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Pressemitteilung vom 07.01.2026

Mit Chili-Wirkstoff gegen chronische Schmerzen

Schmerzexperten des UKL setzen Scharfstoff aus Chilischoten zur Schmerzlinderung ein/ Anwendung erfolgt kontrolliert in Schmerzambulanz und Tagesklinik

Dr. Stefan Scheike und Manuela Boldt, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zeigen das Pflaster, mit dem der Chiliwirkstoff bei Schmerzpatienten eingesetzt wird.

Dr. Stefan Scheike und Manuela Boldt, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zeigen das Pflaster, mit dem der Chiliwirkstoff bei Schmerzpatienten eingesetzt wird.

Leipzig. 12 Millionen – das ist die geschätzte Zahl der Menschen, die in Deutschland an chronischen Schmerzen leiden. Von akuten unterscheiden sich diese vor allem durch die Dauer: Hält ein Schmerz mindestens 12 Wochen an, ist dieser unabhängig vom Auslöser selbst zu einer chronischen Erkrankung geworden. Um den oft großen Leidensdruck zu lindern, bietet das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eine ambulante Behandlung in der Schmerzambulanz sowie eine mehrwöchige multimodale Schmerztherapie in einer speziellen Tagesklinik an. Zu den hier angewendeten Methoden gehört seit kurzem als wichtige Ergänzung auch der Einsatz von Capsaicin, dem Wirkstoff aus Chilischoten.

Chronische Schmerzen können sehr unterschiedlich sein, am häufigsten handelt es sich um Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen sowie Fibromyalgie und Migräne. Gemeinsam ist allen Formen, dass diese die Betroffenen oft stark im Alltag einschränken und zu Arbeitsunfähigkeit und sozialem Rückzug führen können. Denn was bei akut auftretenden Schmerzen hilft, versagt bei chronisch gewordenen Formen – die Folge sind anhaltende und wiederkehrende, oft heftige Schmerzen, gegen die nichts zu helfen scheint. „Der Hintergrund ist, dass oftmals nicht mehr die auslösende Ursache im Zentrum steht, sondern der Schmerz selbst als eine erlernte Reaktion des Organismus“, erklärt Dr. Stephan Scheike. Der Anästhesist leitet die Schmerztagesklinik am Universitätsklinikum Leipzig. Seit der Gründung vor sechs Jahren werden hier Patient:innen behandelt, die oft einen langen Leidensweg hinter sich haben. „Denn zunächst müssen alle möglichen organischen Ursachen ausgeschlossen werden, was oft eine Diagnose-Odyssee bedeutet,“ so Scheike. Am Ende steht die durchaus schwierige Erkenntnis, dass es scheinbar keinen Grund für den Schmerz gibt, dieser aber doch real empfunden wird. „An dieser Stelle setzt unser Angebot an“, so der Schmerzspezialist. Denn die multimodale Therapie nutzt verschiedene Behandlungsansätze von Medikamenten über Bewegung bis zur psychologischen Beratung und Verhaltenstherapie. Das Ziel ist bei allem, den Betroffenen einen besseren Umgang mit dem Schmerz und einen Erhalt oder Rückkehr des Alltags zu ermöglichen.

 

Neues Angebot bei Nervenschmerzen

Seit kurzem steht am UKL dabei auch ein neuer starker Wirkstoff zur Verfügung: Capsaicin, ein natürlicher Stoff, der vor allem in Chilischoten vorkommt und für deren berühmte Schärfe sorgt. „Für uns in der Schmerztherapie bietet der hochkonzentrierte Wirkstoff eine neue Option, um bei besonders belastenden und schwer zu lindernden Nervenschmerzen eingreifen zu können“, erklärt Dr. Scheike. Denn aufgrund seiner speziellen Eigenschaften sorgt das Capsaicin dafür, dass die Nervenendigungen weniger empfindlich gegenüber Schmerzreizen werden, womit das Schmerzempfinden verringert werden kann. Dazu wird das Medikament gezielt an den betroffenen Stellen von außen in Form eines Pflasters eingesetzt. „Die Konzentration ist dabei sehr hoch, weshalb die Pflaster nur unter Aufsicht und kurzzeitig aufgebracht werden können“, erklärt Dr. Scheike. Nach erfolgreichen Pilotversuchen am UKL wird das Verfahren jetzt in das Angebot der Schmerztherapie und damit in der Schmerzambulanz und Tagesklinik integriert. “Wir versprechen uns davon eine neue Option vor allem für Patient:innen, die zum Beispiel nach einer Gürtelrose mit bleibenden Nervenschmerzen kämpfen“, so der Anästhesist.

 

Das Capsaicin- Pflaster wird primär in der ambulanten Behandlung von Patienten eingesetzt, kann aber auch im Rahmen einer teilstationären multimodalen Schmerztherapie in der Tagesklinik zur Anwendung kommen.

Dabei wird nach einer ersten Vorstellung in der Ambulanz zwischen einer stationären und der tagesklinischen Behandlung entschieden. Für die letztere kommen die Patient:innen über einen Zeitraum von vier Wochen täglich in die Klinik und durchlaufen eine Reihe verschiedener Maßnahmen. Die Plätze für diese intensive Betreuung sind begrenzt: Monatlich startet ein Kurs mit maximal acht Teilnehmer:innen. Dennoch macht Dr. Stephan Scheike Betroffenen Mut für eine Vorstellung: „Wir haben regelmäßig auch Terminverschiebungen mit kurzfristig freiwerdenden Plätzen, so dass wir lange Wartezeiten bisher gut verhindern können.“ 

 

Kontakt

Schmerztagesklinik am Universitätsklinikum Leipzig

Telefonnummer 0341 / 97-17716

Email: schmerztagesklinik@medizin.uni-leipzig.de

 

Mehr erfahren: Schmerzmedizin am UKL           

 

 

 

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