Leipzig. Als Florence Nightingale, die Begründerin der Pflege, ihre Tätigkeit ausübte, setzte sie vor allem auf Erfahrungswissen und Fürsorge, um kranken Menschen zu helfen. Wenn heute an ihrem Geburtstag, dem 12. Mai, der Internationale Tag der Pflege gefeiert wird, blickt die geehrte Berufsgruppe auf einen langen Weg seit damals zurück. Mit dem Ergebnis einer fachlichen Spezialisierung und Akademisierung durch die Ausbildung von Pflegewissenschaftler:innen. Deren Expertise setzt das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) gezielt ein – seit kurzem auch als „Advanced Practice Nurse“, kurz APN.
Seit Mitte 2025 haben zwei junge Kolleginnen eine solche Aufgabe als akademisch weiterqualifizierte Pflegeexpert:innen mit erweiterter klinischer Rolle am UKL übernommen. „Ihre Aufgabe ist es, die Qualität der Versorgung spürbar zu verbessern. Dafür beurteilen sie komplexe klinische Situationen selbstständig und setzen Maßnahmen ein, die wissenschaftlich gut begründet sind. Außerdem erkennen sie Lücken in der Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen im Krankenhaus und helfen dabei, diese zu schließen. So wird die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten verbessert“, erläutert Tancred Lasch, Geschäftsführender Pflegerischer Departmentleiter am UKL.
So werden zum Beispiel im onkologischen Zentrum Patient:innen, die eine Chemotherapie erhalten, umfassend und bestmöglich beraten. Grundlage dafür sind ausgewählte Einschätzungsinstrumente, sogenannte Assessments. Dabei werden alle wichtigen gesundheitlichen Fragen und persönlichen Anliegen berücksichtigt - von der geeigneten Körperpflege über Hinweise zu sportlichen Aktivitäten bis zur Unterstützung in Ernährungsfragen. Die Pflegespezialistinnen schauen dabei nicht nur auf einzelne Werte, sondern auf das Gesamtbild, also den körperlichen Zustand, Pflegeprobleme und bestehende Risiken, aber auch auf die Situation der Angehörigen oder die Entlassungsperspektive. So sollen im Anschluss an die Krankenhausbehandlung Ängste und Verhaltensfehler, aber auch Wiederaufnahmen verringert werden, mit einer letztlich daraus resultierenden besseren Lebensqualität.
„Das ist möglich, da eine APN meistens eine sehr erfahrene, auf Master-Niveau qualifizierte Pflegefachperson ist“, so Lasch weiter. In Deutschland ist dies eine noch junge Disziplin. Mit der wissenschaftlichen Expertise der ersten APN professionalisiert die pflegerische Versorgung weiter und schließt damit zu führenden Universitätsklinika auf. „Grundsätzlich ist es unser Anspruch als Universitätsklinikum, auch in der Pflegewissenschaft aktiv zu sein und damit zur weiteren Verbesserung der Krankenversorgung beizutragen“, ordnet Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand am UKL, ein.
So entstanden am UKL in den letzten Jahren mehrfach Stellen direkt für akademisch ausgebildete Pflegekräfte, auch wenn deren Anteil an dem insgesamt 2838 Menschen zählenden Pflegeteam naturgemäß noch sehr klein ist. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst stellen die größte Berufsgruppe in einem Klinikum“, so Dr. Robert Jacob, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. „Wir sind sehr stolz darauf, dass es uns in den letzten fünf Jahren gelungen ist, hier trotz Fachkräfteknappheit unsere Teams in der Pflege um 30 Prozent zu vergrößern. Ihnen allen danken wir an ihrem Ehrentag für den täglich großen Einsatz direkt am Patientenbett – sei es mit oder ohne Hochschulabschluss“,
Wissenschaftlich ausgebildete Pflegespezialist:innen gibt es in Deutschland in diesem Umfang noch nicht lange, konstatiert Tancred Lasch. Umso erfreulicher ist die aktuelle Entwicklung, die sich aus Sicht der Pflegeleitungen am UKL sehr gut bewährt. „Unser Zusammenspiel und vor allem unsere Patient:innen profitieren stark von der Arbeit der sehr gut ausgebildeten und engagierten jungen Kolleg:innen“, so Lasch. So werde auf dieser Basis in den kommenden Monaten die erste pflegerische Sprechstunde im UCCL, dem Krebszentrum am UKL, eingerichtet.