Leipzig. Anlässlich des diesjährigen bundesweiten „Tags gegen den Schlaganfall“ am 10. Mai ruft die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe das Motto „Ich spüre was, was Du nicht siehst“ aus. Damit soll auf die oft „unsichtbaren“ Folgen eines Schlaganfalls aufmerksam gemacht werden. Bereits einen Tag vor dem großen Aktionstag lädt das Universitätsklinikum Leipzig zum 29. Leipziger Schlaganfalltag ein.
Die meisten Schlaganfälle entstehen, wenn ein Blutgefäß im Gehirn plötzlich verstopft. In der Akutphase kommt es darauf an, dieses Gefäß so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Entscheidend ist dabei jede Minute. Nach der akuten Versorgung stehen viele Betroffene vor unerwarteten Herausforderungen im Alltag. Umso wichtiger ist eine umfassende und gut koordinierte Nachsorge.
Moderne Medizin rettet Leben – Nachsorge sichert Lebensqualität
Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) werden jährlich über 1.000 Schlaganfallpatient:innen behandelt. Für die Akutversorgung steht das gesamte moderne Therapiespektrum zur Verfügung. „Das sind komplexe Verfahren, bei denen verschiedene Bereiche und Disziplinen eng zusammenarbeiten. Hierzu gehören neben der Notfallaufnahme und Neurologie insbesondere die Neuroradiologie und Anästhesiologie sowie in bestimmten Situationen auch die Neurochirurgie“, erklärt Prof. Dr. Dominik Michalski, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie am UKL. „Eine weitere Herausforderung beginnt jedoch danach: die Nachsorge.“ Ein Schlaganfall ist mit dem Klinikaufenthalt nämlich nicht abgeschlossen. „Es geht darum, Betroffene längerfristig bei den vielen aufkommenden Fragen zu unterstützen und bestmöglich einen weiteren Schlaganfall zu verhindern,“ fügt Prof. Dr. Joseph Claßen, Direktor der Klinik, hinzu.
Schlaganfalllotsinnen: Orientierung im Alltag
Genau hier setzt ein besonderes Angebot am UKL an: die Schlaganfalllotsinnen. Wie Schiffslotsinnen geben speziell ausgebildete Expertinnen den Patient:innen Orientierung im schwierigen ersten Jahr nach dem Schlaganfall.
„Wir lernen die Patientinnen und Patienten schon auf der Akutstation kennen und bauen eine Beziehung auf“, beschreibt Schlaganfalllotsin Daniela Geisler ihre Arbeit. „Nach der Rehabilitation schauen wir gemeinsam, was im Alltag gebraucht wird.“
Die Lotsinnen helfen bei organisatorischen Fragen, unterstützen bei Anträgen, etwa zum Pflegegrad oder Schwerbehindertenausweis, und vermitteln Kontakte zu weiterführenden Angeboten. Gleichzeitig haben sie auch weniger sichtbare Probleme im Blick. „Viele Betroffene entwickeln Ängste oder depressive Verstimmungen.“, weiß Viola Solluntsch aus Erfahrung. „Angehörige fragen dann oft: ‚Was ist denn noch mit dir? Der Schlaganfall ist doch längst vorbei!‘ Wir erkennen diese ‚unsichtbaren‘ Probleme und wissen, dass sie häufig die Lebensqualität besonders beeinträchtigen.“
Die Lotsinnen können Rückmeldungen an Hausärztinnen und Hausärzte geben und zum Beispiel auf den Bedarf nach psychologischer Unterstützung hinweisen. Das Schlaganfalllotsen-Konzept ist bundesweit noch nicht flächendeckend etabliert und stellt im Großraum Leipzig ein besonderes Angebot dar.
Schlaganfalltag: Wissen, Austausch und neue Perspektiven
Beim 29. Leipziger Schlaganfalltag informieren Expertinnen und Experten über aktuelle Entwicklungen in der Schlaganfallbehandlung. Dabei geht es unter anderem darum, wie verschlossene Blutgefäße heute noch gezielter behandelt werden können und welche neuen Medikamente helfen, weitere Schlaganfälle zu verhindern.
Auch die Nachsorge gehört in diesem Jahr zu den Schwerpunkten: Wie lassen sich Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte besser behandeln? Und welche Unterstützung brauchen Betroffene, um langfristig gut versorgt zu sein und in ihren Alltag zurückzufinden? Die Veranstaltung bietet Fachvorträge, Diskussionen und die Möglichkeit zum Austausch.
Der 29. Leipziger Schlaganfalltag findet am Samstag, 9. Mai 2026, von 9 bis 14 Uhr im Mediencampus Villa Ida sowie online statt. Die Liveübertragung erreicht man am Veranstaltungstag unter www.ukl-live.de/schlaganfalltag.
Die Teilnahme ist kostenfrei.