kann, oder trockene Schleimhäute. Zudem gibt es rund 200 Medikamente, die die Schleimhäute angreifen können. Eine veränderte Stimme ist dann nicht überraschend.​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 06​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Konservativ, chirurgisch oder ein Besuch in der Saline: Hilfe bei altersbedingten Stimmstörungen

Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie und des Zentrums für Musikermedizin: Menschliche Stimme braucht Pflege – Teil 2

Wie das Alter die Haut zeichnet, wirkt es ebenso auf die Stimmlippen – auch die Stimme wird älter. Ursache ist – auch hier Ähnlichkeiten mit der Gesichtshaut – eine nachlassende Elastizität: Stimmlippen schließen nicht vollständig oder nicht lange genug, Feinmotorik und Feinsteuerung gehen mit dem Lebens​alter zurück. Doch diesem Prozess muss sich niemand „kampflos" ergeben.

Vorbeugen können alle, die Wert auf ihre Stimme legen, indem sie diese regelmäßig trainieren. „Gerade alleinstehende Menschen haben leider oft wenig Gelegenheit zum Reden, vom Singen ganz zu schweigen. Gerade in der Pandemie-Zeit ist das durch die eingeschränkten Kontakte und Möglichkeiten zum gemeinsamen Musizieren ein wirkliches Problem", so Prof. Fuchs. „Auf Dauer kann die Stimme geradezu verkümmern." Deshalb übt das Trällern eines Liedchens ungemein und hebt zudem die Stimmung, da sollte man nicht spotten.

Die konservative Therapie für altersbedingte Stimmstörungen besteht also aus Stimmübungen und aus dem Erlernen von Kompensationsstrategien. Medikamentös gebe es wenig Möglichkeiten, aber Prof. Fuchs hat einen Geheimtipp: Den Besuch einer Saline. „Beispielsweise die Saline in Bad Dürrenberg ist für die Stimme ein Genuss. Der Besuch ist kostenlos, und im Frühling ist der Park wunderschön." Eine Dampf-Inhalation oder auch einen Saunabesuch sieht der Leipziger Stimmarzt dagegen eher skeptisch: Die Inhalation bringt zwar etwas bei Schnupfen, weil sie die Schleimhäute abschwellen lässt, aber nichts für den Kehlkopf. Die Sauna sei zwar gut für die Fitness des Körpers, wirke aber nicht unbedingt positiv auf die Stimmorgane. „Besonders die Sauna-Aufgüsse sind eher gefährlich für die Stimme, weil sie im Kehlkopf regelrechte Verbrühungen bewirken können", so Prof. Fuchs. Dagegen sind Kaltinhalationen mit einem speziellen Inhalationsgerät sehr wirksam.

Wenn die Übungsbehandlung und Pflege des Stimmapparates nicht ausreichen, kann chirurgisch mit zwei Eingriffsarten geholfen werden: Einerseits mit einem „Lifting der Stimmbänder", bei dem körpereigenes oder auch Fremdmaterial in die Stimmlippen gespritzt werde, so dass sie sich wieder elastisch schließen können. Alternativ komme die Kehlkopfgerüstchirurgie in Betracht. Hierbei werde zum Beispiel bei einer Thyroplastik der Stimmlippenschluss verbessert, indem die Stimmlippe von außen in die Mittellinie verlagert wird. Beide Operationen werden von der Krankenkasse bezahlt, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht.

„Die menschliche Stimme ist einzigartig", sagt Prof. Fuchs. „Wir können damit alles ausdrücken – was uns freut und ärgert, was uns aufregt und bewegt. Deshalb sollten wir unsere Stimme gut pflegen. Sie ist ja das einzige Instrument, das wir immer bei uns tragen, ohne es ins Futteral stecken und wegpacken zu können. Und eine neue Stimme können wir uns nicht kaufen."​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 07​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.​​

Fünf Kardinalsymptome können Wundinfektion anzeigen

Fachschwester Karen Hoffmann erläutert Hintergründe von Wundheilungsstörungen und Therapiemöglichkeiten​

„Wundinfektionen gab es schon immer. Allerdings hat ihre Häufigkeit in den letzten zehn Jahren zugenommen", sagt Karen Hoffmann, Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. „Die Ursachen liegen vor allem in den zunehmenden Antibiotika-Resistenzen und der steigenden Zahl von zugleich alten und mit mehrfachen Krankheiten belastete Menschen."

