Forschungsprojekte

Wir beschäftigen uns wissenschaftlich mit Formen und Verlauf seelischen Leidens im Zusammenhang mit der menschlichen Entwicklung (Entwicklungspsychopathologie). Unsere Forschung orientiert sich an beobachtbaren Erscheinungsformen psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter und fokussiert v.a. auf das Zusammenwirken (die Interaktion) von biologischen, sozialen und psychologischen Faktoren bei der Krankheitsentstehung.

Wissenschaftlich konzentrieren wir uns auf folgende Themengebiete:

  • Depressions- und Angststörungen im Vorschul- und Grundschulalter
  • Adipositas, Elternschaft und frühe Kindesentwicklung
  • Entwicklungsfolgen früher Erfahrungen von Vernachlässigung und Misshandlung
  • Wirkmechanismen und Outcome psychoanalytischer Eltern- Kleinkindpsychotherapie
  • Wirkmechanismen und Outcome psychoanalytischer Kurzzeittherapie im Kindesalter

AMIS

AMIS - Analyzing pathways from childhood maltreatment to internalizing symptoms and disorders in children and adolescents

Seelische Entwicklung von Kindern nach stressvollen Lebenserfahrungen

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Laufzeit zweite Förderphase: 2019 - 2023

Projektkoordinatoren: Kai von Klitzing, Dr. phil. Lars White

Wissenschaftsteam AMIS-II: Dr. phil. Lars White, Dr. phil. Jan KeilDipl.-Psych. Margerete Schött, Dipl.-Psych. Charlotte Schulz

Verbundpartner AMIS-II: Universität Siegen (Tobias Stalder), Medizinische Hochschule Hamburg (Nina Alexander), TU München,  Amt für Jugend, Familie und Bildung, Leipzig (Dr. Nicolas Tsapos), TU Dresden (Clemens Kirschbaum)

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Laufzeit erste Förderphase: 2012 - 2017 

Projektkoordinatoren: Kai von Klitzing, Dr. phil. Lars White

Wissenschaftsteam AMIS-I: Dr. phil. Lars White, Dr. rer. med. Susan Sierau,
Dr. phil. Andrea Michel, Dr. rer. nat. Anna Andreas,  Dr. phil. Jan KeilDr. phil. Annette Klein, Dipl.-Psych. Charlotte Schulz

Verbundpartner AMIS-I: TU Dresden (Clemens Kirschbaum), MPI für Psychiatrie, München (Marcus Ising), Amt für Jugend, Familie und Bildung, Leipzig (Dr. Nicolas Tsapos), Stadtjugendamt München (Maria Kurz-Adam)

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Angst und Depression im Vorschulalter

​Verlaufsformen von Angst- und Depressionsstörungen vom Vorschul- zum Grundschulalter und deren Zusammenhang mit psychosozialen und biologischen Faktoren

Projektmitarbeiter: Dr. phil. Annette Klein, Yvonne Otto, M.A.

Hintergrund: Mit 6 - 8 Prozent im Vorschulalter (Haffner et al., 2002) und 10 - 14 Prozent im Grundschulalter (BELLA-Studie) ist das Vorhandensein von ausgeprägten Angst- und Depressionssymptomen hoch. Dennoch gibt es bisher nur wenige Studien, die sich im Längsschnitt mit Verlaufsformen in diesem jungen Alter befassen. So ist wenig darüber bekannt, ob diese frühen emotionalen Symptome spätere Angst- und / oder Depressionsstörungen vorhersagen und falls ja, wie die Verlaufsdynamik ist. In unserer Studie wird eine bereits rekrutierte und im Verlauf zweimal untersuchte Stichprobe von Kindern mit emotionalen Symptomen zu einem dritten Erhebungszeitpunkt erneut untersucht und mit einer Gruppe von Kindern ohne emotionale Symptome verglichen. Ziele der Untersuchung sind:

  1. die Beschreibung von Verlaufsmustern von emotionalen Symptomen,
  2. die Identifizierung von psychosozialen, neurobiologischen und genetischen Prädiktoren für den Symptomverlauf,
  3. die Analyse des Zusammenwirkens dieser Faktoren und der moderierenden Rolle des Geschlechts, sowie
  4. die explorative Erforschung der Auswirkungen der emotionalen Symptome und Angst- / Depressionsstörungen auf Verhalten in sozialen Situationen mit Gleichaltrigen.

