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Gesundheitsbezogene Lebensqualität in der Onkologie und Palliativmedizin: Die Beziehung zwischen Wichtigkeits- und Zufriedenheitsurteilen

Leitung:
Prof. Dr. Andreas Hinz

Mitarbeit:
n.n.

Projektbeschreibung:
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (gLQ) ist ein wichtiges Outcome-Kriterium in der medizinischen Forschung und der klinischen Praxis. Zur Erfassung der gLQ sind verschiedene Instrumente entwickelt worden, welche generell Fähigkeiten oder Einschränkungen in verschiedenen Bereichen (körperlich, psychisch, sozial, Autonomie) erfassen. Implizit geht man bei der Nutzung dieser Instrumente in der onkologischen Praxis oder Forschung von der Voraussetzung aus, dass die erfassten Bereiche für alle Personen gleichermaßen bedeutungsvoll sind. Diese Voraussetzung ist aber nur eingeschränkt gegeben. Einige wenige Instrumente erfassen daher auch die subjektive Wichtigkeit von Bereichen der gLQ. Während es in der onkologischen gLQ-Forschung eine enorme Fülle von Studien mit typischen, nicht-individualisierten Fragebögen gibt, thematisieren nur relativ wenige Arbeiten die subjektive Wichtigkeit oder Bedeutung der gLQ-Bereiche für die Patienten. Letztere Studien haben häufig einen eher qualitativen Charakter, was die Generalisierbarkeit und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse deutlich einschränkt.

Zentrales Ziel des Projekts ist es, die Beziehungen zwischen Zufriedenheit mit Bereichen der gLQ einerseits und Wichtigkeit von Bereichen der gLQ zu analysieren. Zunächst werden die mittleren Wichtigkeits- und Zufriedenheitsurteile erhoben. Weiterhin sollen korrelative Beziehungen zwischen Wichtigkeit und Zufriedenheit getrennt für verschiedene Bereiche der gLQ ermittelt werden. Der Einfluss von Wichtigkeitsurteilen auf die Gesamtbewertung der gLQ wird in hierarchischen Regressionsanalysen bestimmt, wobei die in der soziologischen Wohlbefindensforschung entwickelte „domain-importance-as-a-moderator“-Hypothese erstmalig auf den Bereich gesundheitsbezogener Lebensqualität bei Krebspatienten angewandt und geprüft wird. Weiterhin werden die Probanden gebeten, anzugeben, wie sich die subjektiven Wichtigkeiten und Zufriedenheiten mit den Lebensbereichen seit der Zeit der Erkrankung verändert haben, und in welchen Bereichen sie Unterstützungsbedarf sehen.

Die Daten werden an zwei Stichproben erhoben, 960 Patienten der onkologischen Rehabilitation und 120 Palliativ-Patienten. Neun Bereiche der gLQ werden erfasst hinsichtlich deren Wichtigkeit, Zufriedenheit, Zustand und Unterstützungsbedarf. Außerdem werden weitere Fragebögen eingesetzt. Eine Pilotstudie belegt die Machbarkeit des Ansatzes.

Die Erkenntnisse des Projekts sollen zu einem vertieften Verständnis des Zusammenhangs zwischen subjektiv eingeschätzter Wichtigkeit und Zufriedenheit mit Bereichen der gLQ sowie über die diesbezüglichen zeitlichen Verschiebungen beitragen. Damit lässt sich besser abschätzen, welchen Zusatznutzen die gesonderte Berücksichtigung der Wichtigkeit der Lebensbereiche für die Bestimmung der Lebensqualität hat, bzw. ob die Erfassung der Wichtigkeit entbehrlich ist. Insbesondere für die Palliativpatienten wird quantitativ verallgemeinerbar herausgestellt, welchen Bereichen die Patienten eine besondere Bedeutung beimessen, und ob die Einschränkungen in den Fähigkeiten mit gestiegener oder auch gesunkener subjektiver Bedeutung dieser Fähigkeiten korrespondieren.  Dies liefert Ansatzpunkte dafür, wie sich, insbesondere bei Palliativpatienten, die gLQ durch Berücksichtigung der persönlichen Bedeutung von Lebensbereichen aufrechterhalten oder steigern lässt.

Förderung:
Deutsche Krebshilfe

Projektnummer:
933000-184

Laufzeit:
08/2020 – 01/2022

Philipp-Rosenthal-Str. 55, Haus W
04103 Leipzig
Telefon:
0341 - 97 18800 (Chefsekretariat)
Telefon:
0341 - 97 18803 (Wiss. Sekretariat)
Fax:
0341 - 97 15419
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