Leipzig. Wann müssen nicht-sterile Einmalhandschuhe zwingend getragen werden und wann sollte aus gutem Grund besser darauf verzichtet werden? Mit der Beteiligung an der bundesweiten Kampagne „Mit oder ohne? – Handschuhe bewusst einsetzen“ des Kompetenzzentrums für klimaresiliente Medizin (KliMeG) stellt das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) in den kommenden Monaten und Jahren diese Frage in den Mittelpunkt. Ziel ist es, den Verbrauch von Einmalhandschuhen im Jahr 2026 um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zu reduzieren und damit sowohl die Händehygiene als auch die Umwelt- und Klimabilanz und den Arbeitsschutz nachhaltig zu verbessern.
Bei Betreten eines Isolationszimmers, beim Umlagern von Patient:innen oder beim Patiententransport – häufig werden dabei nicht-sterile Einmalhandschuhe getragen und die trotzdem notwendige Händedesinfektion manchmal vernachlässigt. Dies geschieht oftmals aus Routine, Unsicherheit oder Zeitdruck: „Eine Studie zur Einmalhandschuh-Nutzung aus dem Jahr 2022* hat gezeigt, dass diese in rund einem Drittel der beobachteten Situationen nicht indiziert war. Außer bei erwartetem Kontakt zu Körperflüssigkeiten, Schleimhaut, nicht intakter Haut oder bei der Flächendesinfektion ist eine alleinige gründliche Händedesinfektion die sicherere und hautschonendere Maßnahme“, bestätigt Dr. Susanne Kolbe-Busch, Leiterin des Instituts für Hygiene, Krankenhaushygiene und Umweltmedizin am UKL. Eine bewusste und gezielte Verwendung von Einmalhandschuhen reduziert nicht nur Abfall und entlastet die Umwelt, sondern verhindert auch die Verbreitung von Erregern und schützt die Haut.** „Wir wollen sicherstellen, dass alle Mitarbeiter:innen genau wissen, wann das Tragen von Handschuhen wirklich notwendig ist – und wann nicht. An diesem Punkt setzt die Kampagne an“, ergänzt Dr. Kolbe-Busch. „Wir stärken Wissen, klären auf und fördern eine bewusste Entscheidung für oder gegen Einmalhandschuhe – je nach aktueller Situation**. So wird aus dem Kampagnenmotto ‚Mit oder ohne?‘ schnell eine sichere Entscheidung zur Stärkung des Infektionsschutzes im Interesse unserer Patient:innen und Mitarbeiter:innen.“
Die Initiative zur Beteiligung an der Kampagne „Mit oder ohne? – Handschuhe bewusst einsetzen“ des Kompetenzzentrums für klimaresiliente Medizin, für die heute (2. Februar 2026) am UKL der Startschuss erfolgte, ging von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie gemeinsam mit dem Institut für Hygiene, Krankenhaushygiene und Umweltmedizin sowie dem Zentrum für Arbeitsmedizin und Prävention aus. Um das angestrebte Reduktionsziel zu erreichen, sollen alle Mitarbeitende am Klinikum zur aktiven Mitwirkung motiviert werden, denn nur gemeinsam können hier signifikante Verbesserungen erreicht werden.
Teams, die sich an der Kampagne beteiligen möchten, erhalten ein umfassendes Informationspaket für ihren Bereich. Zudem besteht die Möglichkeit, eine praxisnahe Schulung vor Ort mit einem fachlichen Tandem aus der Arbeitsmedizin und der Krankenhaushygiene zu buchen. Alle Teams erhalten bei der Umsetzung der Kampagne und fachlichen Fragen Unterstützung durch die drei Initiatoren.
Um den Erfolg der Kampagne konkret messbar zu machen, wird der Verbrauch von Einmalhandschuhen am UKL bereichsweise erfasst und ausgewertet. In rund einem Jahr soll überprüft werden, in welchem Umfang der Verbrauch reduziert werden konnte. Zusätzlich wird das Institut für Hygiene die Umsetzung der Händehygiene sowie die korrekte Nutzung von Einmalhandschuhen auf den Stationen beobachten und begleiten.
* https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35147391/
** Brunke M, Chaberny IF, Gastmeier P, Kolbe-Busch S, Wendt C, Arvand M: Der indikationsgerechte Einsatz von medizinischen Einmalhandschuhen in der Krankenversorgung: Gibt es hier Handlungsbedarf? Epid Bull 2023;18:3-6 | DOI 10.25646/11389