Die Stichprobe bestand bei der Ersterhebung aus Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren. Diese Kinder wurden im Alter von ca. 7 Jahren ein zweites Mal untersucht. Derzeit läuft die dritte Erhebung, die Kinder sind nun im Alter von 8 bis 9 Jahren. Die Erfassung von emotionalen Symptomen erfolgt zu allen drei Messzeitpunkten unter Anwendung eines Multi-Informanten-Ansatzes (Befragung von Eltern, Lehrern, Kindern). Zudem wird mit den Eltern ein standardisiertes diagnostisches Interview durchgeführt (1. und 3. Messzeitpunkt). Des Weiteren werden psychosoziale Faktoren, insbesondere das familiäre Umfeld, kritische Lebensereignisse, Beziehungen zu Gleichaltrigen und soziale Kompetenzen detailliert erfasst. Es werden Verhaltensweisen und biologische Reaktionen (z. B. Herzratenvariabilität) der Kinder in einer fiktiven sozialen Situation mit Gleichaltrigen erhoben.

Der längsschnittliche Ansatz mit drei Messzeitpunkten in der aus entwicklungspycho-logischer Sicht so wichtigen Übergangsphase vom Vorschul- ins Grundschulalter wird die Identifizierung von Störungsverlaufsmustern sowie Rückschlüsse auf die ätiologische Bedeutung biologischer, psychosozialer und genetischer Risiko- und Schutzfaktoren ermöglichen und damit eine Grundlage für die Verbesserung präventiver und therapeutischer Ansätze darstellen.

Gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 2009 - 2012, 2013 - 2016

LIFE Child Depression

​LIFE, Leipzig Interdisciplinary Research Cluster of Genetic Factors, Clinical phenotypes and Environment

LIFE wird im Forschungsverbund der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig durchgeführt. Ziel ist es, die Variabilität bei der Entstehung und dem Verlauf verschiedener Erkrankungen, darunter Depression, systematisch zu erforschen. Hierbei wird von einem Zusammenspiel von Umwelt, Lebensstil und genetischen Faktoren ausgegangen. In LIFE werden Bevölkerungsstichproben sowie krankheitsbezogene Populationen im Längsschnitt untersucht.

Innerhalb des Forschungskomplexes LIFE untersucht die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters den Verlauf emotionaler Symptome bzw. affektiver Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Dazu wird eine Stichprobe von 400 jungen Patienten (8 bis 14 Jahre) mit psychopathologischen Symptomen (z.B. depressive Verstimmungen, Ängste, Verhaltensprobleme) aufgebaut und diese sorgfältig alle 2 Jahre untersucht. Vergleiche zu nicht von diesen Symptomen betroffenen Kindern und Jugendlichen einer Bevölkerungsstichprobe (N=400) werden vorgenommen. Ziel ist es, Mechanismen aufzuklären, die die individuellen Verläufe der Psychopathologie der Patienten in das Erwachsenenalter hinein beeinflussen. Dabei werden psychosoziale Aspekte, Kognition, Neurobiologie sowie genetische Aspekte untersucht.

Gefördert durch: Mittel des Freistaats Sachsen und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung

Projektmitarbeiter: Dr. med. Mirko Döhnert, Dr. phil. Stephanie Stadelmann, Dr. phil. Andrea Michel, Dr. rer. med. Sonia Jaeger, Dipl.-Psych. Tina Matuschek, Dipl.-Psych. Madlen Grunewald, Dr. phil. Jan Keil , Dr. phil. Annette Klein, Prof. Dr. Kai von Klitzing

In Kooperation mit: Prof. Dr. Ulrich Hegerl, PD Dr. Peter Schönknecht, Prof. Dr. Wieland Kiess, Prof. Dr. Elmar Brähler

Koordinatoren des LIFE-Forschungskonzepts: Prof. Dr. Joachim Thiery, Prof. Dr. Markus Löffler

Laufzeit: seit 2010

Psychoanalytische Kurzzeittherapie (PaKT)

​Psychoanalytische Kurzzeittherapie (PaKT) zur Behandlung von depressiven Störungen für Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren ‑ Evaluation von Wirksamkeit und Anwendbarkeit in einem randomisierten Kontrollgruppendesign

Projektmitarbeiter: Dipl.-Psych. Sarah Bergmann, Dr. phil. Annette Klein, Dr. phil. Lars White, Prof. Dr. Kai von Klitzing

Psychodynamische Behandlungsansätze finden im klinischen Versorgungskontext der Kinder- und Jugendpsychiatrie breite Anwendung. Es gibt jedoch bisher nur wenige Untersuchungen, die sich mit der systematischen Evaluation der Wirksamkeit psychodynamischer Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter befassen (Windaus, 2005). Im Rahmen der Versorgung an unserer Klinik wurde das Konzept der Psychoanalytischen Kurzzeittherapie für Kinder entwickelt (PaKT; englisches Manual: Göttken & von Klitzing, 2014; deutsches Manual: Göttken & von Klitzing, 2015). Diese Therapieform basiert auf psychoanalytischen Grundsätzen und verbindet den auf die innerseelische Welt fokussierenden therapeutischen Zugang zu den Kindern mit einem konsequenten Einbezug der Eltern in den therapeutischen Prozess.

