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„Sabrina ist meine beste Freundin“

„Die Geburt meiner Zwillinge vor zehn Jahren verlief gut, sie kamen in der 38. Woche und schienen beide gesund zu sein", erzählt Daniela Bochmann. „Sie kamen bei uns in Zwickau vorsichtshalber auf die Frühchenstation, und die behandelnde Ärztin sah bei Nelly Probleme. Sie war sich unsicher, was mit dem Baby nicht stimmte und sie schickte uns nach Leipzig. Hier am Universitätsklinikum wurde schnell eine Gallengangatresie festgestellt: Die Leber konnte nicht richtig arbeiten. Um den Gallefluss behelfsweise wiederherzustellen, wurde eine Kasai-Operation vorgenommen, so dass die Gallenflüssigkeit in den Darm ablaufen konnte. Damit war unser Kind erst einmal gerettet. Aber uns wurde schon damals deutlich gesagt, dass Nelly um eine Lebertransplantation nicht herumkommt."

Mehrere Jahre ging alles gut. Bis sich die Leberwerte immer weiter verschlechterten. Als Nelly fünf Jahre alt war, kam sie auf die Transplantationsliste. Und wie ihre Mutter wusste, wie gering die Chancen auf ein Spenderorgan waren, ließ sie sich testen, ob sie nicht einen Teil ihrer Leber spenden könnte.

„Mein Mann war natürlich auch bereit zur Spende, doch die Mediziner sagten uns, dass eine Spende von mir für Nelly günstiger wäre", erklärt die heute 44-Jährige. „Dann begann der Test-Marathon, an den ich ungern zurückdenke. Organisch passte alles, das war gut. Aber dann: Die sogenannte psychologische Prüfung empfand ich als Zumutung. Mir wurden da Sachen unterstellt, die mich nervlich ans Ende brachten. Ich bin die Mutter und will meinem Kind helfen – und werde gefragt, ob ich mit meiner Organspende später mein Kind erpressen will? Wer denkt sich solchen Unsinn aus? Zum Glück war dann die ethische Prüfung freundlich und am Ende stand ich als Organspenderin fest."

Familie Bochmann machte sich schon gedanklich mit den Operationen vertraut, als plötzlich doch eine Spenderleber bereitstand. Nelly konnte damit ein vollständiges Organ bekommen anstatt nur ein Leberstück ihrer Mutter. Am 30. April 2014 erfolgte die Transplantation. „Ich habe höchsten Respekt davor, dass eine Familie einwilligte, die Organe eines Angehörigen zu spenden", sagt Daniela Bochmann. „Und ich bin unendlich dankbar, auch den Ärzten, die alles so wunderbar hinbekommen haben."

Nach der OP kamen die Leipziger Mediziner zu Nelly ans Bett und sagten ihr, dass die neue Leber jetzt ihre beste Freundin ist. Und die beste Freundin braucht ja einen Namen. Den dachte sich Nelly ganz allein aus: Sabrina heißt seitdem die Leber, nach dem Pferd Sabrina aus dem Film Bibi und Tina.

„Mein größtes Glück war es, 2014 eine neue Leber zu bekommen. Sie heißt Sabrina und ist meine beste Freundin. Zusammen schaffen wir alles", sagt Nelly heute. Sie ist inzwischen zehn Jahre alt und besucht mit ihrer Mama alle fünf Wochen die Ärzte in der Universitäts-Kinderklinik. Hat sie nicht die Nase voll davon, ständig ins Krankenhaus zu müssen? „Ach wo, es sind doch alle sehr nett zu mir. Außerdem fällt dann immer die Schule aus", grinst sie.

„Wir wollen, dass Nelly so normal wie möglich leben kann. Man kann sie ja nicht in einen Glaskasten setzen. Also haben wir die generelle Sportbefreiung abgelehnt, so dass sie in der Schule auch im Sportunterricht unter ihren Klassenkameraden ist und nicht als Außenseiterin am Rande sitzt. Nur Ballspiele, Klettern und Stufenbarren sind gestrichen", erzählt Daniela Bochmann. „Überhaupt haben wir großes Glück mit der Schulklasse. Die Kinder kennen sich schon aus dem Kindergarten und passen alle auf Nelly auf."

Fünf Jahre ist die Transplantation her. An jedem 30. April lassen die Bochmanns einen Ballon in den Himmel steigen mit Grüßen an den Engel da oben, der über Nelly gewacht hat auf der Zwickauer Frühchenstation, bei der Transplantation in Leipzig – und hoffentlich noch ein ganzes Leben lang.

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