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Generalistische Ausbildung an der Medizinischen Berufsfachschule

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Die ersten Generalisten sind da

Anfang des Monats März 2020 hat an der Medizinischen Berufsfachschule (MBFS) des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) die neue generalistische Pflegeausbildung begonnen. 25 Auszubildende der ersten Klasse wurden feierlich immatrikuliert. Die MBFS ist einer der ersten Einrichtungen im Freistaat Sachsen, die pflegerischen Nachwuchs gemäß dem neuen Pflegeberufegesetz ausbilden.
Generalistik bedeutet im Kern hier die Zusammenführung mehrerer Berufe zu einem gemeinsamen Berufsbild. Die drei bisherigen Pflegefachberufe in den Bereichen der „Altenpflege", „Gesundheits- und Krankenpflege" und „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege" wird es in dieser Form nicht mehr geben. Die nun gestarteten Auszubildenden erwerben den Berufsabschluss „Pflegefachfrau" beziehungsweise „Pflegefachmann". Sie werden für alle pflegerischen Tätigkeitsfelder ausgebildet.

Am 2. März 2020 begann an der MBFS ein neues Kapitel in der Pflegeausbildung – für die Azubis wie für die Lehrkräfte gleichermaßen. Denn an diesem Tag startete die erste Klasse mit ihrer generalistischen Ausbildung. Künftig erhalten alle Pflege-Azubis eine einheitliche Berufsausbildung. Den gesetzlichen Rahmen steckt dabei das im Januar 2020 in Kraft getretene Pflegeberufegesetz ab.

Denn obwohl sie sich inhaltlich stark überschnitten, waren die bisherigen Ausbildungen getrennt im Altenpflege- und im Krankenpflegegesetz geregelt. Im neuen Gesetz sind sie nun zusammengeführt worden. Die Pflegeausbildung wird dadurch modernisiert und an veränderte Anforderungen angepasst. Sie befähigt die Absolventen, Menschen in allen Bereichen – von der Akutpflege über den ambulanten Bereich bis zur Langzeitpflege – zu versorgen. Denn der Bedarf an Fachkräften und der Wettbewerb um Auszubildende nehmen beständig zu. Das neue Gesetz soll somit auch helfen, die Attraktivität der Ausbildung dieses Berufs zu steigern.

„Wir fühlen uns sehr gut vorbereitet, endlich geht es los", sagt Ronny Seidel. Zusammen mit Kristin Heistermann leitet er kommissarisch die Berufsfachschule in der Leipziger Richterstraße. „Wir sind nun mit einer Klasse gestartet. Vieles ist noch im Fluss, hier und dort werden wir sicher noch an den berühmten Stellschrauben drehen, das werden Theorie und Praxis zeigen."

Für die Mitarbeiter an der Schule habe sich sehr viel geändert, erklärt er. Die zwei bisher eigenständigen Bereiche Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege – Altenpflege als dritter Bereich wird an der MBFS nicht ausgebildet – zu einem zusammenzuführen, sei eine große Herausforderung gewesen. „Diesen Prozess", erklärt der kommissarische Schulleiter, „begleiten wir seit Jahren mit der Entwicklung eines neuen schulinternen Curriculums, eines Lehrplans." Für die an der Schule Tätigen ist das Thema daher so neu nicht mehr: „Seit 2014/15 beschäftigen wir uns bereits damit, seit etwa drei oder vier Jahren war klar, dass es so kommt", erinnert er sich. Eine Pflicht zur Fort- oder Weiterbildung der Lehrkräfte im Vorfeld habe es zwar nicht gegeben, bis 2029 müssen jedoch alle Lehrkräfte auf Master-Niveau ausgebildet sein, erläutert Seidel.

