​"Pflege ist individuell wie die Menschen selbst"

​​​​​Was Gesundheits- und Krankenpfleger Thomas Gille an seinem Beruf fasziniert und warum es mehr Männer braucht.

​"Ich bin immer wieder fasziniert davon, was Pflege und Medizin heutzutage am Patienten erreichen können. Pflege ist Arbeit am und mit Menschen, sie ist individuell wie die Menschen selbst, man macht nie dasselbe." Der junge Mann, der so begeistert über seinen Beruf spricht, heißt Thomas Gille und ist ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger, arbeitet in der Klinik und Poliklinik für Angiologie des UKL und ist Stationsleiter der Stationen F 3.1              und F 3.2.

Faszinierende Angiologie

Gille ist Jahrgang 1981 und stammt aus Aschersleben. Der Berufswunsch Pfleger entstand während des Zivildienstes in seiner Heimat. Dort arbeitete er nach seiner Ausbildung zuerst in der Unfallchirurgie und in der Intensivpflege. Seit 2007 ist er Leipziger, fand eine Stelle in einem Leipziger Krankenhaus. Dort lernte er das Fachgebiet der Angiologie kennen und schätzen. 2016 wechselte Thomas Gille dann ans UKL. ​"Das Uniklinikum als Maximalversorger und der Ruf des Hauses als universitäre Einrichtung haben mich sehr gereizt", sagt er. Die Angiologie finde er immer noch sehr faszinierend, erzählt Gille und gerät fast ins Schwärmen: ​"Was man heute minimal-invasiv tun kann, zum Beispiel eine Aorten-Prothese mit einem Katheter setzen – eigentlich unvorstellbar!"

Bereits nach kurzer Zeit wurde Pfleger Thomas zum stellvertretenden Stationsleiter ernannt – eine große Herausforderung zwar, wie er sagt, aber toll von der damaligen Stationsleitung unterstützt. ​"Und ich fand beste Weiterbildungsmöglichkeiten vor, die mir halfen, das Gesamtkonzept eines Universitätsklinikums zu verstehen und mich auf meine Führungsrolle vorzubereiten."

Seit September 2018 leitet er die Pflege an den Stationen F 3.1 und F 3.2. Zu ​"seinen" Angiologie-Patienten kamen nun noch neurologische Patienten dazu. Diese kommen direkt von der Stroke Unit, der Schlaganfallspezialstation, und werden auf die Reha oder auf ihre Entlassung vorbereitet: ​"Dadurch musste ich auch viel Neues lernen." Den Unterschied zwischen Stellvertreter und Leiter beschreibt Gille kurz und treffend: ​"Auf einmal steht man selbst für alles in der Endverantwortung."

Wohl dem, der dann eine Stellvertreterin wie Jacqueline Siegel hat. Sie sei die ideale Besetzung, erklärt der 38-Jährige:

​"Wir sehen uns sowieso eher als Leitungsteam auf einer Ebene«, meint er denn auch, »wir haben alles gemeinsam aufgebaut, das erleichtert mir ungemein die Arbeit."


PFLEGE AM UKL – Ein Erfahrungsbericht: Stationsleiter Thomas Gille

 

"Die tägliche Herausforderung nehme ich sehr gern an"

Über die Jahre ist Thomas Gilles Liebe zu seinem Beruf eher noch stärker geworden. Umso mehr ärgert ihn das seiner Ansicht nach falsche Bild, das noch immer in der Öffentlichkeit herrscht: ​"Viele Menschen denken beim Begriff Pflege weiterhin nur an Patienten waschen, ihnen Essen bringen und Tabletten reichen." Doch diese Vorstellung sei völlig falsch, betont der Stationsleiter. Pflege sei so viel mehr und sicher kein Beruf, in dem man täglich dasselbe tue. Nach einer Ausbildung bestünde zudem eine ganze Reihe an Möglichkeiten für eine persönliche Spezialisierung. Schon seit seiner Ausbildung seien viele neue Behandlungsmöglichkeiten entstanden, so Thomas Gille, zugenommen hätten allerdings auch die Dokumentationspflichten.

An seinem Arbeitgeber schätzt er vor allem das Weiterbildungsangebot: ​"Man hat am UKL viele Möglichkeiten, sich weiter oder in eine andere Richtung zu spezialisieren." Allerdings werde man hier auch stark gefordert. ​"Doch diese tägliche Herausforderung nehme ich sehr gern an", erklärt der Pfleger.

Das Verhältnis zu den Ärztinnen und Ärzten auf der Angiologie bezeichnet Gille als sehr kollegial, fast schon freundschaftlich. Ratschläge seitens der Pflege würden von den Ärzten ernst genommen und wenn möglich auch umgesetzt, berichtet er. Gerade sei man dabei, Stationskonzepte zu optimieren, um beispielsweise die Aufnahme von Patienten und die Wartezeiten zu verbessern. ​"Hier arbeiten Ärzte und Pflegeteam Hand in Hand", freut sich der Stationsleiter.

​Pflegekräfte –​ Vermittler zwischen Arzt und Patient

Die Pflegenden sieht Thomas Gille als Bindeglied und auch mal als Vermittler zwischen Arzt und Patient. Diese könnten fördernd und unterstützend am Patienten wirken, mit Blick auf dessen Entlassung oder anstehenden Reha-Maßnahmen. Er sagt aber auch: ​"Patienten sehen einen heute mehr als Dienstleister und äußerten zum Teil viel höhere Ansprüche."

Auf seine beiden Teams hält Stationsleiter Gille große Stücke: ​"Für mich ist es das erste große Team, was derartig harmoniert, das erleichtert so vieles", meint er. Ob Stationsleiter oder nicht – Thomas Gille sieht sich als Teil des Teams. Ganz entschieden plädiert er zudem dafür, dass sich mehr Männer für den Beruf des Pflegers entscheiden: ​"In gemischten Teams herrscht einfach eine andere Atmosphäre, trotz der unterschiedlichen Sichtweisen von Frauen und Männern auf manche Dinge", ist er sich sicher, ​"zusammen ergibt es das bessere Ergebnis."

Zum jetzigen Zeitpunkt kann sich Thomas Gille als beruflich sehr zufrieden beschreiben:

​"Trotz der Größe des Klinikums kann ich auch als Einzelner Einfluss ausüben, und meine Ideen werden wahrgenommen."