Wie sie weiter erläutert, ist jede chronische Wunde mit Keimen besiedelt. Solange aber keine Infektionszeichen auftreten, gebe es keinen Grund zur Sorge. Werde aber eine kritische Grenze an Mikroorganismen überschritten, die das Gleichgewicht zwischen Keimbesiedelung und Abwehrreaktion störe, werde von Kolonisation gesprochen. Ein Indiz dafür sei zum Beispiel eine stagnierende Wundheilung. Treten Infektionszeichen auf, sei von einer Infektion auszugehen. Das heiße, dass sich Keime vermehrten und eine massive immunologische Wirtsreaktion erfolge. Bei zusätzlichen deutlichen systemischen Infektionszeichen wie Fieber werde von einer Infektionserkrankung gesprochen.

„Kardinalsymptome für eine Wundinfektion sind Rötung, Schwellung, Schmerz, Bewegungseinschränkung und lokale Überwärmung", so Schwester Karen. „Bei einigen Krankheitsbildern, wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder einer Durchblutungsstörung müssen nicht alle Symptome auftreten.  Zudem gibt es weitere Krankheitszeichen, auf die geachtet werden muss: unangenehme Gerüche, eitriges Wundsekret oder ein aufgeworfener Wundrand."

Der Biofilm, in den Mikroorganismen, wie Bakterien, Viren und Pilze, eingebettet sind, sei der „schlimmste Feind", der in der Wundversorgung auftrete. Die Fachschwester erläuterte, dass diese Schleimschicht erst mechanisch entfernt werden müsse, ehe eine Desinfektion erfolgreich sei. Grundsätzlich problematisch in der Versorgung seien oft Stich-, Quetsch-, Pfählungs- und Bisswunden sowie freiliegende Knochen, Knorpel und Sehnen.  

Für Wundinfektionen reiche eine Blickdiagnose keineswegs aus. Vielmehr seien Wundabstrich, Gewebeprobe und Blutuntersuchung nötig. Bei der Therapie von Wundinfektionen gebe es eine breite Palette von Möglichkeiten. Die reichen von Wundspülungen über das Arbeiten mit Antiseptika bis zur Madentherapie, mit der schon manche böse Wunde gute Heilung fand.  Nicht zugelassen sind allerdings Mittel wie Heilerde, Lebensmittel oder Melkfett.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 08​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

„Körperliche Vollständigkeit braucht jede Frau für ihre Identität“

Prof. Dr. Stefan Langer sieht Brustrekonstruktion mit Eigengewebe vom Unterbauch als natürliche und nachhaltige Wiederherstellung des Körpers


„Jede Frau hat das Recht, nach einer Brustkrebsoperation wieder eine natürliche Brust zu bekommen, manchmal sogar schöner als vorher", sagt Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische, Ästhetische und Spezielle Handchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig​. „Dies ist vorteilhaft für ihre Identität und Symmetrie, ob sie nun 22 oder 72 Jahre alt ist." Im Gespräch erläutert er, wie er auch Jahre nach einer Brustkrebsoperation helfen kann – mit einem gut verträglichen und patientenfreundlichen Eingriff, den die Krankenkassen bezahlen.

Auch wenn sich die OP-Methoden weiterentwickelt haben und heute deutlich schonender sind: Der Krebs kostet manche Frau ein Teil ihrer Weiblichkeit. Wie kann man den Betroffenen helfen?

Auch die Methoden und das Können der plastischen Operateure haben sich weiterentwickelt. Deshalb kann ich nur raten: Kommen Sie in ein plastisch-chirurgisches Zentrum z. B. wie am Universitätsklinikum Leipzig. Auch wenn hier nicht die Brustkrebs-OP erfolgte, kann unser Team aus Plastischen Chirurgen allen Frauen helfen, wieder zu ihrer körperlichen Gesamtheit zu finden. Denn jede Frau hat das Recht, nach einer Brustkrebsoperation wieder eine natürliche Brust zu erhalten. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sehr die körperliche Vollständigkeit zum seelischen Überwinden der Krebserkrankung beiträgt. Aber auch die Erkrankung dürfen wir nicht vernachlässigen und so werden regelmäßig Nachuntersuchungen des transplantierten Gewebes, z.B. mit Ultraschall gemacht.

Gehen wir vom Extremfall aus: Eine Brust wurde vor zehn Jahren amputiert. Seither hilft eine Prothese mehr schlecht als recht. Was können Sie tun?

Auch dann kann ich den Wiederaufbau der Brust anbieten. Prinzipiell hat die Patientin die Wahl zwischen Silikonimplantaten oder Eigengewebe. Ich würde bei allen Frauen, bei denen das körperlich möglich ist, zum Eigengewebe raten. Dabei wird Fettgewebe vom Unterbauch entnommen, woraus ich die neue Brust modelliere. Dadurch wird übrigens der Bauch flacher und straffer wie bei einer Bauchdeckenstraffung, was viele Frauen als sehr angenehmen Nebeneffekt empfinden. Mit der Patientin wird immer das individuell Machbare besprochen. Wenn nötig wird also auch die vorhandene (gesunde) Brust optimiert. Auch so eine angleichende Brustoperation bezahlen die Krankenkassen.

