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Pressemitteilung vom 06.12.2019

„Besser Ohren zuhalten“: Leipziger Schüler erfahren Sprengkraft illegaler Böller

Aktionstag am UKL konfrontiert mit Folgen von Knallkörperverletzungen

Erst kommt die Stichflamme, dann der extrem laute Knall und die Druckwelle: Wenn ein Böller, der hierzulande nicht zugelassen ist, explodiert, klingeln die Ohren. An der Schweinepfote ist anschließend gut zu erkennen, welche Schäden diese Detonation an einer menschlichen Hand hinterlassen hätte.

Erst kommt die Stichflamme, dann der extrem laute Knall und die Druckwelle: Wenn ein Böller, der hierzulande nicht zugelassen ist, explodiert, klingeln die Ohren. An der Schweinepfote ist anschließend gut zu erkennen, welche Schäden diese Detonation an einer menschlichen Hand hinterlassen hätte.

Leipzig. Jedes Jahr verunglücken Kinder an Silvester und Neujahr, weil sie mit Knallkörpern spielen oder diese unsachgemäß entzünden wollen. Die Folgen können dramatisch sein: schwere Verletzungen zum Beispiel an Händen und Gesicht, große Schmerzen, lange Krankenhausaufenthalte, viele Operationen. Daher findet am 7. Dezember deutschlandweit der "Tag des brandverletzten Kindes" in diesem Jahr unter dem Motto "Verknallt an Silvester" statt und rückt vor allem Unfallgefahren, die von Feuerwerkskörpern ausgehen, in den Mittelpunkt. Die Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie des UKL hatte aus diesem Anlass am Freitag, 6. Dezember, Schüler der achten und neunten Klasse zweier Leipziger Schulen eingeladen.
Sie erlebten unter anderem, welche Sprengkraft Knallkörper entwickeln, welche Schäden dabei angerichtet werden können und was im Notfall zu tun ist. Es war eine unüberhörbare Demonstration – mit nachhallendem Effekt bei den jungen Zuschauern, so hoffen es die Organisatoren Alexander Rost, Nicole Geuthel und Dr. Steffi Mayer von der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie.

Hauptbrandmeister Dieter Kermes (re.) und Brandoberinspektor-Anwärter Raik Wildfeuer (li.) demonstrieren, was passiert, wenn nicht vollständig entleerte Deo- oder andere Spraydosen in Feuer geraten.

Die Veranstaltung war Teil des bundesweiten "Tages des brandverletzten Kindes" von Paulinchen e.V., der "Initiative für brandverletzte Kinder". Eingeladen waren etwa 150 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 und 9 der Heinrich-Pestalozzi-Oberschule (Böhlitz-Ehrenberg) und der Oberschule am Adler. Gemeinsam mit professionellen Pyrotechnikern von Dreamfireworks, der Feuerwehr Leipzig sowie der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH (ehemals ASG Ambulanz Leipzig) bekamen die Jugendlichen die Zerstörungskraft verschiedener Knallkörper und Notfalllöschungen vorgeführt, erhielten eine Einführung in Erste-Hilfe-Maßnahmen und konnten Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge besichtigen.

Sogar Druckwelle spürbar
Sie haben Namen, die so spielerisch wie verführerisch klingen, und viele sehen auch wie Spielzeug aus: Crazy Robot, La Bomba, Atomic, Spanish Bomb. Doch sie haben es in sich. "Wenn ich euch sage, haltet jetzt die Ohren zu, dann macht das besser auch." Nur Augenblicke nach diesem Ratschlag der professionellen Pyrotechniker Katrin Beyer-Schwarz und Thomas Fechteler aus Rositz bei Altenburg wissen alle, warum es besser war, ihm auch Folge zu leisten. Ein ohrenbetäubender Knall hallt über den Innenhof auf dem Gelände des UKL, sogar eine leichte Druckwelle ist spürbar. Die meisten Mädchen und Jungen sind erkennbar beeindruckt von der Detonation eines hierzulande illegalen Knallkörpers. Er zerfetzt fast die an eine Holzlatte befestigte Schweinepfote, ein weiterer Böller schleudert den Schuh, in dem er steckte, viele Meter weit.

"Schweinepfoten eignen sich als Demonstrationsobjekt, weil ihre Gewebestruktur der eines menschlichen Unterarms sehr ähnlich ist", erläutert Beyer-Schwarz. Sie erklärt den Jugendlichen, auf was sie im Umgang mit Feuerwerkskörpern achten müssen und woran sie legale Böller erkennen können.

Die Vorführung mit Knalleffekt war jedoch nur eine von drei Stationen, um das gewünschte Ergebnis, nämlich einen sachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern und damit die Verhinderung schwerer Verletzungen, tiefer ins Bewusstsein der Schüler dringen zu lassen.
Auch die Feuerwehr Leipzig war vor Ort und demonstrierte unter anderem, was passiert, wenn sich nicht vollständig geleerte Deo- oder auch Haarspraydosen entzünden: Sie explodieren mit einem lauten Knall. Hauptbrandmeister Dieter Kermes erklärt dazu: "Vieles im Haushalt ist gar nicht so ungefährlich, wie es scheint."
"Was mache ich, wenn ich jemanden finde, der bewusstlos ist?": Die Rettungssanitäter des ASG, die bei der dritten Station im Haus 6 Erste-Hilfe-Maßnahmen mit den Schülern üben, haben angesichts der ziemlich frischen Außentemperaturen einen kleinen Standortvorteil, denn während ihnen die Schüler bei den Ratschlägen zur Wiederbelebung folgen und selbst aktiv werden, können sie sich gleichzeitig etwas aufwärmen.

Illegale Böller mit unkalkulierbarer Wirkung
Ein Aktionstag wie dieser sei wichtig, sagt Prof. Ulf Bühligen, Leiter der kinderchirurgischen Poliklinik, "weil die Jugendlichen so die Kräfte, die hier wirken, selbst sehen und hören können." Illegale Böller seien völlig unkalkulierbar in ihrer Wirkung, dies mache sie so gefährlich, meint Bühligen. "Es sind nicht nur die Hitze und der Druck, sondern auch die Pulverbestandteile, die in die Haut und ins Gewebe dringen und neben schwersten Verbrennungen und Knochenbrüchen auch zu Infektionen führen können."

"Gefährdet sind vor allem Jungen", meint auch Kinderchirurgie-Klinikdirektor Prof. Martin Lacher, "gerade an Neujahr suchen sie nach Blindgängern und versuchen diese anzuzünden." Das Gefahrenbewusstsein im für diese Verletzungen typischen Alter von 10 bis 14 Jahren sei bei den Kindern oft nicht da, sagt er, im Vordergrund stünden Spannung und Abenteuer.
"Gesunde Kinder werden unter Umständen durch so eine einzelne Aktion ein Leben lang geschädigt", meint Prof. Bühligen eindrücklich. "Wenn wir diese rund 150 Mädchen und Jungen, die uns heute besucht haben, zu Neujahr nicht bei uns behandeln müssen, dann haben wir schon etwas erreicht", betont der Kinderchirurg.

An einer Übungspuppe, einem so genannten Dummy, können die Schüler Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Wiederbelebung bewusstloser Menschen trainieren.

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