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Pressemitteilung vom 10.07.2026

UKL zeigt Expertise im Kampf gegen Mangelernährung

Zertifizierung als „Ernährungsmedizinische Schwerpunktabteilung“

Das Ernährungsteam am UKL mit seinem Leiter Prof. Lars Selig (Mitte vorn) betreut Patient:innen mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern und kümmert sich besonders um die Prävention von Mangelernährung.

Das Ernährungsteam am UKL mit seinem Leiter Prof. Lars Selig (Mitte vorn) betreut Patient:innen mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern und kümmert sich besonders um die Prävention von Mangelernährung.

Leipzig. Ernährung ist weit mehr als nur die Frage, was auf dem Teller liegt. Sie entscheidet bei vielen Erkrankungen mit über den Behandlungserfolg. Das Team der Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) ist vor kurzem für hohe fachliche Qualität als „Ernährungsmedizinische Schwerpunktabteilung“ zertifiziert worden.

Das Qualitätssiegel der nutriZert GmbH zeichnet Kliniken und Praxen aus, die höchste Standards bei der Erkennung und Behandlung ernährungsassoziierter Erkrankungen erfüllen.
„Mit der Zertifizierung wollten wir sichtbar machen, was wir am UKL schon seit vielen Jahren leisten“, sagt Prof. Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams. „Jetzt können wir nach außen zeigen: Hier gibt es eine qualitätsgesicherte ernährungsmedizinische Versorgung.“

Viel mehr als eine Ernährungsberatung

Wer an Ernährungsmedizin denkt, hat oft nur die klassische Diätberatung vor Augen. Dass das Team der Ernährungsmedizin heute nahezu im gesamten Uniklinikum tätig ist, wissen anscheinend sogar viele Kolleg:innen nicht.
„Die Chirurgie denkt, wir beraten nur nach Magenoperationen. Die Allergologie denkt, wir machen nur Allergien. Die Intensivstation verbindet uns mit künstlicher Ernährung“, beschreibt Lars Selig die Wahrnehmung. „Dabei sind wir eine Abteilung mit einem ganzen Blumenstrauß an Krankheitsbildern.“
Das Team betreut unter anderem Menschen mit Krebs, Adipositas, Diabetes, Mukoviszidose oder auch mit seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen. Es begleitet Patient:innen mit Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, entwickelt aber beispielsweise auch spezielle Ernährungskonzepte für Menschen mit geistigen Behinderungen.

Mangelernährung ist häufiger als viele denken

Ein Schwerpunkt des Ernährungsteams ist das frühzeitige Erkennen von Mangelernährung. Deshalb werden am UKL ausnahmslos alle stationär aufgenommenen Patient:innen systematisch daraufhin untersucht.
„Viele Kliniken haben angeblich keine mangelernährten Patienten, aber nur, weil sie gar nicht danach suchen“, sagt Lars Selig. „Wir wissen dagegen, dass etwa 20 bis 25 Prozent unserer stationären Patienten mangelernährt sind.“
Dabei handelt es sich keineswegs nur um untergewichtige Menschen. „Das klassische Bild ist: Wer mangelernährt ist, muss dünn sein. Das stimmt aber nicht“, erklärt der Experte. Denn eine Mangelernährung liegt auch bei einer unzureichenden Versorgung des Körpers mit lebenswichtigen Nährstoffen wie Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen vor. „Auch ein Patient mit starkem Übergewicht kann mangelernährt sein. Oder jemand, der innerhalb kurzer Zeit sehr viel Gewicht verloren hat. Genau deshalb ist ein strukturiertes Screening so wichtig.“
Besonders bei Krebserkrankungen habe der Ernährungszustand großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. „Ein Teil der Krebspatienten stirbt nicht an der Erkrankung selbst, sondern an den Folgen einer ausgeprägten Mangelernährung“, betont Lars Selig. „Deshalb darf Ernährung niemals zur Nebensache abgetan, sondern muss als ein Teil der Gesamttherapie verstanden werden.“

Ein Qualitätssiegel für die tägliche Arbeit

Für das nutriZert Zertifikat musste das Uniklinikum nachweisen, dass zum Ernährungsteam qualifizierte Ernährungsmediziner:innen sowie Ernährungsfachkräfte gehören, dass standardisierte Behandlungspfade verbindlich umgesetzt werden und dass das Ernährungsteam an Werktagen für mindestens sieben Stunden am Tag verfügbar ist. Diese Voraussetzungen erfüllt das UKL bereits seit Jahren.

„Wir haben uns sehr über die Zertifizierung gefreut. Sie ist ein objektives Gütesiegel von außen“, sagt Prof. Michael Stumvoll, Leiter der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie und Rheumatologie. „Ernährungsmedizin steht im Klinikalltag wirtschaftlich oft nicht im Vordergrund, sie berührt aber fast alle Fachgebiete der Medizin. Das wurde hier am UKL erkannt und man lässt uns sehr gut arbeiten.“

Blick in die Zukunft

Ab 2028 wird ein standardisiertes Screening auf Mangelernährung in Krankenhäusern bundesweit verpflichtend sein. Das UKL hat diese Strukturen bereits etabliert und gehört damit zu den Vorreitern.
„Der Beginn zur Implementierung ist eigentlich ganz einfach“, sagt Lars Selig. „Größe und Gewicht zu erfassen kostet fast nichts. Trotzdem wird es vielerorts noch nicht systematisch gemacht. Dabei kann genau diese Information entscheidend für den Behandlungserfolg sein.“

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