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Pressemitteilung vom 23.04.2020

UKL etabliert Programm zur Antikörper-Therapie mit Blutplasma

Genesene Covid-19-Patienten für Blutplasmaspenden gesucht

Das UKL prüft derzeit das Einsatzkonzept für das Rekonvaleszentenplasma bei seinen Patienten

Das UKL prüft derzeit das Einsatzkonzept für das Rekonvaleszentenplasma bei seinen Patienten

Neuer Therapie-Ansatz im Kampf gegen das Coronavirus: Blutplasma von genesenen Covid-19-Patienten soll demnächst zur Rettung von Patienten mit schweren Krankheitsverläufen eingesetzt werden. Derzeit werden weltweit verschiedene Studien geplant, um die Wirksamkeit dieser Therapie zu erforschen. Auch das Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) nimmt unter anderem an einer bundesweit koordinierten Studie teil.

Um schwer an Covid-19 erkrankte Patienten erfolgreich behandeln zu können, werden dringend wirksame Therapeutika gebraucht. Weltweit gibt es hierzu derzeit zahlreiche klinische Studien, die unterschiedliche Therapieansätze verfolgen. Eine bisher nicht ausreichend untersuchte, aber vielversprechende Möglichkeit ist die Anwendung von so genanntem "Rekonvaleszentenplasma": Dabei wird das Blutplasma von Genesenen auf Patienten übertragen, die aktuell mit dem Erreger infiziert sind, um der Ausbreitung des Virus im Körper entgegenzuwirken. Der Vorteil dieser Therapie ist, dass die vom Immunsystem des Spenders gebildeten Antikörper im Patienten die Erreger abfangen können. "Im besten Fall schafft es der Körper des Patienten durch die transfundierten Antikörper des Spenders, erfolgreich gegen das Virus anzukämpfen und auf diese Weise den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen", sagt Prof. Reinhard Henschler, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. 

Die Idee dahinter ist nicht neu. Schon in der Vergangenheit kam das Prinzip, Viruserkrankungen mit Antikörpern aus Blutplasma zu bekämpfen, bei Epidemien zum Einsatz. Ob die Plasma-Therapie auch bei schweren Covid-19-Verläufen das Mittel der Wahl ist, müsse laut Reinhard Henschler nun jedoch zunächst noch ausreichend erforscht werden. Das Klinikum prüft derzeit das Einsatzkonzept für das Rekonvaleszentenplasma bei seinen Patienten. Darüber hinaus nimmt das Institut für Transfusionsmedizin am UKL an einer bundesweit koordinierten multizentrischen Studie teil: "Auf diese Weise wollen wir weitere Erkenntnisse sammeln und so unseren Beitrag zur möglichst baldigen Etablierung einer Therapie leisten", unterstreicht Reinhard Henschler. 

Freiwillige Blutplasmaspender gesucht

Die Blutbank am UKL sucht daher ab sofort freiwillige Blutplasmaspender: Jeder zwischen 18 und 60 Jahren, der nachweislich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde und seit mindestens 14 Tagen vollständig beschwerdefrei ist, kann sich bei der UKL-Blutbank melden. Notwendig sind auch zwei negative SARS-CoV-2 Testergebnisse. Insofern diese noch nicht vorliegen, lässt sich der Nachweis für eine überwundene Erkrankung auch am UKL durchführen. Interessierte können sich unter Telefon 0341 - 972 5393 melden.  

Neben dem aktuellen Studienansatz ist es Prof. Henschler aber wichtig, auf den generell in der Corona-Krise massiv erhöhten Bedarf an Blutplasmaspenden hinzuweisen: "Blutplasma ist ein bis heute unverzichtbares und auch nicht durch gentechnische Methoden ersetzbares Ausgangsmaterial für lebensrettende Medikamente, insbesondere für Antikörper, sogenannte Immunglobuline. Die gesammelten Plasmapenden liefern hier quasi ein Gedächtnis hunderter durchgemachter Infektionen mit zahlreichen Krankheiten unserer Blutspender". So müssten beispielsweise Kinder mit angeborenen Störungen des Immunsystems solche Medikamente über längere Zeit erhalten, bis eventuell andere Therapien anschlagen. 

In Europa ist man bis jetzt auch auf den Zukauf von Plasma aus Spenden in den USA angewiesen. Die Einfuhr dieses Plasmas ist in der Corona-Krise zusätzlich gefährdet, die Lage sei ernst: "Europa steuert in den nächsten Monaten auf einen großen Engpass bei der Versorgung mit aus Blutplasma hergestellten Medikamenten zu. Unsere eigenen Spender werden daher gerade jetzt besonders gebraucht", so Reinhard Henschler. Wer daher mit seinem Blutplasma schwerkranken Menschen helfen möchte, kann sich jederzeit bei der Blutbank melden und einen Termin für eine Spende vereinbaren. Eine Blutplasmaspende dauert etwa 45 Minuten und gilt als besonders schonend, da im Vergleich zur Vollblutspende dem Körper die roten Blutzellen wieder zurückgegeben werden. Daher können Plasmaspenden auch bis zu 45-mal im Jahr geleistet werden. Mehr Informationen gibt es unter Telefon 0341 97 25 393 oder im Internet unter www.blutbank-leipzig.de.

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