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Pressemitteilung vom 29.04.2020

Sicherheit geht vor: Striktes Regime von der Pforte bis zum Behandlungsraum

Direktoren von HNO- und Augenklinik am UKL berichten über die gegenwärtige Situation für Patienten und Mitarbeiter

In den Kliniken der Kopf- und Zahnmedizin des UKL herrschen strenge Sicherheitsmaßnahmen, da hier nah am Gesicht des Patienten gearbeitet werden muss.

In den Kliniken der Kopf- und Zahnmedizin des UKL herrschen strenge Sicherheitsmaßnahmen, da hier nah am Gesicht des Patienten gearbeitet werden muss.

Leipzig. "Wir behandeln auch in Coronazeiten unsere Patienten, wollen zugleich aber mit aller Kraft verhindern, dass das Virus in unsere Kliniken eindringt", sagt Prof. Dr. Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und zugleich Leiter des Departments Kopf- und Zahnmedizin des Universitätsklinikums, zu denen neben der HNO auch die Augen-, die Mund-Kiefer-Gesichts- und die Zahnkliniken gehören. "Alle Mitarbeiter dieser Kliniken müssen sehr nah am Kopf des Patienten arbeiten, das Abstandsgebot ist bei uns nicht zu realisieren. Deshalb herrscht ein striktes Sicherheits- und Hygieneregime, und zwar schon an der Pforte."

Prof. Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und zugleich Leiter des Departments für Kopf- und Zahnmedizin des UKL

Am Eingang zu den sogenannten Kopfkliniken im Haus 1 wurde eine Schleuse aufgebaut, in der bei jedem Ankömmling erst einmal mit einem Detektionsgerät an der Schläfe Fieber gemessen wird, danach folgen Fragen nach erkrankten Familienangehörigen, Reisen und anderen Gefährdungsmöglichkeiten. Wenn erfolgreich gecheckt wurde, dass der Patient einen Termin hat, darf er nach einer Händedesinfektion zur Anmeldung gehen. Doch ganz gleich, ob ein ambulanter oder stationärer Eingriff  geplant ist: Alle Patienten werden einem Aufnahmescreening unterzogen.

"Kommt der Patient zu einem stationären Aufenthalt, wird bei ihm noch an der Anmeldung ein Abstrich gemacht, er erhält einen Mundschutz, geht auf Station und muss dort verbleiben", erklärt Prof. Dietz (Foto) weiter. "Liegt das Corona-Testergebnis vor, entscheidet sich, wie es weitergeht: Ist der Patient infiziert, wird medizinisch entschieden, ob die OP verschiebbar ist oder nicht. Kann man sie verschieben, dann wird die OP abgesagt und der Patient kommt zwei Wochen später nochmals zu uns. Ist der Patient nicht infiziert, gibt es ja keine Probleme."

Verschiebbare Eingriffe im HNO-Fachbereich wären beispielsweise Nasennebenhöhlen-OP, geplante Mandel-OP, Nasenscheidewand-OP oder auch eine Cochlea-Implantat-OP. "Nicht aufschiebbar dagegen wären akute Blutungen, ein Mandelabszess oder akute Tumorerkrankungen", so der Leipziger Klinikchef. "Dann würde der infizierte Patient in den Covid-Isolationsbereich überführt und dort unter extremsten Sicherheitsbedingungen operiert. So etwas war für HNO-Patienten bisher aber nicht nötig."

Alle Ärzte und Schwestern, die Kontakt zu Patienten haben, tragen bei der Untersuchung von Patienten Schutzvisiere, Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe. Bei speziellen Untersuchungen, beispielsweise per Endoskop, werden FFP2-Masken getragen. "Ich denke, dass wir mit unseren Schutzmaßnahmen für die Patienten eine große Sicherheit gewährleisten", sagt Prof. Dietz. "Wir bitten deshalb unsere Patienten, Verständnis dafür aufzubringen, dass auch sie mitmachen müssen - und beispielsweise während des Aufenthalts bei uns das Haus nicht verlassen und auch keinen Besuch empfangen dürfen."

An der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde wurden vorübergehend die Sprechstunde ausgedünnt und nicht unbedingt nötige Eingriffe abgesagt. "Aber natürlich haben wir bei Notfällen wie Netzhautablösungen oder schweren Unfällen die Patienten versorgt", so Prof. Dr. Peter Wiedemann (Foto), Direktor der Augenklinik. "Dabei sind Augenärzte sehr gefährdet. Denn wir arbeiten oft nur 20 Zentimeter vom Gesicht des Patienten entfernt. Da reicht schon ein Wort, um das Virus weiterzugeben. Übrigens: Die Lungenentzündung durch das neue Coronavirus, das inzwischen weltweit verbreitet ist, fiel in Wuhan zuerst dem jungen Augenarzt Li Wenliang auf, der dann an der Krankheit Covid-19 gestorben ist."

Als Vorsichtsmaßnahme vor einer möglichen Ansteckung tragen alle Mitarbeiter der Augenklinik einen Mund-Nasen-Schutz. An der Spaltlampe - einer Art Mikroskop, mit das Auge auf krankhafte Veränderungen untersucht werden kann, und das Hauptuntersuchungsgerät eines Augenarztes - wurde ein Schutzschild angebracht, um Tröpfcheninfektionen zu verhindern. "Gegenwärtig versuchen wir wieder zum normalen Behandlungsrhythmus zurückzukehren und den entstandenen Stau abzuarbeiten", sagt Prof. Wiedemann.

 

Prof. Peter Wiedemann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde

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