Welche Rolle spielen das Alter und die Hautbeschaffenheit, beispielsweise bei Bauch-OP- oder Schwangerschaftsnarben?

Keine. Denn die körperliche Vollständigkeit braucht jede Frau für ihre Identität – ob sie nun alt oder jung ist. Zudem ist der Eingriff gut verträglich. Auch kein Problem sind Operations- oder Schwangerschaftsnarben: Aus der Haut, die mit dem Fettgewebe vom Unterbauch entnommen wird, wir die neue Brust geformt. Problematisch ist hingegen, wenn eine Schönheitsoperation (Fettschürzenentfernung) am Bauch vorgenommen wurde. Dann habe ich keine Chance mehr, dort „Material" für die Brustrekonstruktion zu entnehmen. Dann gibt es Möglichkeiten vom Gesäß oder vom Rücken gesundes Gewebe zu verwenden.​

Welche Vorteile hat der Brustaufbau mit Eigengewebe für die Patientin?

Manche Frauen haben Missempfindungen und Schmerzen durch das Silikonimplantat. Auch ist das kosmetische Resultat nicht immer gut und die Brust fühlt sich fest an und ist gefühllos. Beim Eigengewebe ist der Vorteil, das Gewebe ist kein Fremdgewebe, es ist, wie der Name schon sagt, alles eigen. Das Gewebe ist durchblutet, warm und bewegt sich zum Beispiel beim Sport ganz natürlich. Eigengewebe bleibt ein Leben lang, es muss nicht gewechselt werden wie beispielsweise ein Silikonimplantat und es führt Gewichtsveränderungen durch. Am Universitätsklinikum Leipzig führen wir diese Operationen häufig durch und haben eine große Erfahrung mit solchen Operationen. Wir haben bereits vielen Frauen damit zu einem neuen Lebensgefühl verholfen. Außerdem ist es auch möglich beide Brüste in einer Operation zu rekonstruieren.

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 09​​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Moderne Zahnimplantate auch im Alter noch sinnvoll

Moderne Implantate können heute bis ins hohe Alter Zähne einschließlich der Wurzel ersetzen. „Davon profitieren auch Senioren. Denn das Alter allein ist keine Kontraindikation.", betont Privatdozent Dr. Oliver Schierz, kommissarischer Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde am Universitätsklinikum Leipzig​.

​Implantate haben im Vergleich zur abnehmbaren Prothese den Vorteil, dass sie dem Gebiss insgesamt eine deutlich bessere Funktionalität geben. So wird mit implantatgestütztem Zahnersatz beispielsweise das Beißen in einen Apfel wieder möglich. Auch ermöglichen die Implantate den Zahnersatz sicher im Mund zu befestigen. Im Vergleich zur Brücke wiederum haben Implantate den Vorteil, dass für ihre Verwendung keine benachbarten Zähne beschliffen und damit geschädigt werden müssen. Implantate sind daher auch für Patienten im fortgeschrittenen Alter sinnvoll um ein festes Zubeißen und einen Sicheren Halt des Zahnersatzes zu gewährleisten.

Das Zahnimplantat wird – vereinfacht gesagt – nach dem Dübel-Prinzip eingesetzt: Loch bohren, Dübel einstecken, einheilen lassen, Zahn befestigen. In der überwiegenden Mehrzahl bestehen Implantate aus gewebefreundlichem Titan. Die verschiedensten Implantatsysteme, die in Deutschland Verwendung finden, unterscheiden sich demzufolge im Wesentlichen in Form, Aufbaumöglichkeiten, Oberflächenbeschichtung – und natürlich im Preis. Die richtige Wahl aus den über 200 verfügbaren Systemen treffen sie am bestem gemeinsam mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt Ihres Vertrauens.

Dennoch können leider nicht bei jedem Patienten die dauerhaft haltbaren und biologisch verträglichen Zahnimplantate verwendet werden, so Dr. Schierz. Bei Osteoporose müssen zum Beispiel oft Medikamente eingenommen werden, die das Einheilen von Zahnimplantaten erschweren. Auch bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem schlecht eingestellten Diabetes kommen bedingt durch diese Grunderkrankungen Implantate in der Regel nicht in Frage. Starkes Rauchen stellt ebenfalls eine Kontraindikation dar, da Nikotin ein Zellgift ist, welches die Einheilchancen erheblich vermindert. Im Alter kommt es in den zahnlosen Kieferbereichen darüber hinaus oft zu einem starken Knochenabbau. Ein unzureichendes Knochenangebot verkompliziert das Einpflanzen von Implantaten, da - je nach Ausmaß des Defekts – erst ausreichend Knochen aufgebaut werden muss.