Der Berufsabschluss ist EU-weit anerkannt

Die generalistische Ausbildung dauert drei Jahre. Sie ermöglicht es den späteren Pflegefachkräften, die Betreuung von Patienten unabhängig von deren Alter sicherzustellen, weil sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen betreuen können. Die Einsatzbereiche werden somit universeller, breiter und flexibler, Einsatzmöglichkeiten steigen und somit auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Das Pflegeberufegesetz weist noch eine bemerkenswerte Neuerung auf: Erstmals werden bestimmte berufliche Tätigkeiten, die dem Pflegeberuf vorbehalten sind, also auch nur von entsprechend ausgebildetem Personal ausgeführt werden dürfen, geregelt. „Dies dürfte in meinen Augen helfen, den Beruf des Pflegenden aufzuwerten", erklärt Schulleiter Seidel.

Der neue Berufsabschluss ist zudem EU-weit anerkannt. Mit ihm in der Tasche können Absolventen auch im EU-Ausland leichter Arbeit finden. Die Azubis erhalten außerdem eine angemessene Ausbildungsvergütung.

Bewerben für einen Ausbildungsplatz können sich alle jungen Leute mit einer zehnjährigen allgemeinen Schulbildung. „Für Jugendliche mit Hauptschulabschluss nach neun Jahren gibt es die Möglichkeit, Pflegehelfer zu werden", ergänzt Ronny Seidel. Doch auch wer bereits eine andere Berufausbildung absolviert habe, betont er, könne sich natürlich für eine Ausbildung in der Pflege bewerben.

Die generalistische Ausbildung weist einen noch höheren Praxisbezug als die bisherige auf. Diesem gerecht zu werden sieht Seidel als eine der Herausforderungen des neuen Ausbildungssystems. „Praxisluft" schnuppern die neuen Azubis wie gewohnt im UKL. „Wir theoretischen Ausbilder arbeiten ganz eng mit den Zentralen Praxisanleitern am UKL zusammen, die sind nahe dran an den Azubis", hebt Seidel hervor. „Auch mit Kerstin Voigt als Geschäftsführende Pflegerische Departmentleiterin stimmen wir uns permanent ab."
Mögliche Einschränkungen durch die generalistische Ausbildungsweise sieht Seidel nicht: „Wir tragen dafür Sorge, dass unsere Azubis während ihrer Ausbildung alle Bereiche in der praktischen Ausbildung kennenlernen", betont er.

In fünf Jahren wird die neue Ausbildung auf Prüfstein gestellt

Nicht nur Ausbildungs- und Prüfungsverordnung haben sich geändert, auch die Finanzierung der Ausbildung ist komplett neu geregelt worden: Bisher, so erklärt Ronny Seidel, sei die Ausbildung über die Krankenkassen finanziert worden. Nun gebe es hingegen im Freistaat den Sächsischen Ausbildungsfond für Pflegeberufe. In diesen zahle jeder Träger der Ausbildung ein. „Und in einer Art Umlageverfahren vergibt das Land Gelder an alle Ausbildungsträger zur Finanzierung dieser Ausbildung", erklärt er weiter. Neu sei, so Seidel, die Teilung der Mittel einerseits für Träger der praktischen Ausbildung und für Schulen andererseits. „Weil unsere Azubis ihre praktische Ausbildung am UKL absolvieren, trifft auf uns beides zu, Trägeridentität genannt", erläutert der Berufsschulpädagoge.

In fünf Jahren will der Gesetzgeber überprüfen, ob sich die neue Ausbildung bewährt hat, ob Teile des Gesetzes nachgebessert werden müssen oder ob doch zum bisherigen Modell zurückgekehrt wird.

Wenn im September die nächsten Generalistik-Klassen an der MBFS und auch an anderen sächsischen Ausbildungsstätten starten, werden alle von den bis dahin gemachten Erfahrungen der jetzigen Premieren-Klasse profitieren können. Den Lehrkräften der Leipziger Schule geht es nach eigenem Bekunden dabei mehr um Zusammenarbeit und Kontaktpflege als um Konkurrenzdenken.

