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Pressemitteilung vom 24.01.2019

Kinderchirurgen am UKL behandeln bis zu 50 Tierbissverletzungen im Jahr

Infektionsrisiko der Wunden oft unterschätzt

"Tiere sind keine Spielzeuge", sagt Prof. Martin Lacher, Klinikdirektor der UKL-Kinderchirurgie. Ein Mal jede Woche behandeln er und seine Mitarbeiter Tierbissverletzungen bei kleinen Kiindern.

"Tiere sind keine Spielzeuge", sagt Prof. Martin Lacher, Klinikdirektor der UKL-Kinderchirurgie. Ein Mal jede Woche behandeln er und seine Mitarbeiter Tierbissverletzungen bei kleinen Kiindern.

Leipzig. Im Durchschnitt ein Mal pro Woche behandeln die Kinderchirurgen am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) ein kleines Kind, welches von einem Tier gebissen wurde. Meist sind es Hunde oder Katzen, die für oft schmerzhafte Wunden sorgen, welche sich zudem auch noch entzünden können, wenn sie nicht ärztlich behandelt werden. Doch es gibt auch drastischere Fälle: Einem anderthalb Jahre alten Jungen biss ein Esel einen Teil des Zeigefingers ab. Eltern müssten ihre Kinder im Umgang mit Tieren stärker sensibilisieren, rät der Klinikdirektor.

In mehr als einem Drittel aller Haushalte in Deutschland werden Tiere gehalten. 75 Prozent aller Bissverletzungen geschehen so auch durch Hunde und Katzen. Statistiken zeigen, Mädchen werden eher von Katzen gebissen, Jungen hingegen von Hunden. Fast immer ist es der eigene oder ein bekannter Hund.
Rund 50 Tierbisse zählten Prof. Martin Lacher, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am UKL, und sein Team im Jahr 2018. Im Jahr davor sahen die Zahlen ähnlich aus. Hunde führen die Rangliste klar an, gefolgt von Katzen. In den vergangenen Jahren vertreten waren auch Wildschwein, Marder, Ratten, Hasen, Meerschweinchen, sogar ein Pinguin im Zoo - und eben auch Pferde und ein Esel.

"Im Herbst des vergangenen Jahres hatten wir den drastischen Fall eines anderthalb Jahre alten Jungen, der einen Esel füttern wollte und dabei seine Finger regelrecht ins Maul des Tieres steckte", erinnert sich Prof. Lacher. Der Esel biss dem Kleinkind das Endglied des Zeigefingers ab. "Die Eltern brachten das abgebissene Fingerglied zwar mit, dieses wurde auch gemeinsam mit den Kollegen des Bereichs 'Plastische, Ästhetische und spezielle Handchirurgie' replantiert, doch angewachsen ist er leider nicht mehr", erläutert Lacher. Gerade in Streichelgehegen, so der Kinderchirurg, müssten Eltern ihren kleinen Kindern unbedingt zeigen, wie man zum Beispiel die Hand zum Füttern richtig hält.

"Vergleicht man die verletzten Körperteile, ist es beispielsweise nicht so sehr die Katze, die in die Hand beißt, tragisch wird es hingegen bei einem Hund, der das Gesicht des jüngeren Kleinkinds erwischt, denn beide treffen sich sozusagen auf Augenhöhe", hebt Prof. Lacher hervor. Bisse in die Wangen, die Augenbereiche und die Augenlider sind die Folgen. Bei älteren und damit größeren Kindern sind oft der Hals und der Nacken sowie Arme und Beine betroffen.

Kommt ein Kind mit einem Tierbiss in die Kinderchirurgische Klinik, wird neben der Wundversorgung vor allem auf den Impfstatus geschaut - bei Mensch (Tetanus) und beim Tier (Tollwut). Neben dem Säubern und Spülen der Wunde wird bei der Erstversorgung auch das so genannte Debridement durchgeführt: Gewebe, welches nicht mehr durchblutet wird ("avital"), wird dabei entfernt. Gerade nach Gesichtsverletzungen bleiben oft Narben und Keloide (Wulstnarben) zurück. Deren Nachbehandlung erfolgt dann ebenso durch die Experten am UKL.

Oft unterschätzt wird laut Klinikdirektor Lacher das Risiko einer Infektion der Tierbisswunde. Eine solche muss mit speziellen Antibiotika behandelt werden, da die Mundhöhle der Tiere ein besonderes Spektrum von seltenen Bakterien ausweist. Ein besonderes hohes Infektionsrisiko besteht bei Bissverletzungen der Hand durch Katzen. 
Kinderchirurg Lacher sieht Eltern stärker in der Pflicht, ihre Kinder zu sensibilisieren. "Tiere sind keine Spielzeuge. Die Kleinen sollten wissen, wie und wann man sich einem Tier nähert und wann besser nicht."

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