Leipzig. Vor 10 Jahren startete das Leipziger Zentrum für Arzneimittelsicherheit (ZAMS) als besonderes Kooperationsprojekt von Universität und Universitätsklinikum: In einem bundesweit in dieser Form bislang einmaligen Zentrum rückten Pharmazie und Klinikumsapotheke zusammen, um gemeinsam Risiken in der Anwendung von Arzneimitteln zu verringern. Das Ziel: Ärzt:innen und Apotheker:innen besser zu beraten und Patient:innen so vor unerwünschten Effekten zu bewahren.
„Das Besondere am ZAMS ist die enge Verzahnung einer universitären Klinikumsapotheke mit dem Institut für Pharmazie als forschender und lehrender Einrichtung“, beschreibt es Prof. Thilo Bertsche, Forschungsdirektor des Zentrums und Leiter der Abteilung für Klinische Pharmazie. „Auf diese Weise können wir unsere Maßnahmen am Patientenbett wissenschaftlich begleiten und deren Erfolg überprüfen“, ergänzt Dr. Yvonne Remane. Sie leitet die Apotheke am Universitätsklinikum Leipzig (UKL), ist Direktorin des ZAMS für die Patientenversorgung und blickt zusammen mit Prof. Bertsche in den vergangenen zehn Jahren auf eine Vielzahl erfolgreicher Projekte zurück, die ohne das Zentrum so nicht denkbar gewesen wären. „Dazu gehört unter anderem die Etablierung klinischer Pharmazeuten am UKL, die mehr und mehr flächendeckend als Stationsapotheker gemeinsam mit den Ärzt:innen am Krankenbett stehen und die Medikation der Patient:innen begleiten“, so Dr. Remane. Im Klinikum müssen die Mediziner:innen die akute Erkrankung und den Einsatz oft mehrerer Arzneimittel gleichzeitig berücksichtigen. Gerade unter dem Aspekt unerwünschter Nebenwirkungen und möglicher Kontraindikationen kommt der genauen und ständigen Kontrolle aller verordneten Arzneimittel eine große Rolle zu. Der Einsatz der Kolleg:innen direkt vor Ort hat sich dabei enorm bewährt: Ärzt:innen und Pflegekräfte werden entlastet und unterstützt; Medikationsfehlern und Wechselwirkungen wird effektiv vorgebeugt, zum unmittelbaren Nutzen der Patient:innen.
„Diese Effekte sind so gut belegt, dass wir oft von Lehrkrankenhäusern in unserem Netzwerk darauf angesprochen werden, diese ebenfalls bei der Umsetzung dieser Idee zu unterstützen“, beschreibt Prof. Bertsche. Die Übertragung innovativer Konzepte in die Breite auch jenseits eines Universitätsklinikums ist eine der Aufgaben, die sich das Zentrum auf die Fahnen geschrieben hat. Mit mehr als 140 Publikationen, in denen die Ergebnisse der hier durchgeführten Studien wissenschaftlich fundiert beschrieben werden, belegt das Zentrum nachhaltig die Erfolge seiner Arbeit.
So gaben die Ergebnisse einer Studie den Ausschlag dafür, dass die individuell anzufertigenden Medikamente für die Frühchen, die auf der Neonatologie am Uniklinikum Leipzig behandelt werden, von den Apothekern inzwischen bedarfsgerecht direkt auf Station hergestellt werden. „Die Zubereitung von Misch-Infusionslösungen für Frühgeborene ist komplex und herausfordernd – aufgrund der geringen Dosierung, die zudem regelmäßig dem Entwicklungsstand angepasst werden muss“, erklärt Dr. Yvonne Remane. Diese Tätigkeit, die anfällig für Dosierungsfehler ist, wurde bei akut benötigten Infusionen zuvor von den Pflegekräften direkt auf Station vorgenommen. Inzwischen erfolgt dies seit mehreren Jahren durch das speziell ausgebildete Personal der Krankenhausapotheke, was nicht nur die Pflegekräfte entlastet, sondern auch die Sicherheit für die kleinsten Patienten erhöht.
Ein Beispiel mehr für die große Bedeutung der Arzneimittelsicherheit auch im Bereich der Anwendungen und Therapien, der sich das ZAMS verschrieben hat. „Medikamente sind starke Mittel zur Behandlung von Erkrankungen, müssen aber immer mit Blick auf Nutzen und Risiken eingesetzt werden“, ergänzt Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des UKL. „Wenn wir bedenken, dass viele unerwünschte Arzneimittelwirkungen vermeidbar sind und verhindert werden könnten, wird deutlich, welche Bedeutung der Arbeit unserer Apotheke und des ZAMS insgesamt zukommt“.
Das sei insofern auch bemerkenswert, da die sehr aktive Arbeit des ZAMS aufgrund fehlender gesonderter Mittel oder dafür zur Verfügung stehender personeller Ressourcen von allen Beteiligten zusätzlich zu den eigentlichen Aufgaben geleistet wird. „Die Erfolge des ZAMS verdanken wir dem großen Engagement der Beteiligten sowohl in der Klinikumsapotheke als auch im Institut für Pharmazie“, betont Prof. Josten und hofft: „Lassen Sie damit nicht nach, im Interesse unserer Patientinnen und Patienten, in der Hoffnung, dass dieses Engagement künftig auch entsprechend honoriert wird.“