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Langzeitfolgen einer Krebserkrankung im jungen Erwachsenenalter

​Auswirkungen auf die Lebensqualität unter besonderer Berücksichtigung des psychischen Befindens, des Gesundheitsverhaltens und der beruflichen Situation

Beteiligte Wissenschaftler:
Dipl.-Psych. Katja Leuteritz
Michael Friedrich, M.A. (Soziologie)
Dr. rer. med. Kristina Geue
Prof. Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf

Projektbeschreibung:
Ziel des Forschungsprojektes war es, zum einen die Lebensqualität und das psychische Befinden zu zwei weiteren Messzeitpunkten t3 und t4 darzustellen. Im Fokus standen in diesem Forschungsprojekt die berufliche Situation sowie das Gesundheitsverhalten der jungen Erwachsenen mit Krebs. Mittels der Daten sollten Risikogruppen bestimmt werden, zielgruppenspezifische Charakteristika benannt werden und eine zielgruppenspezifische niedrigschwellige Intervention konzipiert werden. Die Patientengruppe wurde hinsichtlich der zu untersuchenden Parameter mit einer alters- und geschlechtsgematchten Gruppe nicht-krebserkrankter Leipziger Bürger (Vergleichsgruppe, VG) verglichen. Die Datengenerierung erfolgte mittels quantitativer Befragung zu zwei Messzeitpunkten (t3 rund 50 Monate nach Krebsdiagnose und t4 12 Monate nach t3). Die quantitativen Daten wurden um qualitative halbstrukturierte Interviews ergänzt. Hierfür wurden 11 der 15 Patienten, die bereits in der ersten abgeschlossenen Studie zweimal interviewt worden sind, erneut interviewt. Von den 577 t1-Teil­neh­mern schieden bis zum Erhebungszeitpunkt t4 29.4% (N=170) Teilnehmer aus der Studie aus. Somit lagen zu t4 407 komplette t1-t4-Datensätze für die Auswertungen vor.

Folgende Ergebnisse sind besonders relevant:
Die Gesamtlebenszufriedenheit hatte sich zwischen t1 und t4 verbessert. Dennoch hatte auch zu t4 ein großer Teil der Betroffenen – über 40% – klinisch auffällige Ängstlichkeitswerte. Hinsichtlich der beruflichen Situation zeigte sich, dass 80% der AYA rund zwei Jahre nach Behandlungsabschluss (wieder) einer beruflichen Tätigkeit in Teilzeit oder Vollzeit nachgehen können. Jedoch gaben zu t3 ein Drittel der Patienten an, dass sich die finanzielle Situation aufgrund der Krebserkrankung zum Negativen verändert habe. Zu t3 war die berufliche Leistungsfähigkeit der Krebspatienten reduziert gegenüber der gesunden Vergleichsgruppe. Darüber hinaus bestanden subjektive kognitive Beeinträchtigungen. Junge Erwachsene Krebspatienten sorgten sich außerdem mehr um ihre berufliche und finanzielle Situation als gesunde Gleichaltrige. Bezogen auf das Gesundheitsverhalten sollen folgende Ergebnisse herausgestellt werden: AYA-Krebspatienten und Vergleichsgruppe unterschieden sich nicht hinsichtlich der Häufigkeit ihres Substanzkonsums. Im Gegensatz dazu hatten AYA eine geringere körperliche Bewegungs- und Sportaktivität als gesunde Gleichaltrige. Je jünger die Betroffenen waren und wenn Kinder vorhanden waren, desto höher fiel die körperliche Gesamtaktivität pro Woche aus. Hinsichtlich des mittleren Körpergewichts gab es keine Unterschiede zwischen AYA und gesunden Gleichaltrigen. Bei über der Hälfte der AYA zeigte sich eine klinisch auffällige reduzierte Schlafqualität. Eine bessere Schlafqualität war mit geringerer Depressivität, mit geringerer Ängstlichkeit und mit einer größeren Lebenszufriedenheit verbunden. Hinsichtlich des Einhaltens ärztlicher Anordnungen gab rund jeder 5. Teilnehmer an, dass das Befolgen wichtiger ärztlicher Ratschläge schwerfalle. Die größten Herausforderungen bestanden dabei in der Befolgung spezieller Verhaltensweisen, gefolgt von Anordnungen zur Einnahme von Medikamenten.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema (Progredienz-)Angst bei AYA Langzeit-überlebenden besonderer Unterstützung bedarf. Durch die im Juli 2020 beginnende Interventionsstudie OnkoStep können wir hierfür AYAs eine spezifische Intervention anbieten. Den Schwierigkeiten hinsichtlich der beruflichen Leistungsfähigkeit sowie der finanziellen Situation von AYA wollen wir durch ein spezifisches Modul in einem AYA-Nachsorgekonzept, welches wir gegenwärtig entwickeln, begegnen.

Kontakt:
Dipl.-Psych. Katja Leuteritz
E-Mail: katja.leuteritz@medizin.uni-leipzig.de  

Förderung:
Deutsche Krebshilfe

Projektnummer:
933000-148

Laufzeit:
1/2018 – 6/2020

Philipp-Rosenthal-Str. 55, Haus W
04103 Leipzig
Telefon:
0341 - 97 18800 (Chefsekretariat)
Telefon:
0341 - 97 18803 (Wiss. Sekretariat)
Fax:
0341 - 97 15419
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