Leipzig. Eine Krebsdiagnose verändert das Leben von einem Tag auf den anderen. Neben der medizinischen Therapie entstehen für viele Betroffene plötzlich ganz praktische Fragen: Wie gehe ich mit Nebenwirkungen um? Was muss ich bei Medikamenten beachten? Welche Unterstützung gibt es im Alltag? Um Patient:innen hier noch gezielter zu begleiten, ist am Universitären Krebszentrum Leipzig (UCCL) zum 1. Juni ein neues Beratungsangebot gestartet: die „Onkologische Pflegeberatung am UCCL“, kurz OPAL.
„Viele Betroffene stehen nach der Diagnose zunächst unter Schock“, berichtet Anke Treichel, Teamleiterin der Onkologischen Tagesklinik des Universitären Krebszentrums. „Da geht plötzlich alles sehr schnell. In der Beratung können wir die Patientinnen und Patienten noch einmal abholen und gemeinsam Schritt für Schritt schauen, was jetzt wichtig ist.“
Mehr Zeit für Fragen und Sorgen
Die neue Sprechstunde wird sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich des UCCL angeboten. Ein absolutes Novum von OPAL ist die Beratung und Begleitung von Patient:innen in der medikamentösen Tumortherapie. Willkommen sind alle Betroffenen, unabhängig davon, ob sie ihre Krebsmedikamente als Tabletten einnehmen oder die Mittel subkutan oder intramuskulär erhalten. Speziell qualifizierte Pflegekräfte kümmern sich um die zahlreichen Fragen, Sorgen und Nöte.
„Wir haben festgestellt, dass viele Patientinnen und Patienten bestimmte Fragen eher an die Pflege richten“, sagt Janet Hinniger, Advanced Practice Nurse in der Onkologie und Teil des OPAL-Teams. „Oft ist die Hemmschwelle uns Pflegekräften gegenüber niedriger als gegenüber den Ärzten und das Vertrauensverhältnis sehr eng.“
Auch Dr. Elisabeth Wetzel von der Onkologischen Tagesklinik weiß: „Manche Patientinnen und Patienten erzählen der Pflege Dinge, die sie im Arztgespräch gar nicht angesprochen haben“, sagt die Oberärztin. „Deshalb ist diese zusätzliche Betreuung so wichtig.“
In der OPAL-Sprechstunde können nicht nur medizinische Fragen besprochen werden. Oft geht es auch um Themen, an die viele zunächst gar nicht denken: Unterstützung durch die Krankenkasse, Ernährung während der Therapie oder Hilfsangebote für Angehörige. „Wir geben auch ganz praktische Tipps“, sagt Anke Treichel. „Zum Beispiel, welche Lebensmittel sich mit bestimmten Medikamenten nicht gut vertragen oder welche Unterstützungsmöglichkeiten es im Alltag gibt.“
Pflege als wichtiger Teil der Krebstherapie
Die Idee für OPAL entstand aus dem Wunsch heraus, die Expertise der onkologischen Pflege sichtbarer zu machen. „Eine Beratung durch Pflegekräfte wurde aus Sicht der Patientinnen und Patienten oft nicht als vollwertige Pflegeberatung wahrgenommen.“, schätzt Dr. Elisabeth Wetzel ein. „Dabei steckt dahinter sehr viel Fachwissen und Erfahrung.“ Nun gibt es dafür feste Sprechzeiten und eigene Räume. Im stationären Bereich werden Patient:innen aktiv angesprochen und bei Bedarf zu einem Beratungsgespräch eingeladen. Im ambulanten Bereich erfolgt die Terminvergabe über die onkologische Tagesklinik.
Unterstützung auch für Angehörige
Ein wichtiger Bestandteil des Angebots ist zudem, dass die Angehörigen einbezogen werden. Gerade im Alltag nach einer Krebsdiagnose entstehen oft Unsicherheiten und viele organisatorische Fragen. Auch der Direktor des UCCL, Prof. Dr. Florian Lordick, sieht in OPAL einen wichtigen Schritt hin zu einer Versorgung, die noch mehr auf die Patient:innen zentriert ist. Zugleich soll das Projekt dazu beitragen, die Rolle hochqualifizierter Pflegefachkräfte weiter auszubauen. „Wir sind froh, dass uns das ermöglicht wurde“, sagt Oberärztin Elisabeth Wetzel. „Die Umsetzung ist vor allem dem großen Engagement der beteiligten Pflegekräfte zu verdanken. Und nun sind wir sehr gespannt, wie das Angebot angenommen wird.“