Leipzig. Mehr als 24 Jahre leitete er das Institut für Kinderradiologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). Nun verabschiedet sich Prof. Dr. med. Franz Wolfgang Hirsch in den Ruhestand. Diesen will der Facharzt für Pädiatrie und Radiologie nutzen, um jenseits der Medizin noch einmal für ihn Neuland zu betreten.
„Prof. Hirsch hat die Kinderradiologie am UKL über mehr als zwei Jahrzehnte entscheidend geprägt und zu einem hoch angesehenen Institut entwickelt, das weit über Leipzig hinaus Anerkennung genießt. Dafür gebührt ihm unser herzlicher Dank“, so Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des UKL. „Mit großer wissenschaftlicher Neugier und dem Blick dafür, was Diagnostik für Kinder besser und schonender machen kann, war er Neuem gegenüber stets aufgeschlossen und hat wegweisende Innovationen konsequent vorangetrieben.“
Etwas Neues zu beginnen, ist für Prof. Hirsch nichts Ungewöhnliches. Bereits als junger Mann schlug er mehrfach neue Wege ein – das erste Mal nach seinem Abitur 1978. Damals hatte der gebürtige Hallenser für zwei Jahre später einen Studienplatz an der TU Dresden sicher. Dort wollte er Mikroelektronik studieren. Doch weil -dank der Planwirtschaft der DDR, die auch vor Studienplätzen nicht Halt machte- zwei Jahre überbrückt werden mussten, nahm Hirsch eine Stelle als Hilfspfleger in einem Krankenhaus in Halle an. Den Blick anfangs immer noch fest auf die Mikroelektronik gerichtet, schlich sich irgendwann der Gedanke bei ihm ein, dass er auch Medizin studieren könnte. „Ich war auf einer Intensivstation eingesetzt“, erinnert er sich, „das war total interessant und hatte auch viel mit Technik zu tun – was mich natürlich begeistert hat. Und da habe ich dann gedacht, warum nicht Arzt werden und dann in einem technischen Bereich arbeiten.“
Vom Kinderarzt zum Radiologen
Wenig später machte Hirsch Nägel mit Köpfen und bewarb sich für Medizin an der Universität in Halle. Im Laufe des Studiums schwand sein vordergründiges Interesse an der Technik. Stattdessen spezialisierte er sich im Bereich Pädiatrie – „ein cooles Fach“, was zur damaligen Zeit gar nicht so leicht zu kriegen war. Und dann kam die Wende und mit ihr die große Freiheit. Prof. Hirsch, damals angehender Facharzt im kommunalen Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau, nutzte die Gunst der Stunde für einen Wechsel an die Universitätsklinik Halle – und einen erneuten Neuanfang mit wissenschaftlichem Anspruch. Von hier aus wechselte Franz Wolfgang Hirsch ein Jahr nach London: Ein Stipendium der heutigen Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, brachte ihn 1993 ans Royal-Marsden-Hospital – und mit der Ultraschallforschung in Berührung.
Zurück in Halle war seine geliebte Stelle auf der Kinderintensivstation vergeben und seine neue Stelle mehr Last als Lust. In dieser Situation erinnerte sich der leidenschaftliche Zeichner und Saxophonspieler an seine Zeit in London und wie viel Spaß ihm radiologische Forschung gemacht hatte. „Und dann hab‘ ich gesagt, wenn es hier in der Pädiatrie nicht weitergeht, dann wechsle ich in die Radiologie und beginne nochmal von vorn.“
Einmal UKL, immer UKL
30 Jahre später ist Prof. Hirsch Direktor des Instituts für Kinderradiologie am UKL, welches er mit seinem Team in über 24 Jahren auf- und kontinuierlich ausgebaut hat. „Wir haben klein angefangen, damals in der Oststraße und mussten erstmal die moderneren radiologischen Methoden CT und MRT als selbstverständlichen Teil der Kinderradiologie etablieren. Das war eine große Herausforderung, die aber großen Spaß gemacht hat.“
Heute ist Hirschs Institut so gut etabliert und ausgestattet, dass es in der Branche einen hervorragenden Ruf genießt. „Das Uniklinikum Leipzig hatten als erste Einrichtung weltweit ein zugelassenes PET-MRT, eine Kombination aus nuklearmedizinischer und MRT-Diagnostik. Wir waren damit selbst den Amerikanern voraus, unsere erste Publikation dazu wurde damals sehr positiv aufgenommen. Und dann hatten wir diesen, ich nenne es mal Schlager mit dem Echtzeit-MRT, womit wir dann auch weltweit zu Vorträgen eingeladen worden sind.“ Am Ende wurde Prof. Hirsch 2024 sogar zum Ehrenmitglied der amerikanischen Gesellschaft für Kinderradiologie ernannt – einer der Höhepunkte in Prof. Hirschs Karriere.
Legendär auch die 54. Europäische Tagung für Kinderradiologie 2018 in Berlin, organisiert von Prof. Hirsch und Kolleginnen und Kollegen – mit 1000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt und insgesamt drei Parallelprogrammen. „Und dann haben wir daneben ein Begleitprogramm auf die Beine gestellt, das eigentlich so gar nicht zur kinderradiologischen Radiologen-Community passte: Unter anderem war da eine Abendgala als 20er-Jahre-Party in einem Berliner Varieté. Die Gäste kamen im Berliner 20er-Jahre Stil. Das war einfach großartig. Davon schwärmen wir immer noch, wie Sie vielleicht merken.“
Neue Ziele im Ruhestand
Dass die Kinderradiologie des UKL heute so gut dasteht, verdankt Hirsch nicht zuletzt seinen Kolleginnen und Kollegen. „Was mich hier immer wieder gehalten hat, ist, dass ich mit großartigen Leuten hier zusammenarbeiten durfte. Das ist so 'ne Floskel, die jeder sagt, aber ich kann es aus vollem Herzen sagen. Also, ich hatte immer tolle Menschen um mich herum – sowohl in meiner Abteilung als auch darüber hinaus. Wir hatten viel Unterstützung: vom Vorstand des Klinikums und vom Dekan. Von daher kann ich nur sagen, es war einfach eine gute Zeit.“ Auf eine gute Zeit hofft Prof. Franz Wolfgang Hirsch auch in seinem Ruhestand – obwohl der Begriff an der Stelle irreführend ist, denn Ruhe im klassischen Sinne gönnt er sich nicht. Stattdessen will er sich einem Studium widmen, der Bildhauerei an der bekannten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in seiner Heimatstadt Halle.