Leipzig. Bauzäune und Bagger begrüßen die Besucher des Uniklinikums Leipzig (UKL) derzeit gleich auf mehreren Baustellen entlang der Liebigstraße. Zwei Großprojekte sind in den letzten Monaten gestartet, andere Umbauten nähern sich ihrem Ende, und für einige beginnt gerade erst die Baufeldfreimachung. Insgesamt 20 Bauvorhaben umfasst die aktuelle Bauplanung, die bis zum Jahr 2040 reicht. Der Großteil davon ist noch in der Konzeptphase, aber für die Vorhaben des ersten, bis 2030 reichenden Abschnitts haben die Arbeiten bereits begonnen.
Dazu gehören die beiden aktuell größten klinischen Bauvorhaben am UKL, der 2. Bauabschnitt des Hauses 7 sowie der Neubau der Klinik für Nuklearmedizin. Insgesamt 172 Millionen Euro investiert der Freistaat Sachsen in diese zwei Gebäude. Beide entstehen auf bisher freien Flächen auf dem Campus, aber mit direkter Anbindung an bereits bestehende Klinikstrukturen. „Unsere Herausforderung ist, dass wir aufgrund unserer Lage mit begrenzten Flächenressourcen seit Jahrzehnten immer im Bestand und damit im laufenden Klinik-Betrieb bauen“, erläutert dazu Dr. Robert Jacob, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. Das sei mit besonderen Auflagen und Anstrengungen verbunden. „Aber wir müssen bauen, um mit der Entwicklung Schritt halten und unseren Patientinnen und Patienten ebenso wie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein modernes Klinikum auf dem Stand der Zeit bieten zu können“, betont Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des UKL.
Derzeit wird auf dem Campus so viel gleichzeitig gebaut wie lange nicht. Die aktuelle Veränderungswelle setzt mit der Entwicklungsplanung für das Areal zwischen Liebigstraße, Philipp-Rosenthal-Straße und Johannisallee die Zentralisierung der ursprünglich über die angrenzenden Viertel verstreuten Liegenschaften des UKL weiter um. Gleichzeitig reagieren die Planungen auf die sich verändernde Medizin: neue Verfahren und Verschiebungen der Schwerpunkte benötigen andere Räume, neue Geräte und moderne Logistik müssen integriert werden. „Auch unsere Rolle als Einrichtung der kritischen Infrastruktur ist mit Anforderungen verbunden, denen wir nur mit baulichen Anpassungen entsprechen können“, ergänzt Prof. Christoph Josten.
All dies mündet in einer umfangreichen, nun aktualisierten Masterplanung, welche bis zum Jahr 2040 realisiert werden soll – allerdings mit dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit. Während für erste Vorhaben die Investitionszusagen des Freistaats Sachsen als Träger des UKL sowie der Medizinischen Fakultät erfolgt sind, stehen bei vielen der Projekte die konkreten Planungen ebenso noch aus wie die Mittelzusagen.
„Insgesamt blicken wir hier auf einen langfristigen Investitionsbedarf von einer Milliarde Euro“, gibt Dr. Robert Jacob einen Überblick. „Das umfasst neben Baukosten auch die Erstausstattung der Gebäude mit erforderlichen IT-Strukturen und Medizintechnik“. „Natürlich wissen wir, dass die Mittel derzeit überall knapp sind, umso mehr sind wir dankbar, mit den zentralen Projekten in die Umsetzung gehen zu können“, so Dr. Jacob.
2. Bauabschnitt Haus 7 – Fokus Krebsmedizin
Das größte Projekt ist der 2. Bauabschnitt des Hauses 7 in der Liebigstraße 22, für den aktuell der hintere Abschnitt der Straße bis zur Johannisallee gesperrt wurde. Dort wo früher einmal das alte Bettenhochhaus und die angrenzende alte Mikrobiologie standen, wächst hier die Krebsmedizin des UKL zusammen. Während im bereits 2018 eröffneten 1. Bauabschnitt des Hauses 7 das Universitäre Krebszentrum mit der zentralen Anlaufstelle für Tumorpatien:innen einschließlich der onkologischen Tagesklinik und der Kinderonkologie untergebracht ist, wird im Neubau nun unter anderem die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie einziehen. Für die zugehörigen Bestrahlungs- und Bildgebungsgeräte müssen besondere Vorgaben des Strahlungsschutzes wie extrem dicke Wände eingehalten werden. Im Moment ist die Baugrube für das künftig 9.600 Quadratmeter Nutzfläche bietende Gebäude ausgehoben, am 1. Oktober fällt mit der Grundsteinlegung der Startschuss für den Hochbau.
