Leipzig: Bei einem Schlaganfall kann jede Minute entscheidend sein. Wird ein großes Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verschlossen, erhält das betroffene Hirngewebe nicht mehr ausreichend Sauerstoff. Nervenzellen drohen abzusterben. Mit der mechanischen Thrombektomie steht eine hochspezialisierte, minimalinvasive Behandlung zur Verfügung. Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) gehört zu den besonders aktiven Zentren für diesen Eingriff in der Region Leipzig. Jährlich wird die mechanische Thrombektomie hier in dreistelliger Zahl durchgeführt.
Mit einem Katheter bis zum verschlossenen Gefäß
Bei der mechanischen Thrombektomie wird ein Katheter meist über eine Arterie in der Leiste, in manchen Fällen auch über den Arm, in das Gefäßsystem eingeführt. Unter Röntgenkontrolle navigiert das Behandlungsteam ihn bis zum verschlossenen Hirngefäß. Dort kann das Gerinnsel entweder abgesaugt oder mit einem speziellen, maschenartigen Instrument, einem sogenannten Stent-Retriever, gefasst und herausgezogen werden. Der Eingriff ist anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung. Und er muss schnell erfolgen, denn mehr Zeit verstreicht umso höher ist der Schaden für das Gehirn. „Time is brain, also Zeit ist Gehirn“, sagt Prof. Dr. med. Karl-Titus Hoffmann, Direktor des Instituts für Neuroradiologie am UKL.
Kleines Team sichert die Versorgung rund um die Uhr
Hinter der hohen Zahl an Eingriffen steht am Universitätsklinikum Leipzig ein ungewöhnlich kleines Spezialistenteam. „Wir sind fünf bis sechs Ärztinnen und Ärzte, die dazu in der Lage sind, das durchzuführen“, sagt Prof. Hoffmann. Im Bundesvergleich sei das Team sehr klein. Gleichzeitig muss die Behandlung jederzeit verfügbar sein, denn Schlaganfälle treten zu jeder Tages- und Nachtzeit auf. „Das kann Sonntagvormittag sein, an den Weihhnachtsfeiertagen oder in der Silvesternacht. Das ist eben nicht nur Montag bis Freitag von sieben bis 16 Uhr“, betont der Institutsdirektor. „Aber seit 2009 haben wir da keinen Tag Ausfall gehabt.“ Dass das Team die Versorgung durchgehend sicherstellen kann, sei auch das Ergebnis kontinuierlicher Ausbildung und Qualitätsarbeit. Die personelle Situation bleibe dennoch eine Herausforderung. Die in Leipzig gut ausgebildeten Fachkräfte seien gefragt und würden auch von anderen Einrichtungen gesucht.
Zertifizierte Qualität und kontinuierliche Weiterbildung
Die Qualität der Schlaganfallversorgung am UKL wird durch verschiedene Maßnahmen abgesichert. Dazu gehören neben der Ausbildung spezialisierter Ärzt:innen auch die Zertifizierung des Instituts sowie die Teilnahme an Registern und Qualitätssicherungsverfahren der Fachgesellschaften. Dort werden unter anderem Behandlungszahlen und Komplikationsraten erfasst und mit anderen Einrichtungen verglichen.
Gemeinsam für eine schnelle Schlaganfallversorgung
Der Welt-Schlaganfalltag am 29. Oktober erinnert daran, dass schnelle Hilfe entscheidend ist. „Es muss sichergestellt werden, dass Menschen mit einem Schlaganfall in kurzer Zeit eine hochqualifizierte Bildgebung erhalten und an ein Zentrum gelangen, in dem alle Therapieoptionen verfügbar sind“, sagt Hoffmann. Dafür arbeitet das Leipziger Institut eng mit anderen Kliniken der Region zusammen. Im zertifizierten INNSA-Netzwerk kooperiert die hiesige Neuroradiologie unter anderem mit Kliniken in Borna, Altenburg und Altscherbitz. Über eine teleradiologische Verbindung können Bilddaten aus den anderen Häusern schnell übermittelt und gemeinsam beurteilt werden. Wird bei einem Patienten oder einer Patientin ein Gefäßverschluss festgestellt, der eine mechanische Thrombektomie erfordert, kann bei Bedarf die Verlegung ans UKL gezielt und ohne unnötigen Zeitverlust organisiert werden. „Wir haben das über viele Jahre etabliert“, ist Prof. Hoffmann stolz.
Wie erkenne ich einen Schlaganfall?
Ein Schlaganfall kann sich durch plötzlich auftretende Beschwerden bemerkbar machen. Typische Warnzeichen sind:
• Gesicht: Ein Mundwinkel hängt herab, das Lächeln wirkt schief.
• Arme: Ein Arm ist plötzlich schwach oder taub oder lässt sich nicht gleichmäßig anheben.
• Sprache: Die Person spricht undeutlich, findet keine Worte oder versteht einfache Sätze nicht.
• Weitere Warnzeichen: Plötzliche Sehstörungen, etwa der Verlust des Sehvermögens auf einem Auge, starker Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen.
Wichtig: Bei Verdacht sofort die 112 anrufen! Nicht abwarten, ob die Beschwerden von selbst verschwinden. Auch vorübergehende Symptome können auf eine ernsthafte Durchblutungsstörung hinweisen. Wenn möglich, merken Sie sich, wann die ersten Anzeichen aufgetreten sind. Geben Sie der betroffenen Person nichts zu essen oder zu trinken.