Leipzig. Zum 30. September 2026 verabschiedet sich Prof. Dr. med. Osama Sabri, langjähriger Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Leipzig (UKL), in den Ruhestand. Seit Oktober 2001 prägte er die Entwicklung des Fachs in Leipzig und machte die Klinik insbesondere auf dem Gebiet der neuronuklearmedizinischen Forschung national und international sichtbar. Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen die Entwicklung neuer Verfahren und Radiopharmazeutika für die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die krankhafte Veränderungen im Gehirn sichtbar machen und damit die Diagnostik neurodegenerativer Erkrankungen verbessern können.
"Prof. Osama Sabri hat die Nuklearmedizin am UKL über ein Vierteljahrhundert mit großer wissenschaftlicher Konsequenz und internationaler Strahlkraft weiterentwickelt", sagt Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des UKL. "Mit seinem Gespür für zukunftsweisende Technologien und seinem Anspruch, Forschung rasch für Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen, hat er bleibende Spuren hinterlassen. Dafür danken wir ihm sehr."
Unter Sabris Leitung entwickelte sich die Leipziger Nuklearmedizin im internationalen und nationalen Vergleich zu einer der leistungsfähigsten und renommiertesten Kliniken ihrer Art, welche das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum des Fachs anbietet. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Verbindung von Forschung und klinischer Anwendung. Sabri und sein Team gehören zu den jeweils ersten bzw. frühen Anwendern moderner Verfahren der molekularen (Hybrid-) Bildgebung, um Stoffwechselvorgänge, Durchblutung, Rezeptoren und krankheitstypische Eiweißablagerungen im Gehirn abzubilden. Diese Verfahren tragen dazu bei, Erkrankungen genauer zu unterscheiden und krankhafte Veränderungen bereits frühzeitig zu erkennen.
International beachtet wurden vor allem die Leipziger Arbeiten zur Entwicklung von PET-Radiopharmaka und PET-Bildgebung bei Demenzerkrankungen.
Sabri wirkte als weltweiter Leiter multizentrischer Studien auf 4 Kontinenten maßgeblich an der klinischen Entwicklung und Prüfung des PET-Tracers Florbetaben mit. Der schwach radioaktiv markierte Stoff bindet an sogenannte Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, die für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch sind. Die Ergebnisse der internationalen Phase-II und III-Studien lieferten wichtige Grundlagen für den diagnostischen Einsatz der Amyloid-PET.
In enger Kooperation mit den Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrum Dresden Rossendorf Außenstelle Leipzig, der Universität Münster und des Forschungszentrums Jühlich gelang die Neuentwicklung von zwei Radioliganden, dem Flubatin (für das nikotinische Acetylcholinrezeptorsystem) und Fluspidin (für das Sigma1-Rezeptorsystem). Im Rahmen von BMBF- und DFG geförderten Studien konnten diese dann in Leipzig weltweit erstmalig am Menschen mittels Hirn-PET eingesetzt werden, um rezeptorale Veränderungen bei Demenz und Depression nachzuweisen und diese zum Ziel zukünftiger Behandlungsmethoden zu machen.
Weitere Forschungsarbeiten Professor Sabris und seines Teams widmeten sich unter anderem auch Tau-Ablagerungen sowie der Bildgebung bei atypischen Parkinson-Syndromen.
„Entscheidend und wegweisend für diese Erfolge waren und sind Sabris Weitblick und strategische sowie inhaltliche Erfahrung unter anderem bei der Schaffung der organisatorischen, administrativen und ressourcenorientierten Voraussetzungen für den Betrieb einer derartig komplex ausgestatteten Einrichtung der Maximalversorgung unter Beteiligung der Kernexpertisen ohne die eine solche Nuklearmedizin nicht denkbar ist, allen voran die medizinische Wissenschaft, die Radiochemie und die Medizinische Physik einschließlich des Strahlenschutzes. Er tat dies immer mit dem Augenmaß eines Direktors, der nicht nur die wissenschaftlichen Interessen seiner eigenen Einrichtung und optimaler Patientenversorgung im Auge haben muss, sondern gleichzeitig auch die ökonomischen und regulatorischen Randbedingungen unter denen eine Nuklearmedizin eingebettet in ihrer übergeordneten Struktur, der Universitätsmedizin Leipzig, agieren und funktionieren muss“, ergänzt Prof. Bernhard Sattler, langjähriger Weggefährte von Prof. Sabri und Leiter der Medizinischen Physik an der UKL-Klinik für Nuklearmedizin.
Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 400 begutachtete Publikationen. Für Forschungsprojekte warb er mehr als 24 Millionen Euro an Drittmitteln ein. Zugleich förderte er die enge Zusammenarbeit der Nuklearmedizin mit Neurologie, Psychiatrie, Radiologie und weiteren Fachgebieten. Damit stärkte Prof. Osama Sabri die interdisziplinäre Erforschung von Demenzen, Bewegungsstörungen und psychischen Erkrankungen am Standort Leipzig.
Diese wissenschaftliche Leistung wurde vielfach ausgezeichnet. 1995 erhielt Sabri den Ludo van Bogaert Award der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin (EANM). 1999 erhielt er unter anderem den Mallinckrodt-Preis und den Brahms-Preis der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin. 2005 wurde ihm der Kuwait Prize der Kuwait Foundation for the Advancement of Sciences verliehen. Im internationalen Brain Imaging Council der Society of Nuclear Medicine and Molecular Imaging übernahm er zunächst das Amt des Vizepräsidenten und 2013 das des Präsidenten. Ein Jahr später würdigte die Fachgesellschaft seine Forschung mit dem Kuhl-Lassen Award.
Osama Sabri studierte von 1981 bis 1988 Humanmedizin an der Freien Universität Berlin und wurde dort 1989 promoviert. Nach seiner wissenschaftlichen Tätigkeit am Anatomischen Institut der Universität Bonn wechselte er 1991 an die Klinik für Nuklearmedizin der RWTH Aachen. Dort absolvierte er seine Facharztausbildung, habilitierte sich 1998 mit einer Arbeit zur Bedeutung von PET, SPECT und MRT bei vaskulären Demenzen und wurde anschließend stellvertretender Klinikdirektor. Im Oktober 2001 folgte er dem Ruf nach Leipzig. Im Mai 2008 erhielt er den Ruf auf die W3-Professur und das Direktorat der Klinik für Nuklearmedizin der RWTH Aachen, entschied sich aber seine Tätigkeit in Leipzig fortzuführen.
Neben Forschung und Krankenversorgung engagierte sich Sabri über viele Jahre in wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Gremien. Er leitete die Arbeitsgemeinschaft Neuronuklearmedizin der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, gehörte dem Vorstand der Fachgesellschaft an und war Mitglied der Fachkommission Nuklearmedizin der Sächsischen Landesärztekammer. 2008 richtete er als Kongresspräsident die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin in Leipzig aus.
"Die Entwicklung der Nuklearmedizin in den vergangenen Jahrzehnten war außerordentlich dynamisch. Besonders dankbar bin ich dafür, dass wir in Leipzig neue diagnostische Möglichkeiten nicht nur wissenschaftlich untersuchen, sondern gemeinsam mit vielen Partnern in die Patientenversorgung übertragen konnten", sagt Prof. Sabri. "Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die diesen Weg begleitet haben."
Mit seinem Eintritt in den Ruhestand endet nach 25 Jahren die Amtszeit als Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, der die molekulare Bildgebung in Leipzig entscheidend vorangebracht und über Fachgrenzen hinweg vernetzt hat.
Als Professor Emeritus wird Professor Sabri seinem Team noch weiterhin mit seiner wissenschaftlichen Expertise und seiner strategischen Erfahrung zur Verfügung stehen. Unter seiner Leitung begonnene Projekte werden mit seiner Beteiligung weitergeführt, ausgewertet und wissenschaftlich publiziert.