Sie sind hier: Skip Navigation LinksUniversitätsmedizin Leipzig

Geschichte der Humangenetik

​40 Jahre Humangenetik in Leipzig – Die Geschichte des ersten Lehrstuhls für Humangenetik der ehemaligen DDR

Die Anfänge des Instituts

​Die Geschichte der Humangenetik ist in Leipzig besonders eng mit dem Namen Theile und der hiesigen Kinderklinik verbunden. Prof. Herbert Theile begann nach Abschluss seiner Facharztausbildung für Physiologische Chemie im Jahr 1959 umgehend mit der Ausbildung für einen zweiten Facharzt im Fach Pädiatrie in der Kinderklinik der Universität Leipzig. Bereits Mitte der 1960er Jahre wurden durch ihn Kinder mit angeborenen Stoffwechselstörungen betreut und genetische Familienberatungen durchgeführt. Im Jahr 1970 wurde er durch den damaligen Direktor der Kinderklinik Prof. Liebe zum Leiter der Abteilung „Verdauungs- und Stoffwechselstörungen“ ernannt, aus welcher sich 1974 die Abteilung „Stoffwechsel und Genetik“ formte. Im selben Jahr erhielt Prof. Theile gemeinsam mit dem Greifswalder Genetiker Albert Knapp sowie Günther Cobet von der Berliner Charité den Nationalpreis der DDR für die „Einführung des Erfassungs- und Betreuungssystems der Phenylketonurie“.

Gründung des Lehrstuhls

​1977 erfolgte dann die Etablierung der selbständigen Abteilung Humangenetik an der Kinderklinik Leipzig mit einem eigenen Lehrstuhl, auf welchen Prof. Theile berufen wurde. Dies war nicht nur aus Leipziger, sondern auch aus nationaler Sicht ein bedeutender Meilenstein, denn Leipzig bekam hierdurch den ersten Lehrstuhl für Humangenetik in der damaligen DDR.

​Prof. Herbert Theile

​Gebäude des Bezirkskrankenhauses Leipzig-Dösen, ehemaliger Standort der selbständigen Abteilung Humangenetik der Kinderklink und des späteren Institutes für Humangenetik


In der Folge vereinte Prof. Theile die bislang unabhängigen Arbeitsbereiche „Klinische Genetik – Genetische Beratung“ und „Zytogenetik – Zellzüchtung“ und führte somit die zytogenetische Chromosomendiagnostik, die bereits seit 1967 durch Dr. K. R. Sandig durchgeführt wurde, der Abteilung Humangenetik zu. Sitz dieser neu fusionierten Abteilung waren Räumlichkeiten des Bezirkskrankenhauses Leipzig-Dösen. Im Jahr 1987 wurde der Arbeitsbereich Molekulargenetik hinzugefügt und das Methodenspektrum entsprechend erweitert. Dem großen wissenschaftlichen und persönlichem Engagement Theiles sowie der stetig wachsenden Nachfrage humangenetischer Sprechstunden ist es zu verdanken, dass im Oktober 1993 aus der selbständigen Abteilung ein eigenes Institut für Humangenetik an der Universität Leipzig gegründet wurde, zu dessen Direktor Prof. Theile ernannt wurde.

Verbindung zur Frauenheilkunde

​Während in den frühen Jahren der genetischen Ambulanz der klinische Fokus sehr auf pädiatrischen Stoffwechselerkrankungen lag, allen voran der Phenylketonurie und der Cystische Fibrose, nahm dieser Anteil im Laufe der Jahre insbesondere zugunsten pränataler Fragestellungen etwas ab. In den 1990er Jahren nahmen Schwangerschaftsberatungen, unter anderem aufgrund erhöhtem mütterlichen Alters, Auffälligkeiten im pränatalen Ultraschall oder Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft den größten Raum in der humangenetischen Ambulanz ein.

Diese zunehmende thematische Nähe zu gynäkologischen Themen trug sicherlich dazu bei, dass das neugegründete Institut am 16. Mai 1994 in modernisierte Räumlichkeiten im Gebäude der Universitätsfrauenklinik in der Philipp-Rosenthal-Straße ziehen konnte, welches noch heute der Standort des Instituts ist. Prof. Theile verlängerte sein Ordinariat um ein Jahr und leitete das Institut bis zur Emeritierung im September 1996, um eine reibungslose Übergabe an seine Nachfolge gewährleisten zu können.

Leitungswechsel

​Jene Nachfolge trat im November 1996 Frau Prof. Ursula Froster an, die in den kommenden Jahren unter anderem bewirkte, dass der Standort Leipzig Teil des Deutschen Konsortiums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs wurde und das Institut hierdurch einen weiteren bedeutsamen thematischen Schwerpunkt entwickelte.

Nach dem Ausscheiden Frau Prof. Frosters im Jahre 2009 wurde Prof. Eberhard Passarge am 01. Februar 2010 die kommissarische Leitung des Instituts für Humangenetik übertragen. Prof. Passarge war vor seiner Pensionierung Leiter des Instituts für Humangenetik der Universität Essen sowie langjähriger Vorsitzender des Berufsverbandes Medizinische Genetik sowie der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik. Unter der Leitung Prof. Passarges wurde ein Großteil der genetischen Ambulanz in die neu geschaffene Struktur des Medizinischen Versorgungszentrums überführt. Ebenso ist ihm zu verdanken, dass das Leipziger Institut für Humangenetik in seiner Funktion und Bedeutung bewahrt wurde. Prof. Passarge übergab die kommissarische Leitung des Instituts nach über 4 Jahren an den im März 2014 berufenen Stiftungsprofessor für Pädiatrische Klinische Genetik Prof. Johannes Lemke.

​Prof. Eberhard Passarge​Heutiges Institut für Humangenetik und Medizinisches Versorgungszentrum im Erd- sowie Sockelgeschoss in der Philipp-Rosenthal-Straße 55


In dieser jüngsten Phase des Instituts wurde insbesondere die molekulargenetische Diagnostik grundlegend reformiert und Hochdurchsatz-Sequenziertechniken eingeführt, die es erlauben, statt Einzelgenuntersuchungen nun auch Analysen des gesamten Erbguts durchzuführen. Auch personell konnte das Institut in dieser Zeit eine breitere Basis entwickeln. Durch die fortwährend gute Zusammenarbeit mit diversen Einrichtungen des Universitätsklinikums Leipzig und die gemeinsamen Anstrengungen in Krankenversorgung und Forschung kann das Institut für Humangenetik somit auf eine jahrzehntelange und erfolgreiche Geschichte zurückblicken und schaut mit Freude auf zukünftige Entwicklungen.

​Mitarbeiter des Instituts für Humangenetik im Mai 2014 mit Prof.
Herbert Theile (2. v. r.), Prof. Eberhardt Passarge (3. v. r.),
Prof. Johannes Lemke (4. v. r.)