Leipzig. Unter dem Motto „Tradition trifft Zukunft – Ausbildung gestern, heute und morgen“ begeht die Medizinischen Berufsfachschule (MBFS) an der Akademie für berufliche Qualifizierung des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) an diesem Donnerstag (25. Juni) mit einem Festakt im Schulgebäude Richterstraße ihr 75-jähriges Bestehen. Die MBFS ist damit eine der traditionsreichsten medizinischen Berufsfachschulen Sachsens. Mit derzeit rund 800 Auszubildenden in 39 Klassen, die hier in neun Gesundheitsfachberufen ihr berufliches Rüstzeug erwerben, gehört sie außerdem zu den größten Einrichtungen ihrer Art in Sachsen.
Der größte Teil der Auszubildenden – zuletzt rund 40 Prozent – absolviert die im Jahr 2020 neu eingeführte generalistische Pflegeausbildung. Diese befähigt dazu, Menschen aller Altersstufen in sämtlichen Versorgungsbereichen zu pflegen. Ausgebildet werden an der MBFS aber auch Physiotherapeut:innen, Diätassistent:innen und Krankenpflegehelfer:innen. Für Letztgenannte öffnet sich ab 2027 durch die dann bundeseinheitlich geregelte Ausbildung zur Pflegefachassistenz eine moderne, generalistische Vorstufe zur dreijährigen Fachkraftausbildung mit neuen beruflichen Möglichkeiten.
Daneben können seit Anfang 2022 an der MBFS die reformierten Berufe Anästhesietechnische:n Assistent:in (ATA) beziehungsweise Operationstechnische:n Assistent:in (OTA) erlernt werden. Ebenfalls nach einer Reform der Berufsbilder besteht seit 2023 die Möglichkeit einer Ausbildung in den Berufen Medizinische Technolog:innen für Laboratoriumsanalytik (MT-L) und Medizinische Technolog:innen für Radiologie (MT-R).
Als Besonderheit kommt der Ausbildungsberuf Orthoptist:in hinzu. Hier lernen die Auszubildenden, Patient:innen mit Störungen des ein- oder beidäugigen Sehens zu behandeln. Die MBFS ist die einzige Fachschule im Osten Deutschlands, die alle drei Jahre diesen spannenden medizinischen Fachberuf anbietet. Die nächste Klasse startet am 1. September 2026. Somit gehören die angehenden Orthoptist:innen zu den insgesamt 325 jungen Menschen, die in wenigen Wochen an der Medizinischen Berufsfachschule ins neue Ausbildungsjahr starten werden.
„Wir verstehen Ausbildung als einen dynamischen Prozess, der sich an den Bedürfnissen einer modernen Gesundheitsversorgung orientiert“, sagt Schulleiterin Jannicke Schickert. „Mit klarem Fokus auf die zunehmende Professionalisierung der einzelnen Gesundheitsfachberufe fördern wir neben fundiertem Fachwissen auch digitale Kompetenzen, interprofessionelles Arbeiten, kritisches Denken und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Unser Ziel ist es, die Fachkräfte von morgen bestmöglich auf die Herausforderungen eines sich wandelnden Gesundheitswesens vorzubereiten.“
Neben 72 Lehrkräften sorgen 32 Zentrale Praxisanleiter:innen und sechs Ausbildungskoordinator:innen für eine moderne, praxisnahe und hochwertige Ausbildung an der MBFS.
Enge Verzahnung von schulischer Theorie und medizinischer Praxis
Durch die unmittelbare Anbindung der Berufsfachschule an das Universitätsklinikum Leipzig erhalten die Auszubildenden frühzeitig Einblicke in hochspezialisierte Versorgungsbereiche und innovative Behandlungskonzepte der universitären Hochleistungsmedizin.
Ein Beispiel dafür ist das Leipziger Interdisziplinäre Ausbildungsprojekt (LIA) als fester Bestandteil des Ausbildungsprogramms am UKL. Für insgesamt vier Wochen haben hier Auszubildende der MBFS sowie Studierende auf zwei chirurgischen Stationen sowie im OP „das Zepter in der Hand“. Mit anderen Worten: Unter Aufsicht erfahrener Ärzt:innen, Pflegekräfte, Physiotherapeut:innen und Stationsapotheker:innen sind sie sowohl für die Versorgung der Patient:innen als auch für die komplette Organisation der Station zuständig.
