Vortrag am UKL am 21. August klärt über Reform des deutschen Gesundheitssystems auf
Wie viele Krankenhäuser braucht es, um die Menschen in Deutschland qualitativ hochwertig und auf lange Sicht bezahlbar medizinisch zu versorgen? Diese Frage beschäftigt derzeit die Gesundheitsxpert:innen im Land. Hintergrund ist die von der Ampelkoalition Ende vergangenen Jahres auf den Weg gebrachte Krankenhausreform. Seit dem Jahreswechsel in Kraft, soll sie das deutsche Krankenhaussystem neu organisieren, indem sie für mehr Spezialisierung und eine finanzielle Entlastung der Häuser sorgt. Was die Reform für die Menschen vor Ort bedeutet, ist Thema eines Vortrags in der Reihe „Medizin für Jedermann" des Universitätsklinikum Leipzig (UKL). Darin geht PD Dr. med. Nikolaus von Dercks, Leiter des Bereichs Medizinmanagement am UKL, auf die Auswirkungen der Krankenhausreform auf die medizinische Versorgung in Leipzig und Umgebung ein.
Weitere Wege, längere Wartezeiten auf OPs, MRTs oder Facharzttermine – die Krankenhausreform und ihre Folgen bereiten vielen Menschen in Leipzig und Umgebung Sorgen. Dabei, sagt Dr. Nikolaus von Dercks vom UKL, wird sich an der medizinischen Versorgung in Sachsen eher wenig ändern. „Wir haben hier andere Voraussetzungen als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen. In Sachsen haben wir knapp 70 Krankenhäuser, in NRW mehr als 300. Wenn da zwei Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft nicht ausgelastet sind, weil sie identische Leistungen anbieten, muss man sich schon fragen, wie sinnvoll das ist."
Und genau darum geht es bei der Krankenhausreform: die bestehenden Strukturen zu überprüfen und wenn nötig neu aufzustellen – indem man Leistungen dort konzentriert, wo die beste Expertise und Ausstattung vorhanden sind. „Einen gebrochenen Unterarm, eine Blinddarmentzündung oder einen entgleisten Blutdruck kann sicher jedes Krankenhaus gut versorgen", sagt Dr. Nikolaus von Dercks, „Speiseröhrenkrebs behandeln, Stammzellen oder eine Leber transplantieren hingegen sollte spezialisierten Zentren überlassen sein."
Welches Krankenhaus welche Leistung ab Januar 2027 anbieten darf und welche nicht, entscheiden die Gesundheitsminister:innen der Länder. Dabei werden sie von Expert:innen wie Dr. Nikolaus von Dercks beraten. Als studierter Mediziner und Gesundheitsökonom bringt er nicht nur seine fachliche Expertise, sondern auch sein Wissen etwa um die Situation der ländlichen Regionen ein. Letztere seien der Knackpunkt in Sachsen. Hier gelte es, eine Lösung im Sinne der Krankenhausreform und der Menschen vor Ort zu finden. „Die Kunst des Sozialministeriums als Planungsbehörde wird sein, genau hinzuschauen – vor allem bei den kleinen Häusern auf dem flachen Land, die, auch wenn sie nicht alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen, zumeist die einzigen im Umkreis sind." Wie das gelingen kann – auch darüber wird Dr. Nikolaus von Dercks in seinem Vortrag sprechen.
Info:
Vorlesungsreihe "Medizin für Jedermann"
Thema: „Krankenhausreform – alles wird besser oder verpasste Chance?“
Donnerstag, 21.08.2025
18.30 - 19.45 Uhr
Universitätsklinikum Leipzig
Hörsaal im Haus 1
Liebigstraße 12
04103 Leipzig
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Eine Übersicht der Veranstaltungsreihe "Medizin für Jedermann" finden Sie hier.