Sie sind hier: Skip Navigation LinksKlinik und Poliklinik für Frauenheilkunde Forschung Diversität und Antidiskriminierung

​​​​​​​​​​Medizin ist unsere Berufung – und zwar für alle Menschen gleichermaßen

Um Ungleichbehandlungen und Zugangshürden in unserer gynäkologischen Gesundheitsversorgung weiter abzubauen, sind wir an der Universitätsfrauenklinik Leipzig Teil des an der Charité angesiedelten Programms „Empowerment für Diversität – Allianz für Chancengleichheit im Gesundheitswesen". ​​​​1. Steuerungskreistreffen im Dezember 2023​

Wieso braucht es dieses Projekt?

Während Migration bereits seit Jahrzehnten zu unserer globalisierten Gesellschaft gehört, haben wir unsere Gesundheitssysteme nur ungenügend daran angepasst. Einerseits ist Rassismus aufgrund des großen historischen Erbes der sogenannten “Rassentheorie" weiterhin weit verbreitet. Nicht zuletzt der Bericht des NaDiRa und der Bericht über Migration im Gesundheitswesen des Sachverständigenrates für Migration beschreiben deutliche Nachteile in der Gesundheitsversorgung von Migrant:innen und rassistisch markierten Personen, vor Allem durch systematische Zugangshürden und diskriminierendes Verhalten im Gesundheitswesen.

Aber auch queere, mehrgewichtige und arme Menschen sowie Menschen mit Behinderungen erleben regelmäßig Ausgrenzung und Stigmatisierung.

In einem Bereich, in dem hoher Zeitdruck und Personalmangel herrscht, verhindert die Notwendigkeit einer schnellen Kategorisierung und Priorisierung oft eine gesamtheitliche, personalisierte Behandlung und verstärkt das Zurückfallen auf diskriminierende Vorannahmen. 


Frau Prof. Dr Bahriye Aktaş mit einer Patientin. Copyright: Thomas Kunicke

Unser Team tut jeden Tag sein Bestes, um Patient:innen bestmöglich zu versorgen. Gerade aber weil internalisierte Diskriminierung sich besonders unter Stress in unserem Verhalten äußert, benötigen Mitarbeiter:innen des Gesundheitswesens sturkturelle Unterstützung sowie praktische Weiterbildungen,  um Diskrimierung abzubauen und diversitätssensibel und diversitätskompetent alle Patient:innen versorgen zu können. ​

Welche Maßnahmen wurden beschlossen?

  • ​​Struktur- und Bedarfsanalyse zu Sprachmittlungsmöglichkeiten​
  • Klinikinterne Übersicht über Dolmetsch-Bereitschaft aller Angestellten
  • Einführung digitaler Übersetzungsgerä​te
  • Übersetzung von Anamnesebögen und Informationsmaterial​
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  • Intensivierte Zusammenarbeit mit dem Beschwerde- und Qualitätsmanagement sowie der Gleichstellungs- und
    A​ntidiskriminierungsbeauftragten​​​
  • ​T​rainings / Workshops zum Umgang mit Sprachbarrieren
  • Workshops zum sicheren Umgang mit​ Unversicherten
  • Workshops "Antirassismus/Antidiskriminierung in der Medizin"
  • ​Weiterbildung für dolmetschende Mitarbeitende
  • Interkulturelle Veranstaltung​en
  • Forschung und Lehre: Fallvorstellungen, Wahlfach, Forschungstreffen
  • ​Ausbau der Kooperation mit der Stadt, Universität, Vereinen und Communities / Zivilbevölkerung​​​

Aus- und Weiterbildung

​Mit 30 000 Euro Förderung durch die Stiftung Mercator und 30.000 Euro Eigenbeteiligung der Klinik haben wir seit 2023 gemeinsam verschiedene Maßnahmen beschlossen und seitdem umgesetzt.

Wir haben Pflichtschulungen für alle Mitarbeiter:innen im Umgang mit Rassismus, mit Sprachbarriere, mit Unversicherten oder mit dem uns Fremd erscheinenden etabliert. Zudem wurden mehrsprachige Mitarbeitende in ihrer Rolle als Laiendolmetscherinnen geschult.

Die Weiterbildungen werden im Rahmen einer medizinischen Doktorarbeit von Anna Lena Bruse evaluiert.

Um diese Themen ebenfalls frühzeitig im Medizinstudium zu verankern, fand 2025 erstmalig das vorklinische Wahlfach "Empowerment für Diversität: Chancengleichheit und Antidiskriminierung im Gesundheitswesen" für 15 vorklinische Medizinstudierende statt. Bisher findet insbesondere Rassismus nur unzureichend Raum in der medizinischen Lehre1.