In Leipzig bietet die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum das gesamte Spektrum moderner Zahnimplantate. „Das beginnt bei Vorbereitungsoperationen zum Knochenaufbau, reicht über das Setzen eines einzelnen Zahnimplantates bis zur Versorgung gänzlich Zahnloser mit Implantaten", so Dr. Schierz. „Dabei können wir im Interesse des Patienten aus den Systemen der verschiedensten Hersteller dasjenige auswählen, das für den individuellen Fall die besten Ergebnisse bringt. Gerade Patienten mit komplexeren Problemen, bei denen beispielsweise ein Knochenaufbau nötig ist, können am Universitätsklinikum Leipzig von der interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedensten Fächer rings um die Zahnmedizin profitieren."​

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 10​​​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier.

Hypophysentumor – nicht immer muss gleich operiert werden

Interdisziplinäre Spezialsprechstunde von Endokrinologen und Neurochirurgen am Universitätsklinikum Leipzig

Schwindel, Gesichtsfeldeinschränkungen, Kopfschmerzen, unerfüllter Kinderwunsch – es sind die unterschiedlichsten Symptome, die auf einen Tumor an der Hirnanhangdrüse hinweisen können. CT- und MRT-Untersuchungen des Kopfes werden aus den unterschiedlichsten Gründen durchgeführt. Dabei fallen nicht selten zufällig Veränderungen an der Hypophyse auf. Die Patienten werden daraufhin von den niedergelassenen Ärzten zu einer interdisziplinären Spezialsprechstunde am Universitätsklinikum Leipzig überwiesen, in der Endokrinologen und Neurochirurgen die Behandlung abstimmen. Dazu werden die Bilder von Neuroradiologen ausgewertet, es erfolgt eine Labordiagnostik und auch der augenärztliche Befund spielt eine wichtige Rolle.

Jede Woche sitzen in der Spezialsprechstunde für Hypophysentumoren PD Dr. Dirk Lindner, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, sowie die Endokrinologen Prof. Dr. Anke Tönjes, PD Dr. Konstanze Miehle und Dr. Benjamin Sandner Patienten gegenüber, die große Angst vor dieser Erkrankung in ihrem Kopf haben. „In den meisten Fällen handelt es sich bei Hypophysentumoren um ein Hypophysenadenom, also einer gutartigen Gewebsneubildung", so Dr. Lindner. „Dennoch entstehen Beschwerden, so dass genau abgewogen werden muss, wie im Interesse des Patienten vorzugehen ist."

Jeder einzelne Fall wird unter den unterschiedlichsten Aspekten gesehen, verschiedene medizinische Fachbereiche bringen ihre Kompetenz ein, um am Ende eine wirkungsvolle therapeutische Entscheidung zu treffen. Beispielsweise kann ein kleiner Tumor auch erst einmal beobachtet werden, wenn er die Funktion der Hirnanhangsdrüse nicht beeinträchtigt. Handelt es sich um das häufige Prolaktinom, reicht eine medikamentöse Behandlung meist aus. Bei hormonaktiven Tumoren oder Tumoren, die auf die Sehnervenkreuzung drücken, hilft aber nur die operative Entfernung. Selbst ein kleiner Tumor kann durch eine Hormonausschüttung eine Reihe von medizinischen Problemen, wie auch Zuckerstoffwechselstörungen, hohen Blutdruck oder Störungen des Menstruationszyklus verursachen. Durch eine Operation kann Heilung erzielt werden. Dennoch ist eine langfristige Nachsorge erforderlich.

Durch eine gute Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten verschiedener Fachrichtungen und den Kollegen der verschiedenen Fachbereiche der Universitätsklinik können diese Patienten mit häufig komplexen Beschwerdebildern interdisziplinär im Kompetenzzentrum betreut werden.

Im Rahmen der operativen Behandlung ist am Leipziger Universitätsklinikum ein endoskopischer Zugang über die Nase gemeinsam mit den Kollegen aus der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde​ etabliert wurden. Wie Dr. Lindner erläutert, haben die bisherigen durchgeführten Operationen gezeigt, dass diese schonende Methode zu einer relativ geringen Belastung des Patienten führt. Zudem besteht eine große Chance, dass das Riechvermögen und die hormonelle Funktion erhalten bleiben. „Der Einsatz von HD-Videotechnologie bis zur dreidimensionalen Darstellung ermöglicht dem Operateur eine sehr gute anatomische Orientierung und eine verlässliche Differenzierung der verschiedenen Gewebe. Damit können auch kleine Reste des Tumors erkannt und entfernt werden."

In: Gesundheitsmagazin "Liebigstraße aktuell" 11​​​/22 (PDF). Eine Übersicht aller Gesundheitsmagazine finden Sie hier. ​