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APOS: Akute Risikofaktoren für poststationäres suizidales Verhalten

​​​Projektleitung:
Dr. Lena Spangenberg​
Prof. Dr. Heide Glaesmer
Prof. Dr. Thomas Forkmann (Universität Duisburg-Essen)

Projektmitarbeit:
Luise Lucht, M.A.
Antje Schönfelder, M.Sc.
Nina Hallensleben, M.Sc.​ (ab 5/2022)
Tina Marie Hoke, B.Sc.
Chiara Manthey, B.Sc.​

Projektbeschreibung:
Nach der stationären Behandlung akuter Suizidalität ist das Risiko für Suizidversuche und vollzogene Suizide drastisch erhöht. Dem gegenüber stehen begrenzte empirische Befunde zu proximalen Risikofaktoren, d.h. Variablen, die kurzfristig suizidale Erlebens- und Verhaltensweisen vorhersagen. Für die Entwicklung von klinischen Monitoring- und Interventionskonzepten sind solche Erkenntnisse eine wichtige Voraussetzung. Die Interpersonale Theorie Suizidalen Verhaltens (ITSV, Joiner 2005), das Integrative Motivational-Volitionale Modell Suizidalen Verhaltens (IMV-Modell, O'Connor 2011) und das Suicidal Crisis Syndrome (SCS, Galynker 2017) postulieren mehrere Variablen, die als proximale Risikofaktoren in Betracht kommen (u.a. Perceived Burdensomeness, Entrapment, Hyperarousal). Trotz empirischer Evidenz für die Kernannahmen dieser Theorien fehlen bislang prospektive Studien, die unter Berücksichtigung der zeitlichen Dynamik und der Interaktion dieser Variablen die Prädiktion in Bezug auf Suizidgedanken und Suizidversuche mit einer hohen zeitlichen Auflösung in einer Hochrisikopopulation in diesem Zeitfenster untersuchen.

Das Projekt soll theoretische Annahmen der ITSV, des IMV-Modells und des SCS empirisch validieren. Hierzu wird geprüft, ob die zentralen Variablen dieser Modelle poststationär Suizidgedanken in Echtzeit und Suizidversuche im 6-Monats-Follow-Up vorhersagen (bei gleichzeitiger Kontrolle distaler Risikofaktoren wie z.B. Geschlecht, Anzahl bisheriger Suizidversuche, Herzratenvariabilität). Zusätzlich sollen individuelle Verlaufsmuster von Suizidgedanken typisiert ("digital phenotyping") und im Hinblick auf die prädiktive Validität untersucht werden. Daneben wird analysiert, welche Rolle die Herzratenvariabilität bzw. die Herzrate in Echtzeit für die Vorhersage von Suizidgedanken und -versuchen spielt. 

​Über 18 Monate werden N=344 Patienten in Essen und Leipzig rekrutiert, die wegen akuter Suizidalität oder nach Suizidversuch stationär behandelt wurden. Nach einem Basis-Assessment (Kernkonstrukte der Suizidtheorien, Kontrollvariablen, Herzratenvariabilität) erhalten teilnehmende Patienten ein Smartphone und beantworten 1-3 Tage vor und 21 Tage nach Entlassung viermal täglich (signal-kontingent) psychometrisch geprüfte Items zu Suizidgedanken und den interessierenden Prädiktoren in Echtzeit. Zusätzlich wird die Herzrate mittels eines Wearables erfasst. Nach sechs Monaten erfolgt ein telefonisches Follow-Up, bei dem Suizidversuche und Suizidgedanken erfasst werden. Eingesetzte Analysemethoden umfassen u.a. Cox Regression, Mehrebenenmodelle und latente Profilanalyse.  

Das Projekt prüft erstmals die Prädiktion von Suizidgedanken und Suizidversuchen in einer Hochrisikopopulation in einem prospektiven und zeitlichen hoch aufgelösten Studiendesign durch Variablen der ITSV, des IMV-Modells und des SCS. Wir erwarten durch die Ergebnisse die Vorhersage von Suizidgedanken und suizidaler Verhaltensweisen zu verbessern. ​​

Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projektnummer:
933000-194
933000-195
933000-196
933000-197

Laufzeit:
09/2021 – 08/2024

Philipp-Rosenthal-Str. 55, Haus W
04103 Leipzig
Telefon:
0341 - 97 18800 (Chefsekretariat)
Telefon:
0341 - 97 18803 (Wiss. Sekretariat)
Fax:
0341 - 97 15419
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