1 Jahr Generalistik - Ein guter Start trotz kleiner Hindernisse

Ein Jahr generalistische Pflegeausbildung am UKL

Vor einem Jahr wurde an der Medizinischen Berufsfachschule (MBFS) des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) ein neues Kapitel in der Pflegeausbildung aufgeschlagen: Als eine der ersten Einrichtungen in Sachsen startete die UKL-Berufsfachschule am 2. März 2020 mit der generalistischen Ausbildung in der Pflege. Ein Neuanfang mit Hindernissen – denn nahezu zeitgleich begann die erste Welle der Corona-Pandemie.

Für die Lehrer an der Medizinische Berufsfachschule hat sich mit der neuen Pflegeausbildung sehr viel geändert. Die bisher getrennten Lehrbereiche Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege - der dritte Bereich, die Altenpflege, wird an der MBFS nicht gelehrt - wurden zu einem zusammengeführt. Pflege wird nunmehr rein generalistisch ausgebildet. Ein völlig neuer Beruf ist entstanden.

Die pflegerische Handlung steht im Mittelpunkt

„Der neue Rahmenlehrplan ist ganz anders als alles was es vorher gab", sagt Jannicke Schickert. Sie leitet den Fachbereich Pflege an der MBFS. Die Ausbildungsinhalte seien gänzlich neu strukturiert, sagt sie. „Die pflegerische Handlung steht nun im Mittelpunkt." Anderer Fächer bediene sich die pflegerische Ausbildung nur noch als Bezugswissenschaft. „Vorher war die Ausbildung sehr Medizinlastig, die menschliche Anatomie und Physiologie haben eine große Rolle gespielt. Jetzt ist die Ausbildung klar pflegewissenschaftlich orientiert."  
Für die Ausbildung künftiger Generalisten sei die Schule auf einem sehr guten Weg, sagt die Fachbereichsleiterin. „Wir sind aktiv dabei, ein wunderbares Curriculum für unsere Schüler auszuarbeiten. Daran sind viele Mitarbeiter mit großer Motivation und Freude beteiligt." Auch ein Ablaufplan für die nächsten drei Jahre steht. Erprobt ist er noch nicht. Die Praxis werde zeigen, an welchen Stellen noch optimiert werden muss, bis am Ende alles so läuft, wie man sich das vorstellt, sagt Schickert.

Zwei Wochen nach Ausbildungsbeginn kam der Lockdown

Von den 25 Azubis der ersten Generalistikklasse sind die meisten noch dabei - auch wenn es nicht immer einfach war und ist. Vor allem das erste Halbjahr haben die Schüler als ungewiss erlebt. „Sie wussten nicht so richtig, woran sie sind. Kaum hatten sie sich zwei Wochen gesehen, kam der Lockdown. Das macht ja was mit den Schülern", so die Fachbereichsleiterin. Folglich mussten sich die Azubis gleich zu Beginn der Ausbildung das theoretische Wissen via E-Learning selber aneignen. Auch der fachpraktische Unterricht konnte nicht stattfinden. Dank der Zentralen Praxisanleiter des UKL (ZPA) konnte dies im Verlauf des Ausbildungsjahres jedoch zu großen Teilen kompensiert werden. So fand am 19. Juni letzten Jahres der erste Praxis-Theorie-Tag statt, der gemeinsam mit der Berufsfachschule veranstaltet wurde. Den Schülern bot sich dabei die Gelegenheit, sich wenigstens in Gruppen mal wieder zu sehen, gemeinsam zu lernen und auszutauschen.

Praxisanleiter unterstützen Pflegeazubis

Die generalisierte Pflegeausbildung sieht einen größeren Praxisbezug vor als bisher. Den Zentralen Praxisanleitern kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. „Es gibt mehr individuelle Anleitungszeit. Die Auszubildenden werden stärker an die Hand genommen", sagt Doreen Eichstädt, stellvertretende Leiterin des ZPA-Teams am UKL. Sie und ihre Kolleginnen sind für den praktischen Part der neuen Ausbildung zuständig. Sie haben die Ausbildungserfordernisse im Blick und sind gleichzeitig Unterstützer und die wichtigsten Ansprechpartner für die Pflegeazubis.