Von der engen Verzahnung von Theorie und Praxis profitieren nicht nur die Auszubildenden selbst, sondern auch die Gesundheitsversorgung in Leipzig und der Region, denn Jahr für Jahr verlassen qualifizierte und hochmotivierte Absolvent:innen die Schule. Während traditionell ein großer Teil von ihnen – im Schnitt rund ein Drittel – am Universitätsklinikum bleibt, starten andere frisch ausgebildete medizinische Fachkräfte ihre berufliche Laufbahn in weiteren medizinischen Einrichtungen Mitteldeutschlands. Hier tragen sie dazu bei, die Patientenversorgung langfristig auf hohem Niveau sicherzustellen.
Darüber hinaus baut die MBFS ihre internationalen Ausbildungsangebote in der Pflege weiter aus: So nahmen erst Anfang März 24 Auszubildende in der zweiten internationale Teilzeitklasse ihre vierjährige Ausbildung zur Pflegefachkraft in Teilzeit auf. 18 von ihnen stammen aus Vietnam und zwei aus Namibia. Bereits in der Woche zuvor wurden 31 Absolvent:innen der regulären dreijährigen generalistischen Pflegeausbildung feierlich verabschiedet – darunter erstmals auch zwei Pflegefachkräfte aus Vietnam.
Gewachsene Tradition verbindet sich mit klarem Zukunftsanspruch
Auf dem Festakt zum Jubiläum nahmen die Redner:innen – unter ihnen Petra Köpping, Sachsens Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer Videobotschaft, und Dr. Martina Münch, Leipziger Bürgermeisterin für Soziales, Gesundheit und Vielfalt – auch Bezug auf die weit zurück reichende Geschichte der Schule: Bereits vor rund 200 Jahren wurden am damaligen Trierschen Institut, der späteren Universitätsfrauenklinik, Hebammen ausgebildet. 1914 eröffnete an der Stadtkinderklinik die erste Kinderkrankenpflegeschule. Die eigentliche Geburtsstunde der heutigen Medizinischen Berufsfachschule markiert jedoch das Jahr 1951, als die Ausbildung verschiedener Gesundheitsfachberufe in einer medizinischen Fachschule zusammengeführt wurde – seit Jahresbeginn 1990 am heutigen Standort in der Richterstraße im Leipziger Stadtteil Gohlis.
Heute verbindet die MBFS diese gewachsene Tradition mit einem klaren Zukunftsanspruch, denn die Anforderungen an Gesundheitsfachberufe verändern sich rasant. Medizinischer Fortschritt, Digitalisierung, neue Versorgungsformen und die Anforderungen des demografischen Wandels prägen zunehmend den Berufsalltag. Entsprechend entwickelt sich auch die Ausbildung kontinuierlich weiter.
„Die Medizinische Berufsfachschule ist seit Jahrzehnten ein unverzichtbarer Bestandteil der Fachkräfteentwicklung am Universitätsklinikum Leipzig und weit darüber hinaus“, bekräftigt Dr. Robert Jacob, Kaufmännischer Vorstand des UKL. „Gerade in Zeiten eines zunehmenden Fachkräftebedarfs kommt einer exzellenten Ausbildung eine Schlüsselrolle zu. Die MBFS bereitet junge Menschen nicht nur auf ihren Beruf vor, sondern befähigt sie dazu, die Gesundheitsversorgung der Zukunft aktiv mitzugestalten.“
Wie sich Gesundheitsfachberufe verändert haben und welche Perspektiven sie künftig bieten, zeigten die Auszubildenden am Tag des Jubiläums auf besondere Weise: Mit kreativen Präsentationen stellten sie ihre jeweiligen Berufe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor und machen so unmittelbar erlebbar, wie eng Tradition und Innovation an der MBFS miteinander verbunden sind.