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Pressemitteilung vom 03.11.2026

Selbstständig bleiben nach der Operation: UKL und Salus BKK schließen Qualitätsvertrag

Neuer Vertrag soll ältere Patient:innen vor einem postoperativen Delir schützen und dazu beitragen, körperliche und geistige Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten

Nach einer Operation  geht es vor allem für ältere Patient:innen darum, möglichst schnell wieder in den eigenen Alltag zurückzufinden und Selbstständigkeit zu bewahren

Nach einer Operation geht es vor allem für ältere Patient:innen darum, möglichst schnell wieder in den eigenen Alltag zurückzufinden und Selbstständigkeit zu bewahren

Leipzig. Eine Operation ist für viele Menschen, vor allem aber für ältere, eine besondere Belastung. Eine mögliche Komplikation ist das nach einer Operation (postoperativ) auftretende Delir – eine akute Störung von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Orientierung, die mit erheblichen negativen Folgen verbunden sein kann. Um dieses Risiko zu verringern und ältere Patient:innen gezielt zu unterstützen, haben das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) und die Salus BKK einen Qualitätsvertrag zur Vorbeugung des postoperativen Delirs geschlossen. Damit verfolgen sie ein klares Ziel: Patient:innen sollen ihre kognitiven und körperlichen Fähigkeiten sowie ihre Selbstständigkeit möglichst langfristig erhalten. Der am 1. September 2026 in Kraft getretene Vertrag geht nun in die Umsetzung und läuft zunächst bis Ende 2028.

Ein Delir kann verschiedene Ursachen haben. Als besonders anfällig gelten Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, sowie Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder einer Demenzvorerkrankung. So hat beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2014 gezeigt, dass 44 bis 61 Prozent der über 65-Jährigen, bei denen die Routine-Operation einer hüftgelenknahen Fraktur vorgenommen wurde, ein postoperatives Delir entwickelten. Das Syndrom tritt überwiegend in den ersten ein bis fünf Tagen nach dem Eingriff auf und äußert sich darin, dass die Betroffenen entweder unruhig, aggressiv, reizbar oder ängstlich beziehungsweise lethargisch, apatisch oder schläfrig sind, wobei die Symptome auch zwischen beiden Formen wechseln können. Dies kann den Krankenhausaufenthalt erschweren und dazu beitragen, dass Betroffene nach der Operation stärker auf Unterstützung angewiesen sind. Der Qualitätsvertrag setzt deshalb bereits vor dem Eingriff an: Risiken sollen frühzeitig erkannt und Patient:innen mit erhöhtem Delirrisiko gezielt begleitet werden.

Grundlage dafür ist am Universitätsklinikum Leipzig das bereits etablierte gerontochirurgische (Verbindung von Chirurgie und Altersmedizin) Behandlungskonzept „LoTTE – Lebensqualität optimieren durch Teilhabe, Therapie und Empathie“. Es strukturiert die Versorgung von chirurgischen Patient:innen über 65 Jahren mit mehreren Vorerkrankungen vor, während und nach der Operation. Dazu gehören unter anderem die Erfassung des individuellen Delirrisikos via Screening, eine auf die besonderen Bedürfnisse älterer Patient:innen abgestimmte Begleitung während des stationären Aufenthalts sowie die Nachsorge nach der Entlassung. Verschiedene Berufsgruppen arbeiten dabei interdisziplinär eng zusammen.

„Für ältere Patientinnen und Patienten geht es nach einer Operation nicht allein darum, den Eingriff gut zu überstehen. Entscheidend ist auch, möglichst schnell wieder in den eigenen Alltag zurückzufinden und Selbstständigkeit zu bewahren“, erklärt Prof. Hans-Michael Tautenhahn, stellvertretender Bereichsleiter Hepatobiliäre Chirurgie und Viszerale Transplantation am UKL. „Genau hier setzt der Qualitätsvertrag an“, ergänzt Annett Huke, Pflegerische Departmentleiterin des Departments für Operative Medizin am UKL und gemeinsam mit Prof. Tautenhahn Initiatorin des Projekts LoTTE. „Wir wollen Risiken früh erkennen und gezielt dazu beitragen, körperliche und geistige Fähigkeiten zu erhalten.“ Melinda Adam, Pflegerische Koordinatorin des LoTTE-Teams, weist darauf hin, dass ein Krankenhausaufenthalt für viele ältere Menschen einen kritischen Einschnitt bedeute. Deshalb sei es wichtig, Behandlung und Versorgung mit allen Beteiligten frühzeitig zu planen und gut zu koordinieren.

Der Qualitätsvertrag richtet sich an Versicherte ab 65 Jahren, die Mitglied in der Salus BKK beziehungsweise in einer der über den BKK Landesverband Bayern bundesweit beigetretenen 21 Betriebskrankenkassen sind und die sich in einer der beteiligten Fachrichtungen am UKL einer Operation unterziehen und die festgelegten Voraussetzungen erfüllen. Er umfasst ein breites Spektrum chirurgischer Fachrichtungen. „Das postoperative Delir stellt für Menschen, insbesondere über 65 Jahren, eine mögliche Komplikation dar, die sie einen Teil ihrer Selbstständigkeit kosten kann. Um hier das Risiko möglichst zu minimieren, haben wir als Salus BKK beschlossen, diesen Qualitätsvertrag mit dem UKL zu schließen und für unsere Versicherten zugänglich zu machen“, erklärt Ute Schrader, Vorständin der Salus BKK.

Die Qualität der Versorgung wird anhand festgelegter Kriterien dokumentiert und evaluiert. Dabei gelten die Vorgaben des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG). Der Qualitätsvertrag bietet weiteren Krankenkassen die Möglichkeit zum Beitritt.

Information zu Qualitätsverträgen

Mit dem Krankenhausstrukturgesetz hat der Gesetzgeber 2016 die Möglichkeit zum Abschluss von Qualitätsverträgen geschaffen. Damit soll erprobt werden, wie sich die Qualität in der stationären Versorgung durch innovative Versorgungskonzepte weiter verbessern lässt.

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