Das Wahlfach wird im Rahmen einer Doktorarbeit von Fatima Daffeh evaluiert. Für ihre Arbeit erhielt sie 2025 den Posterpreis der MGFG. ​

Abbau von Sprachbarrieren

​Um den Mehraufwand durch Sprachbarrieren sowie den Umgang von Patient:innen und Personal mit diesen sichtbar zu machen, führten wir mit Barbara Niedermaier in Zusammenarbeit mit dem Institut für Translatologie eine Bedarfsermittlung in unserer gynäkologischen Ambulanz durch.

Da professionelle Dolmetscher:innen oder auch Laiendolmetscher:innen eher selten zur Verfügung stehen, erfolgte die Anschaffung von auf künstlicher Intelligenz gestützte Übersetzungsgeräte, welche dem im Krankenhaus notwendigen Datenschutz gerecht werden können. Zudem wurden die Anamnesebögen der Ambulanz in die häufigsten Sprachen übersetzt (Englisch, Spanisch, Russisch, Arabisch). 


Die Leiterin des Sozialdienstes Frau Annette Keller und Dr. Rosa Schute-Frohlinde nutzen das neue KI-gestüzte Übersetzungsgerät zur Kommunikation mit einer Patientin. Copyright: Thomas Kunicke

Im Laufe der vergangenen zwei Jahre konnten wir uns zunehmend klinikintern vernetzen. Insbesondere mit dem Lob- und Beschwerdemanagement unter der Leitung von Frau Martin und der Antidiskriminierungsbeauftragten Frau Büchting-Jindra intensivierte sich die Zusammenarbeit. Auch der Sozialdienst unter der Leitung von Frau Keller gestaltete das Projekt aktiv mit.​

Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit

​Da die Expert:innen für Diskriminierung und Empowerment aber vornehmlich in zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Vereinen organisiert sind, bemühten wir uns um einen engen Austausch und dem Aufbau eines lokalen Netzwerks. Insbesondere kooperieren wir mit CABL e.V., NURA.Leipzig e.V., dem SFR e.V. und dem ADB e.V., aber auch TIAM e.V., der Rosalinde e.V., der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e.V. und Bellis e.V. Viele von ihnen waren bereits bei unserem öffentlichen Projektauftakt am 16.04.2024 vertreten.​

Um Gesundheitsinformationen und Vernetzung niederschwelliger erreichbar zu machen, veranstalteten wir am 28.05.2025 gemeinsam mit dem LE-REP Projekt erstmalig den Internationalen Aktionstag für Frauengesundheit. Schwerpunkt waren die Themen Endometriose, unerfüllter Kinderwunsch und Sprachmittlung im Gesundheitswesen. Während der Veranstaltung standen Simultandolmetscherinnen in vier Sprachen zur Verfügung. Im Anschluss gab es an zahlreichen Informationsständen von Vereinen und Selbstverwaltungsstrukturen Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch. 

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Wir sind zudem dankbar über die stetige Unterstützung durch die Stadt Leipzig durch die Leiterin des Gesundheitsamtes Frau Constanze Anders sowie die Sächsische Landesärztekammer inklusive des Menschenrechts- und Antirassismusbeauftragten Stephan Bialas.

Projektphase II - Wie geht es weiter?

​Wir freuen uns, dass das Projekt um weitere drei Jahre verlängert wurde. Der Fokus wird auf einer Anpassung und schließlich nachhaltigen Verankerung der Maßnahmen liegen. Bilduntertitel: Projektsteuerungskreis Phase II, von links nach rechts: Jane Strauch (Sozialdienst, Teamleitung Somatik), Eva Borchert (Hebamme), Davia Rieprecht (Kinderkrankenschwester, gynäkologische Ambulanz), Dr. Rosa Schulte-Frohlinde (Assistenzärztin, Projektkoordinatorin), Prof. Dr. Bahriye Aktaş (Klinikdirektorin, Projektleitung), Susanne Büchting-Jindra (Antidiskriminierungsbeauftragte UKL nach AGG), Tanja Götz (Psychologin Geburtsmedizin), Susann Magister (Pflegerische Leitung Geburtsmedizin). Nicht anwesend: Monty Dhanjal (Studentische Hilfskraft), Anna-Lena Bruse und Fatima Daffeh (medizinische Doktorandinnen), Johanna Martin (Abteilungsleiterin Risikomanagement und Patientensicherheit) ​

Zudem wird Monty Dhanjal im Rahmen einer medizinischen Doktorarbeit die Perspektive rassifizierter und migrantischer Patient:innen im Bereich der Gynäkologie qualitativ erfassen.

Interesse am Projekt?

Wer Interesse an Vernetzung oder Mitwirkung am Projekt hat, kann uns unter EmpowDivUFK@medizin.uni-leipzig.de kontaktieren.

Wir empfehlen zudem den Newsletter des EMPDIV Programms hier sowie die  umfangreichen kostenfreien Lehrmaterialien des EMPDIV Programms hier.


Geplante Veranstaltungen

​Am 28. Mai 2027 planen wir erneut eine öffentliche Veranstaltung zum Internationalen Aktionstag für Frauen*gesundheit. Nähere Informationen folgen hier. ​

Veröffentlichungen

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