Wie bereits die theroretische, erfordert auch die praktische Ausbildung von den Beteiligten komplettes Neu- und Umdenken. Die Abstufungen der zu vermittelnden Fähigkeiten und Fertigkeiten seien beispielsweise klarer als bisher und folgen dem Prinzip der langsamen Steigerung: vom geringen Pflegeaufwand hin zum hohen, so Eichstädt. „Die Auszubildenden sollen erstmal beobachten und mitwirken, ein Gefühl entwickeln für den Beruf und was er mit sich bringt. Früher durften die Auszubildenden gleich selbstständig am Patienten arbeiten.Die Schüler sollen erstmal schauen und beobachten, ein Gefühl entwickeln für den Beruf und was er mit sich bringt. Früher durften die Schüler teilweise gleich ‚ran an den Patienten'."

Dem neuen Lehransatz entsprechend, haben sich auch die Zugangsvoraussetzungen für pflegerische Ausbildung geändert. Praktika im Pflegebereich seien nicht mehr verpflichtend, weshalb manche Auszubildenden auch keine pflegerischen Vorkenntnisse mitbrächten, ergänzt ZPA-Kollegin Svea Hörner.

„Ohne die Unterstützung der Stationen ginge es nicht"

Zehn Prozent der praktischen Lehrzeit muss als Anleitungszeit umgesetzt werden. Und alles, was angeleitet wird, muss dokumentiert werden. „Das stellt im Stationsalltag immer wieder eine große Herausforderung dar", weiß Doreen Eichstädt.  
Da die ZPA nicht für jeden Azubi die komplette Anleitungszeit abdecken können, werden sie von den Kollegen auf den Stationen unterstützt. Diese fungieren auch als Ansprechpartner für die Azubis, die auf ihrer Station im Einsatz sind. Die Praxisanleiter vermitteln den Schülern die Grundkenntnisse der Krankenpflege und versorgen mit ihnen gemeinsam die Patienten auf Station. Die Auszubildenden lernen dabei nicht nur, wie man Infusionen legt und Verbände macht, sondern auch, wie sie die Pflege ihrer Patienten am besten organisieren und strukturieren können. „Ohne die Unterstützung der Stationen ginge es nicht", betont Doreen Eichstädt.

Die Praxisanleiter sorgen zum einen dafür, dass die vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte in entsprechendem Umfang vermittelt werden. Zum anderen führen sie die Ausbildungsgespräche mit den Azubis, nehmen die Beurteilungen vor oder prüfen ihre Teamfähigkeit. „Von ihnen bekommen wir die Rückmeldungen, wie die Auszubildenden sich entwickeln, was gut läuft und woran man eventuell noch arbeiten muss."

Generalistische Pflegeausbildung – die richtige Wahl

Die erste Generalistikklasse der MBFS ist mittlerweile im 2. Ausbildungsjahr. Eine der Auszubildenden ist Sandra Wilhelm. Sie gehört zu den älteren der Azubis und hat sich ganz bewusst für den Pflegeberuf entschieden – auch für die generalistische Ausbildung. Neben ihrem inhaltlichen Interesse für den Beruf, haben sie vor allem das hohe Maß an Arbeitsplatzsicherheit und die positive Lohnentwicklung am UKL bei der Berufswahl überzeugt.

In der generalistischen Pflegeausbildung sieht Sandra Wilhelm viele Vorteile: „Die Arbeit macht mir Spaß. Ich mag das heterogene Lern- und Arbeitsumfeld. Und ich fühle mich wohl, auf Station in ein neues umfassendes Wissensgebiet einzutauchen." Ein positiver Nebeneffekt der beruflichen Fachqualifikation sei auch, dass man fast alles, was man sich an Wissen aneignet, auch außerhalb des beruflichen Umfeldes anwenden kann. „Man profitiert auf mehreren Ebenen, das ist für mich besonders reizvoll." Auch ihre Klasse in der Berufsfachschule erlebe sie als fleißig, wissbegierig und hochmotiviert.

