Leipzig. Prof. Dr. med. Christian Wittekind, emeritierter Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL), wurde auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) mit der Rudolf-Virchow-Medaille ausgezeichnet. Es ist die höchste Ehrung, die die DGP für ein herausragendes Lebenswerk auf dem Gebiet der Pathologie vergibt.
„Diese Medaille wurde seinerzeit von meinem späteren Chef am Uniklinikum Freiburg ins Leben gerufen und 1981 erstmals verliehen“, erinnert sich Prof. Christian Wittekind (75). „Es ist für mich eine große Ehre, 45 Jahre später nun selbst diese Auszeichnung zu erhalten. Da Virchow sich viel mit Klassifikationen in der Medizin beschäftigt hat und das immer auch ein zentrales Thema meiner Arbeit war, passt das tatsächlich dann auch inhaltlich ganz hervorragend“.
Prof. Wittekind leitete das Institut für Pathologie am UKL von 1996 bis zu seiner Emeritierung im März 2019 – insgesamt 23 Jahre. In dieser Zeit formte er das Institut grundlegend: Wurden bei seinem Amtsantritt rund 18.000 Gewebeproben im Jahr begutachtet, waren es zuletzt mehr als 60.000. Obduktionsdemonstrationen wurden ergänzt durch moderne Tumorboards und Fallbesprechungen von lebenden Patient:innen, die heute rund 650-mal jährlich stattfinden. Damit entwickelte er die Pathologie von einem Fach im Hintergrund zu einem zentralen klinischen Partner – insbesondere in der Onkologie.
Weit über Leipzig hinaus bekannt wurde Prof. Wittekind durch seine maßgebliche Arbeit an der TNM-Klassifikation maligner Tumoren – dem weltweit führenden System zur Stadieneinteilung bösartiger Erkrankungen. Für diese Verdienste erhielt er bereits 2017 die Karl-Heinrich-Bauer-Medaille der Deutschen Krebsgesellschaft.
Die Rudolf-Virchow-Medaille
Die Rudolf-Virchow-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und wird alle zwei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Entwicklung der Pathologie besonders verdient gemacht haben. Benannt ist sie nach Rudolf Virchow, Begründer der modernen Pathologie und erster Präsident der DGP. Die Medaille ehrt ein Lebenswerk und zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen der deutschen Medizin.