Leipzig. Wenn Menschen einen Schlaganfall erleiden, ist Eile geboten. Der Leitspruch „Time is brain“ („Zeit ist Gehirn“) gilt dabei für Erwachsene genauso wie für Kinder. Je eher sie behandelt werden, desto größer ist ihre Chance auf ein unbeschwertes Leben. Doch gerade Kinder werden eher selten mit einem Schlaganfall in Verbindung gebracht, was dazu führt, dass sich die Zeit bis zu ihrer Behandlung verlängert – mit teils dramatischen Folgen wie dauerhaften Lähmungen, kognitiven Einschränkungen, Sprach- und Sehstörungen. Um für den kindlichen Schlaganfall zu sensibilisieren, machen Expert:innen des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) aus den Bereichen Neuro- und Kinderradiologie, der Kinder- und Erwachsenenneurologie sowie der Kinderhämostaseologie, der Anästhesie und der Intensivmedizin ihn erstmals zum Thema einer Fachveranstaltung. Sie findet am 1. April 2026 statt.
Wenn sich ein dreijähriges, an sich gesundes Kind in der Kita plötzlich zurückzieht, kaum noch stehen oder seine Augen offenhalten kann, denken die meisten sicher, dass es vom Herumtoben mit seinen Freund:innen und den vielen neuen Eindrücken erschöpft und müde ist. Woran sie nicht denken, ist die Möglichkeit eines Schlaganfalls.
„Kinder und Schlaganfälle passen für viele nicht zusammen“, sagt Dr. Janina Gburek-Augustat von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Leipzig (UKL), die vor fünf Jahren einen ganz ähnlichen Fall betreut hat. Damals wird ihr ein kleines Mädchen vorgestellt – mit einem nach außen verdrehten rechten Auge, Lähmungserscheinungen im Gesicht und in der linken Körperhälfte. Schnell ist für die Oberärztin klar, „irgendwas ist nicht in Ordnung und im MRT war dann auch eine Veränderung im Hirnstamm zu sehen, was in dem Alter ungewöhnlich ist.“
Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen beginnt: Da die hinzugezogenen Radiolog:innen zu dem Zeitpunkt weder eine Durchblutungsstörung noch eine Entzündung ausschließen können, gehen Dr. Gburek-Augustat und Kolleg:innen zunächst von einer Entzündung aus – nicht zuletzt, weil „eine Entzündung in dem Alter einfach häufiger ist.“ Die Behandlung schlägt an: Die Symptome des Mädchens verbessern sich, verschwinden aber nicht. „Wir haben dann nochmal ein Verlaufs-MRT gemacht und da hat sich dann gezeigt, dass es doch keine Entzündung war, sondern dass da ein kleines Gefäß verschlossen war.“ Die Kinderärztin und ihr Team passen die Behandlung an und machen sich auf die Suche nach den Ursachen für den Schlaganfall. Sie finden ihn Wochen später in den Genen des Mädchens: ein fehlendes Eiweiß, welches sich medikamentös gut behandeln lässt.
„Heute gilt unsere Patientin als klinisch gesund“, fasst Gburek-Augustat den Fall zusammen, wohl wissend, dass es auch die anderen gibt: Fälle, in denen Kinder mit Schlaganfall nicht erkannt und entsprechend spät behandelt werden, „später als viele Erwachsene – mit den entsprechenden Folgen.“
Um das in Zukunft zu verhindern, wollen die Fachärztin und ihre Kolleg:innen den 1. Fachtag am UKL nutzen, um für den kindlichen Schlaganfall zu sensibilisieren. Im Ernstfall zähle jede Minute – in der Kita, zu Hause, aber auch im Krankenhaus.
Fachveranstaltung „Der kindliche Schlaganfall“
1. April 2026, 17 - 19:30 Uhr
Haus 1: Seminarraum 8/9
Liebigstraße 12 | 04103 Leipzig
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