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„Die Medizin hat sich unglaublich entwickelt – zu unserem Glück“

​Für den Partner da sein – das wird oft so leicht dahingesagt. Die Geschichte des Dresdener Ehepaares Simone und Andreas Freude zeigt, wie weit es gehen kann, ja, manchmal gehen muss, wenn man für den Partner da ist.

„Schon in der Kindheit hatte ich mit diversen Nierenerkrankungen zu kämpfen", erzählt Simone Freude. „Nierenbeckenentzündung, Blasenentzündung, alles schmerzhaft und unangenehm. Dazu kamen Kreislauf- und Blutdruckprobleme. Als ich 20 Jahre alt war, kamen die Mediziner der Ursache auf die Spur. Ich litt an einer polyzystischen Nierenerkrankung, die nicht nur die Nieren in Mitleidenschaft zieht, sondern auch die Leber."

Anfangs war medizinisch alles noch zu beherrschen, zweimal im Jahr wurde die heute 52-Jährige untersucht. Sie gebar einen gesunden Sohn. Doch 2013 wurde es prekär: Die Zysten verursachten heftige Schmerzen, gegen die sogar Morphium eingesetzt werden musste. Die Ärzte entschieden sich, die am stärksten betroffene Niere zu entfernen. Damit begann die Zeit der Dialyse, die aber stets nur ein Übergang sein kann.

„Die Ärzte hatten mit uns beiden schon gesprochen, ob eine Lebend-Nierenspende in Frage kommen würde", blickt Andreas Freude zurück. „Das ist ja zuallererst eine Frage an mich gewesen. Und natürlich habe ich zugestimmt. Für meine Frau mache ich alles." Nach Gesprächen und Voruntersuchungen stand dann fest, dass eine Transplantation möglich ist, auch wenn sie die Blutgruppe 0 und er die Blutgruppe B hat. „Die Medizin hat sich ja unglaublich entwickelt – zu unserem Glück", sagt der 54-Jährige.

Ein Jahr später wurde im Klinikum Dresden die Nierentransplantation vorgenommen. „Seine rechte Niere liegt seit 2014 bei mir vorn links", sagt Simone Freude und streicht ihrem Mann über die Hand. Zwei Jahre später musste ihre zweite Niere entfernt werden. Sie war durch die Zysten sehr groß geworden, zudem verursachte die kranke Niere immer wieder Infektionen. Und gerade das braucht eineTransplantierte am wenigsten.

Das war ja schon allerhand, was man für den Partner tun kann. Die Leidensgeschichte der Dresdner Buchhalterin ging aber noch weiter. Sie erinnert sich: „Im Mai 2017 fuhren wir nach Innsbruck in den Urlaub. Am zweiten Tag bekam ich starke Schmerzen im Bauch. In der Klinik in Innsbruck wurde ich untersucht und die Ärzte rieten mir, zurück nach Dresden in die Uniklinik zu fahren, weil man mich da am besten kennt."

Also zurück nach Dresden, die Schmerzen wurden höllisch, Notarzt, Intensivstation. Die Zystenleber hatte eine schwere Sepsis verursacht, die mit größter Mühe nach vier Wochen überstanden war. Zugleich wurde aber klar: Die Leber muss transplantiert werden. Und jetzt begann Kapitel 2 des Für-den-Partner-da-Seins: Andreas Freude wurde gefragt, ob er seiner Frau auch einen Teil seiner Leber spenden würde. Und natürlich stimmte er zu.

Simone Freude war inzwischen per Hubschrauber nach Leipzig ins Leberzentrum am Universitätsklinikum verlegt worden. Dort kämpften die Mediziner mittels Dialyse gegen die Wassereinlagerungen in ihren Körper. Am Anfang dieser Behandlung wog sie 85 Kilogramm, am Ende  47 Kilogramm. Bei Andreas wurden – wie schon bei der Nierenspende – viele Untersuchungen vorgenommen, um sicherzustellen, dass mit der Transplantation nicht nur der Frau geholfen werden kann, sondern auch, dass der Mann nicht geschädigt wird.

„Ich hatte von Mai bis August im Krankenhaus gelegen, musste deshalb für die Operation wieder Fitness gewinnen", sagt Simone Freude. „Also habe ich zu Hause am Rollator wieder gehen gelernt. Dann sind wir sogar noch eine Woche in den Urlaub gefahren: 15 Kilometer von Dresden entfernt, damit im Falle des Falles die Hilfe ganz nah ist. Das war für mich nach den Monaten schwerer Krankheit wirklich Entspannung."

Am 17. Oktober 2017 fand dann in Leipzig die Lebend-Lebertransplantation statt. Zwölf Stunden dauerte die OP, fünf Wochen musste sie noch im Krankenhaus bleiben. „Ich wurde wie ein rohes Ei behandelt", lacht sie heute. „Naja, es kommt ja auch nicht oft vor, dass eine schon Transplantierte ein weiteres Organ bekommen muss. Mein größtes Glück war es, von meinem Mann nach der Niere auch noch eine neue Leber zu bekommen. Leider wissen viele nicht genug über eine Lebendspende – beispielsweise, dass auch eine blutgruppenübergreifende Organspende möglich ist. Wir wünschen uns, dass mehr Menschen daran denken, dass auch sie im Ernstfall helfen können."

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