Wenn Patient:innen eine neue Behandlung erhalten, steckt meist jahrelange Forschung dahinter. Damit in Deutschland künftig mehr klinische Studien neu aufgesetzt werden können, ist im Sommer an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig das „LeiCoT Advanced Clinician Scientist Programm" gestartet. Es wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in der ersten Förderphase bis 2031 mit rund 6,6 Millionen Euro unterstützt.
Ob ein neues Medikament oder eine neue Behandlungsmethode wirklich helfen, lässt sich am zuverlässigsten mit randomisierten klinischen Studien zeigen. Dabei werden Patient:innen nach dem Zufallsprinzip einer von zwei (oder mehr) Behandlungsgruppen zugeteilt. So entstehen Gruppen, die sich möglichst ähnlich sind, und die Ergebnisse lassen sich fair vergleichen. Im internationalen Vergleich nehmen in Deutschland deutlich weniger Patient:innen an solchen Studien teil als in anderen Ländern. Ein Grund dafür: Es fehlt an sogenannten Clinical Trialists, also Ärztinnen und Ärzten, die eigene klinische Studien entwickeln und leiten können. Besonders selten sind Studien, die auf eigenen Forschungsideen von Ärzt:innen beruhen, sogenannte Investigator-Initiated Trials. LeiCoT - das Leipzig Cohorts und Trial(ist)s Programm, will das ändern und richtet sich gezielt an Ärzt:innen, die eigene klinische Forschung vorantreiben möchten. Es ist deutschlandweit das einzige Programm mit diesem klaren Schwerpunkt auf der Ausbildung von Clinical Trialists.
Forschungsschwerpunkte: Stoffwechsel, Herz und Gehirn, Krebs
Inhaltlich konzentriert sich LeiCoT auf die drei Forschungsfelder Stoffwechsel, Herz und Gehirn sowie Krebs und ist damit eng mit dem Leipziger Exzellenzcluster LeiCeM verknüpft. Geleitet wird das Programm von vier Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Leipzig, die zugleich die drei Forschungsschwerpunkte vertreten: Sprecher ist Prof. Dr. Rolf Wachter (Kardiologie), als Co-Sprecher:innen fungieren Prof. Dr. Thomas Ebert (Endokrinologie), Prof. Dr. Antje Körner (Pädiatrie) und Prof. Dr. Bahriye Aktas (Gynäkologie).
Insgesamt stehen zwölf Stellen für sogenannte „Advanced Clinician Scientists" zur Verfügung, die je sechs Jahre gefördert werden. Sie erhalten geschützte Zeit für die Forschung neben der klinischen Arbeit, die Möglichkeit, eigene Kohortenstudien oder randomisierte kontrollierte Studien durchzuführen, ein individuelles Mentoring-Programm mit je drei Mentor:innen, Zugang zu moderner Forschungsinfrastruktur sowie Unterstützung dabei, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Bei der Vergabe der Stellen wird Wert auf Vielfalt gelegt: Das Programm soll besonders den Anteil von Frauen stärken und gezielt Kandidat:innen von außerhalb gewinnen.
Ziel: bessere Behandlung durch innovative Studien
Mit LeiCoT will die Universitätsmedizin Leipzig langfristig dazu beitragen, dass mehr klinische Studien in Deutschland neu entstehen und damit auch, dass Patient:innen schneller von neuen, gut geprüften Behandlungsmethoden profitieren. Die Kombination aus klinischer Tätigkeit und gezielter Forschungsförderung soll eine neue Generation von Clinical Trialists hervorbringen.