Dr. Angelika Thöne-Otto, Leitende Neuropsychologin der Tagesklinik für Kognitive Neurologie und Prof. Dr. Hellmuth Obrig, Stellvertretender Direktor der Tagesklinik.
Leipzig. Ein Schlaganfall, ein Unfall oder eine andere Hirnverletzung kann das Leben von einem Tag auf den anderen verändern. Ein Gespräch führen, den Tagesablauf planen oder sich konzentrieren – Dinge, die früher selbstverständlich waren, fallen plötzlich schwer. Seit 30 Jahren hilft die Tagesklinik für Kognitive Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig Menschen dabei, solche Fähigkeiten wieder zu trainieren und ihren Alltag neu zu gestalten.
„Wir wollen unsere Patienten wieder ins Leben zurückbringen“, sagt Dr. Angelika Thöne-Otto. Sie ist die leitende Neuropsychologin der Tagesklinik für Kognitive Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig. Ihre Patientinnen und Patienten haben eine Hirnschädigung erlitten. Die meisten haben schon eine Rehabilitationsmaßnahme hinter sich, sind gesundheitlich stabil. „Unser Schwerpunkt sind Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. Diese führen häufig zu Veränderungen im Selbstwert, in der Stimmung und im Verhalten.“
In der Tagesklinik werden die kognitiven Fähigkeiten der Patient:innen trainiert. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Es gibt eine Lehrküche, eine Werkstatt und Computerarbeitsplätze.
Neben dem Training ist aber auch der Umgang mit den Folgen der Erkrankung wichtig. Viele Betroffene müssen lernen, ihre Kräfte neu einzuteilen oder Aufgaben anders zu organisieren. Ziel der Therapie ist es, den Patientinnen und Patienten möglichst viel Selbstständigkeit zurückzugeben.
Das ist dem stellvertretenden Direktor der Tagesklinik, Prof. Dr. Hellmuth Obrig, das oberste Anliegen. „Wir haben sehr häufig jüngere Patienten und Patientinnen. Da geht es nicht nur um die Rückkehr in den Beruf, sondern auch um eine Ausbildung, ein Studium oder die Fortführung einer Karriere.“
Therapie im Alltag erproben
Ein besonderer Vorteil der Tagesklinik ist das Behandlungskonzept. Die Patient:innen kommen tagsüber in die Klinik, verbringen die Abende und Wochenenden jedoch zu Hause. Dadurch können sie das Gelernte unmittelbar im Alltag anwenden und erproben. Auch Angehörige werden in die Therapie einbezogen. Denn eine Hirnschädigung verändert häufig nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das ihrer Familien. Gespräche und Beratungsangebote helfen dabei, gemeinsam neue Wege im Alltag zu finden.
Forschung und Behandlung seit Jahrzehnten
Die Tagesklinik für Kognitive Neurologie entstand 1996 in enger Zusammenarbeit mit dem heutigen Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. Sie war die erste Klinik ihrer Art an einem Universitätsklinikum und ist es bis heute.
Angelika Thöne-Otto gehört zum Team der ersten Stunde und war bereits bei der Gründung der Tagesklinik dabei. Mit gemischten Gefühlen erinnert sie sich an die Anfangszeit Mitte der neunziger Jahre: „Die Arbeitslosigkeit war damals unheimlich hoch. Menschen mit einer Hirnschädigung wieder in den Beruf zu bringen war eine noch größere Herausforderung als heute. Aber da hat sich Gott sei Dank viel verändert.“
Zahlreiche Kolleg:innen aus Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und sozialer Arbeit sind seit vielen Jahren Teil des Teams der Tagesklinik. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Forschung und Behandlung eng miteinander zu verbinden und neue wissenschaftliche Erkenntnisse direkt den Patient:innen zugutekommen zu lassen.
Jubiläumsfeier mit Einblicken in Klinik und Forschung
Ihr 30-jähriges Bestehen feiert die Tagesklinik mit einem wissenschaftlichen Symposium und einem Tag der offenen Tür. Am Samstag, 21. März 2026, von 11 bis 13 Uhr lädt die Tagesklinik alle Interessierten ein, ihre Arbeit kennenzulernen. Besucherinnen und Besucher können Einblicke in Therapieangebote und Forschungsprojekte erhalten und erfahren, wie moderne neurologische Rehabilitation heute aussieht.