„Dieser Bau ist ein gutes Beispiel dafür, wie flexibel wir auch in den Planungen sein müssen“, erklärt Dr. Jacob. „Die initiale Planungsphase für dieses Gebäude liegt schon einige Jahre zurück. Inzwischen haben wir neue Notwendigkeiten sowohl in Bezug auf die Infrastruktur wie eine Photovoltaikanlage als auch auf die Ausweitung ambulanter Angebote, um nur zwei Beispiele zu nennen.“ Die Inbetriebnahme des Klinikbaus ist für 2030 geplant, wobei vor allem der Innenausbau und der Einbau der Geräte viel Zeit erfordern werden.
Halb unterirdischer Bau für die Nuklearmedizin
Ebenfalls begonnen haben die Arbeiten am Neubau der Klinik für Nuklearmedizin, der sich rückseitig direkt an das Haus B in der Liebigstraße 18 anschließt. Die Erweiterung schließt unmittelbar an die Räume der Nuklearmedizin im Untergeschoss des Hauses an und wird dann auch die jetzt dezentral in der Stephanstraße untergebrachten Klinikbereiche zusammenführen. Auch hier gibt es hohe Anforderungen an den Strahlenschutz für die auf künftig 1155 Quadratmetern Nutzfläche auf zwei Etagen untergebrachten Klinikräume im Neubau. 2028 soll die Inbetriebnahme erfolgen.
Netzersatzanlage und Parkplätze
Zu den großen Baustellen gesellen sich kleinere, die aber nicht weniger wichtig sind: So wird derzeit neben dem Eingang der Liebigstraße 18 die bestehende Energiezentrale um eine sogenannte Netzersatzanlage erweitert, um die Stromversorgung vor allem für die Erweiterung der Nuklearmedizin abzusichern. Dabei werden vier Transformatoren mit je 1600 kVA installiert, ebenso wie eine neue Mittelspannungs- und Niederspannungsschaltanlage. Auch hier erfolgt der Bau im laufenden Betrieb des Klinikums, was bedeutet, dass die Versorgungssicherheit mit Strom dennoch jederzeit gewährleistet werden muss.
„Nicht weniger wichtig für uns, wenn auch auf andere Weise, ist die Bereitstellung von Ersatz-Parkplätzen für Mitarbeitende ebenso wie für Besucher des Klinikums“, ergänzt Prof. Christoph Josten. Denn zwei Parkflächen mussten den aktuellen Bauarbeiten weichen, Ersatzflächen aber sind rar und müssten zum Teil noch erschlossen werden. „Hier bewegen wir uns jetzt auch in Bereichen, die jenseits unseres bisherigen Geländes liegen“, so Josten weiter. Denn zum Masterplan gehört die Flächenausweitung auf Grundstücke zwischen Paul-List-Straße und Philipp-Rosenthal-Straße. Dort sind – im Anschluss an die derzeitig entstehenden Ausweichparkplätze – Neubauten für die Zusammenführung der Labordiagnostik und der Ambulanzen geplant. „Das sind ganz zentrale Vorhaben für die Zukunft der Universitätsmedizin, allerdings liegen wir damit auch im Bereich der noch offenen Finanzierungsfragen“, so Dr. Robert Jacob.
Bauten für die Forschung und neue Notaufnahme
Sehr viel konkreter sind dagegen die Pläne für den Bau des Forschungs- und Transferhubs zur Wirkstoffentwicklung, eines von sechs Bau-Projekten der Medizinischen Fakultät. Die aus dem europäischen „Fonds für einen gerechten Übergang“ geförderte Maßnahme soll Platz für über 200 wissenschaftliche Mitarbeiter:innen bieten, die sich mit innovativen Methoden für das Design von Medikamenten beschäftigen werden. Die Arbeiten für den Bau des mit 50 Millionen Euro geförderten Vorhabens werden in den kommenden Monaten starten.
Bereits im Dezember endet dagegen mit der Eröffnung der umgebauten Zentralen Notaufnahme des UKL ein anderes wichtiges Projekt. „Wir haben hier in mehreren Etappen im Bestand und bei laufendem Betrieb diese sehr hochfrequentierte zentrale Einrichtung unseres Klinikums umgebaut, mit großen Anstrengungen für unsere Beschäftigten“, sagt dazu Prof. Josten. „Wir sind sehr froh, dieses Projekt jetzt mit der Fertigstellung des letzten Erweiterungsbaus erfolgreich abschließen zu können – zumal im Ergebnis eine moderne und funktionale Notaufnahme entstanden ist, die hoffentlich lange den weiter stetig steigenden Patientenzahlen gewachsen sein wird.“
Weitere Informationen zu den Bauprojekten sind zu finden unter: https://www.uniklinikum-leipzig.de/baugeschehen