Anders als bei anderen Ausbildungen, kann die Pilotklasse an vielen Stellen nicht auf Bewährtes zugreifen. „Vieles in der neuen Ausbildung wird mit uns erstmalig erprobt", sagt Sandra Wilhelm. „Hier brechen wir auch die eine oder andere Lanze für die, die nach uns kommen."
Die Corona-Pandemie hat den Schülern die ohnehin herausfordernden Anfangsbedingungen zusätzlich erschwert. Die fehlenden Unterrichts- und Praxiszeiten in der Berufsfachschule bereiten vielen Schülern Bauchweh – vor allem mit Blick auf die bevorstehenden Prüfungen. Hilfreich an dieser Stelle seien die Anleitungen durch die ZPA, die die Azubis als sehr effektive Lernzeit erleben, so Wilhelm.
Trotz allem ist Sandra Wilhelm nach wie vor sehr froh, sich für die generalistische Ausbildung entschieden zu haben: „Ich sehe die Perspektiven und Chancen und bin optimistisch, die Prüfungen zu bestehen und nach drei Jahren einen qualifizierten Abschluss in den Händen halten zu können."

Hintergrund generalistische Pflegeausbildung

Die neue Pflegefachkraftausbildung dauert drei Jahre. Die Azubis erwerben den Berufsabschluss „Pflegefachfrau" bzw. „Pflegefachmann". Der theoretische Unterricht findet an der Medizinischen Berufsfachschule statt, die praktische Ausbildung zum größten Teil am UKL.

Die neu strukturierte generalistische Pflegeausbildung führt die bisherigen drei Ausbildungen der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in einer zusammen. Den gesetzlichen Rahmen dafür steckt das im Januar 2020 in Kraft getretene Pflegeberufegesetz.

Mit der generalistischen Pflegeausbildung sind Fachkräfte künftig universell und flexibel in allen Pflegebereichen – ob Kranken- Kinderkranken oder Altenpflege -– einsetzbar. Zudem ist der neue Berufsabschluss EU-weit anerkannt.

Nähere Informationen zur generalistischen Pflegeausbildung sowie zu weiteren Ausbildungsmöglichkeiten am UKL

Interview mit Geschäftsführender pflegerischer Departementleiterin Kerstin Voigt

„Wir sind gut auf unsere neuen Auszubildenden vorbereitet."

Das UKL und die Medizinische Berufsschule (MBFS) haben im März 2020 die ersten 25 Auszubildenden begrüßt, die den neuen Abschluss „Pflegefachfrau" beziehungsweise „Pflegefachmann" anstreben. Kerstin Voigt, Geschäftsführende pflegerische Departementleiterin, gibt einen Einblick in die damit verbundenen Herausforderungen für das UKL.

Die neue generalistische Pflegeausbildung ermöglicht es Auszubildenden, die Pflege von Menschen aller Altersgruppen und für alle Versorgungsbereiche zu erlernen. Das bedeutet, dass sich damit auch Veränderungen im Arbeitsalltag auf den Stationen ergeben. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Vor gut vier Jahren haben wir begonnen, uns auf die neue Pflegeausbildung einzustellen. Die damit verbundenen Veränderungen und teils auch Sorgen wurden intensiv auf unterschiedlichen Ebenen besprochen – zum Beispiel während der jährlichen Klausurtagung für unsere Führungskräfte, bei monatlichen Stationsleitungstreffen oder bei themenspezifischen Arbeitsgruppen, in denen Vertreter der MBFS, unseres Personalbereichs und unserer Zentralen Praxisanleiter intensiv zusammengearbeitet haben.

Können Sie ein Beispiel für diese Veränderungen nennen?  

