Leipzig. Ein Jahr nach dem Start der „Cancer Survivorship“-Sprechstunde zieht das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eine positive Bilanz. Demnach hat sich die im September 2025 eröffnete Anlaufstelle für die Langzeitnachsorge von Krebsüberlebenden so gut etabliert, dass sie bereits nach wenigen Monaten erweitert wurde. In der Folge praktizieren Prof. Dr. med. Judith Gebauer, die die Sprechstunde am Universitären Krebszentrum Leipzig am UKL ins Leben gerufen hat, und ihr interdisziplinäres Team seit Januar mittlerweile an drei statt bisher nur zwei Tagen pro Woche. Um der stetig wachsenden Zahl von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung gerecht zu werden, plant das UKL, das Angebot weiter auszubauen und es langfristig auch für Ältere zu öffnen. Bislang richtet es sich an Menschen, die ihre erste Krebsdiagnose als Kind oder junge Erwachsene erhalten und ihre Therapie vor mindestens fünf Jahre abgeschlossen haben.
Mit der „Cancer-Suvivorship“-Sprechstunde hat das UKL nicht nur eine Versorgungslücke geschlossen, sondern auch einen Nerv getroffen. Prof. Judith Gebauer und Kolleg:innen können das bestätigen. Seit Beginn der Sprechstunde erreichen sie Anfragen von Berlin über Thüringen bis nach Nordbayern. Viele neue Patient:innen brächten zum Ausdruck, wie lange sie auf genau dieses Angebot der speziellen Nachsorge gewartet hätten, sagt Prof. Gebauer. Der Satz, „Endlich gibt es jemanden, der sich für mich und meine Themen zuständig fühlt“, habe sie von Beginn der Sprechstunde an begleitet. Dabei sei der Begriff der Nachsorge mit Blick auf das, was die „Cancer-Survivorship“-Sprechstunde bietet, nicht optimal, so die Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie weiter, „weil die allermeisten damit eine Krebsnachsorge verbinden: Ist der Tumor zurückgekommen? Gibt es Metastasen? Wir dagegen schauen, wie sich die Erkrankung und deren Behandlung langfristig auf die Gesundheit unserer Patient:innen ausgewirkt hat.“
Statistisch gesehen zeigen sich die Spätfolgen einer Krebserkrankung oft erst mit großer Verzögerung: Zehn, manchmal auch erst 20 oder 30 Jahre nach Abschluss der Therapie leiden viele ehemalige Patient:innen unter Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, hormonellen Störungen, chronischen Schmerzen oder neuen Krebserkrankungen, die durch die Behandlung des ursprünglichen Krebses ausgelöst wurden. Nicht zu vergessen, die psychischen Folgen. Um dem entgegenzuwirken bieten Prof. Judith Gebauer und ihr Team, bestehend u.a. aus Kardiolog:innen, Endokrinolog:innen, Onkolog:innen und Psycholog:innen, im Rahmen der „Cancer-Survivorship“-Sprechstunde entsprechende Früherkennungsmaßnahmen an. „Wir schauen insbesondere, ob es zusätzliche Faktoren wie Nikotinkonsum, Übergewicht oder eine beginnende Diabeteserkrankung gibt, die wir adressieren können, um das allgemeine Gesundheitsrisiko der Patient:innen zu reduzieren.“
Aktuell richtet sich dieses Angebot an Menschen, die erstmals zwischen 0 und 39 Jahren an Krebs erkrankt sind und ihre Therapie vor mindestens fünf Jahren abgeschlossen haben. Diese Gruppe sei besonders relevant, erklärt Gebauer, weil sie die längste Lebenserwartung nach überstandener Krebserkrankung habe. „In Zukunft aber wollen wir die Sprechstunde für alle Survivor öffnen, vorausgesetzt, wir haben die Kapazitäten dafür: räumlich, zeitlich und personell. Denkbar wäre auch eine Kooperation mit niedergelassenen Kolleg:innen, zumindest für die Überlebenden, die weniger von Spätfolgen betroffen sind." Ihr langfristiges Ziel aber wäre eine zentrale Survivorship-Ambulanz, in der alle Krebsüberlebenden einmal vorstellig werden – unabhängig von ihrem Alter und ihrer Diagnose.
Kontakt:
„Cancer Survivorship“-Sprechstunde
Universitäres Krebszentrum Leipzig (UCCL)
Liebigstraße 22, Haus 7
04103 Leipzig
www.uniklinikum-leipzig.de