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Pressemitteilung vom 01.07.2019

80 Millionen Bakterien werden beim Küssen ausgetauscht

Welttag des Kusses am 6. Juli

Prof. Dr. med. dent. Sebastian Hahnel

Prof. Dr. med. dent. Sebastian Hahnel

Zahnmedizin-Experte Prof. Dr. med. dent. Sebastian Hahnel erklärt Wissenswertes zum Thema Küssen und Mundgesundheit. Hahnel leitet seit gut einem Jahr die Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde am Universitätsklinikum Leipzig. Mit seiner Berufung an die Uni Leipzig auf den Lehrstuhl für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde übernahm er auch die Leitung der hiesigen Poliklinik. Er ist Spezialist für Zahnersatz und Seniorenzahnmedizin.

Küssen ist gut für die Gesundheit und stärkt das Immunsystem, zahlreiche Nerven sind beteiligt und werden aktiviert, so heißt es im Allgemeinen. Ist Küssen auch gut für unsere Mundgesundheit?

Auch wenn Küssen glücklich macht: Ein Nutzen für die Mundgesundheit ist bis dato nicht eindeutig belegt. Tatsächlich ist es so, dass beim innigen Küssen viele Bakterien ausgetauscht werden; so belegen Studien, dass innerhalb von zehn Sekunden etwa 80 Millionen Bakterien übertragen werden. Dieser Austausch von Mikroorganismen könnte sogar förderlich für das Immunsystem sein, da die Bakterienlandschaft diversifiziert wird. Möglicherweise findet man deshalb bei Partnern auch Ähnlichkeiten im Mikrobiom der Mundhöhle, die umso größer sind, je häufiger sich das Paar küsst. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass auch pathogene Mikroorganismen ausgetauscht werden, etwa das Herpes- oder das Epstein-Barr-Virus. Unabhängig davon sollte immer eine gute Mundhygiene durchgeführt werden.

Regelmäßige Mundhygiene ist wichtig, nicht nur vor dem Küssen. Doch was ist zu tun bei Mundgeruch?

Spontan sollte man schnell die Zahnbürste zur Hand oder in den Mund nehmen, denn Küssen mit Mundgeruch ist für keinen der beiden Küssenden angenehm. Aber im Ernst, wenn Mundgeruch häufiger auftritt, kann das auch gesundheitliche Gründe haben. Ein Grund sind Erkrankungen des Zahnbettes und oftmals sammeln sich die Mikroorganismen auch als Belag auf der Zunge. Damit entsteht der unangenehme Geruch in der Mundhöhle, aber in seltenen Fällen können auch internistische Erkrankungen, vor allem von Speiseröhre und Magen, zu Mundgeruch führen. Das sollte dann von einem Arzt untersucht werden. Hier an der Uniklinik bietet die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie eine Spezialsprechstunde zum Thema Mundgeruch an.

Ihr Fachgebiet umfasst die Entwicklung und den Einsatz modernster Zahnprothesen. Gibt es beim Küssen mit Zahnersatz etwas zu beachten? Können bspw. allergische Reaktionen auftreten, wenn der Kusspartner nicht den richtigen Zahnersatz hat?

Beim Küssen mit Zahnersatz gibt es in aller Regel nichts zu beachten. Das dritte Gebiss muss heute nicht mehr herausfallen – es gibt in aller Regel Möglichkeiten, Prothesen auch bei Zahnlosigkeit fest zu verankern. In der Tat gibt es sogar wissenschaftliche Arbeiten die nachweisen, dass man mit implantatverankerten Prothesen lieber küsst als mit den klassischen Dritten. Hier sind wir in der Herstellung von Zahnprothesen schon einen großen Schritt weiter als noch vor 25 Jahren.

In meinen Forschungen untersuche ich unter anderem die Einsatzmöglichkeiten neuer innovativer Werkstoffe. So wollen wir künftig Prothesen herstellen, welche leichter und noch besser verträglich für den Patienten sind. Dazu gehört auch die Integration antimikrobieller Wirkstoffe, die eine besondere Schutzwirkung im Mund entfalten sollen. Hier sind wir auf einem guten Weg. Dass allergische Reaktionen beim Küssen ausgelöst werden könnten, weil der Küssende den Zahnersatz seiner Partnerin oder seines Partners nicht verträgt, halte ich aber eher für unwahrscheinlich.

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