Hier kann ich den Bereich der Kinderkrankenpflege nennen: Bis vor kurzem gab es hierfür eine spezifische Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger für eine überschaubare Zahl von Schülern. Im Zuge der neuen Ausbildung müssen sich unsere Kollegen auf der Station auf mehr Azubis einstellen, denen sie die Inhalte der Kinderkrankenpflege innerhalb einer definierten Zeit umfassend vermitteln müssen, da die Azubis nun im Anschluss an ihre Ausbildung ja die Möglichkeit haben, gerade dort in der Kinderkrankenpflege tätig zu werden. Diese neue Situation kann zunächst selbst für eine gestandene Pflegekraft eine Herausforderung darstellen.

Neu ist ebenso, dass im neuen Pflegeberufegesetz als Grundlage der generalistischen Ausbildung so genannte Vorbehaltsaufgaben der Pflegefachkräfte erstmals definiert sind: Beispielsweise sind ausschließlich sie es, die den individuellen Pflegebedarf eines jeden Patienten erheben und planen. Außerdem sind sie nun dafür zuständig, die Qualität der Pflege regelmäßig zu analysieren und zu evaluieren.

Wie stellen Sie sicher, dass der Start sowohl für die Azubis als auch für Ihre Mitarbeiter gut gelingt?

Eine Schlüsselfunktion in diesem Umstellungsprozess nehmen unsere Zentralen Praxisanleiter an: Als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis haben sie die Aufgabe, alle Beteiligten zu involvieren und die neue Ausbildung in der Praxis am UKL zu etablieren. Persönliche Gespräche mit den Kollegen stehen hier an erster Stelle. Beliebt ist auch unser neues Format „UpDate Generalistik" – eine interne Veranstaltung, in der über die neue Ausbildung informiert wird. Hier haben unsere Mitarbeiter auch die Möglichkeit, Fragen loszuwerden, die ihnen „unter den Nägeln brennen".

Das hört sich nach viel Arbeit und Verantwortung für die Praxisanleiter an …

Ja, das stimmt. Aber sie machen ihren Job sehr gut! Um den Umstellungsprozess für alle erfolgreich zu gestalten, investieren sie viel Zeit und Kraft. Dazu gehört selbstverständlich auch ihre eigene kontinuierliche Fortbildung, die ebenfalls im Pflegeberufegesetz  geregelt ist. Wir haben uns dazu entschlossen, die geforderte praktische Anleitung der Azubis von zehn Prozent der Ausbildungszeit primär durch Zentrale Praxisanleiter sicherzustellen. Das bedeutet, dass wir perspektivisch bis zu 22 hauptamtlich tätige Praxisanleiter beschäftigen werden.

Dies ist im Vergleich zu anderen Kliniken keine Selbstverständlichkeit. Natürlich sind die Kollegen nicht auf sich allein gestellt. Auf nahezu jeder Station haben wir zusätzlich Mentoren für die Azubis etabliert. Im Grunde ist aber jeder Mitarbeiter der Pflege für die Ausbildung der neuen Kollegen verantwortlich.

Welche Vorteile sehen Sie bezüglich der neuen Ausbildung?

Auch, wenn wir jetzt erst mal alle Hände voll zu tun haben – zukünftig sehe ich einen entscheidenden Vorteil darin, dass wir die künftigen Absolventen der generalistischen Ausbildung viel flexibler auf unseren Stationen einsetzen können, da alle die gleiche Grundausbildung durchlaufen haben. Auch die Auszubildenden selbst haben nach ihrem Abschluss bessere Perspektiven, in der Pflege ihr Auskommen zu finden. Zudem besteht für sie die Möglichkeit, in ganz Europa anerkannt pflegen zu können. Ich sehe der Zukunft optimistisch entgegen und bin überzeugt, dass sich die generalistische Ausbildung in Deutschland durchsetzen wird. Auch die Möglichkeit, die Ausbildung mit einem Studium zu verbinden, ist für das UKL eine Perspektive, um professionelle Pflegefachpersonen zu entwickeln. Abschließend kann ich sagen, dass wir ein tolles Team am UKL haben und wir uns gemeinsam dafür einsetzen werden, unsere Patienten auch in Zukunft bestmöglich zu versorgen.