In einer vorangegangen Studie (Göttken, White, Klein, & von Klitzing, 2014) konnte die Wirksamkeit der von uns konzeptualisierten und manualisierten psychoanalytischen Kurzzeittherapie bei der Behandlung von Angststörungen nachgewiesen werden. Nach der Therapie wiesen über 66 Prozent der Kinder keine Angststörung mehr auf (nach DSM-IV, ermittelt anhand eines standardisierten Interviews), während nach der Wartezeit bei keinem Kind eine Remission auftrat. Zudem war sowohl im Eltern- als auch im Lehrerurteil ein Symptomrückgang unmittelbar nach der Therapie und im 6-Monats-Follow-up zu verzeichnen.

Ziel dieser Studie ist es, PaKT in Hinblick auf die Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern im Alter von 4 bis 8 Jahren systematisch in einem randomisierten Kontrollgruppendesign zu evaluieren. Da wir in den letzten Jahren durch die Zusammenarbeit mit Leipziger Kindergärten das Thema Depression im Vorschul- und jungem Schulalter intensiv beforscht haben (z.B. Otto et al., 2014, von Klitzing et al., 2014) und als Ergebnis dieser Forschung durchaus auf einen relevanten Anteil von Kindern mit krankheitswertigen und subklinischen Depressionssymptomen hingewiesen haben, sehen wir eine Anwendung und Evaluation der PaKT bezüglich dieses Störungsbildes als bedeutsam an.

Die PaKT umfasst 20 bis 25 psychotherapeutische Sitzungen in wechselnden Settings (Eltern-Kind, Kind alleine, Eltern alleine), in welchen ein dem Symptom zugrundeliegendes Beziehungsthema erarbeitet und bearbeitet wird. Im freien Spiel mit dem Kind werden die Konflikte des Kindes durchgearbeitet. Zudem werden mentalisierungsfördernde Techniken je nach Strukturniveau des Kindes eingesetzt. Jede vierte Stunde dient der Elternarbeit.

In der geplanten Studie wird PaKT mit insgesamt 64 Kindern mit klinisch relevanter Depression und ihren elterlichen Bezugspersonen durchgeführt. Dabei wird zum einen die Wirksamkeit von PaKT im Prä-Post-Vergleich bei 64 Kindern und zum anderen bei einer Gruppe von 32 Kindern gegenüber einer Wartelistenkontrollgruppe (n=32, randomisierte Kontrollgruppe, die nach der Wartezeit PaKT erhält) getestet. Wir wollen unsere Annahme überprüfen, dass die PaKT im Vergleich zur Wartelistenkontrollgruppe zu einer stärkeren Reduktion depressiver Symptome sowie zu einer signifikanten Abnahme von depressiven Störungen (kategorial nach DSM-5) führt. Hierbei wird es Messungen vor und nach der Therapie bzw. Wartezeit, sowie sechs Monate nach Beendigung der Therapien geben. Neben der Symptomreduktion auf dimensionaler und kategorialer Ebene werden auch Veränderungen erfasst werden, die mit den spezifischen Wirkfaktoren des Therapieansatzes PaKT in Verbindung stehen, wie beispielsweise eine Verbesserung der Mentalisierungsfähigkeit des Kindes und der Emotionalen Verfügbarkeit in der Eltern-Kind-Interaktion. Zudem werden diese Faktoren auch in Hinblick auf ihren Einfluss auf den Therapieerfolg untersucht.

Gefördert durch die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland e.V (VAKJP) sowie durch die Heidehof Stiftung GmbH

Laufzeit: 2017 - 2020

SKKIPPI

Evaluation der Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie mittels Prävalenz- und Interventionsstudien (SKKIPPI)

Evaluation of Parent-Infant-Toddler Psychotherapy via prevalence and intervention studies

Projektleitung: Prof. Dr. med. Kai von Klitzing/ Dr. med. Franziska Schlensog-Schuster

Beteiligte Wissenschaftlerinnen: Mona K. Sprengeler, Psychologin M.A., B.A./ Mirijam-Griseldis Galeris, Psychologin M.Sc.

Das Forschungsprojekt SKKIPPI möchte die integrierte psychotherpeutisch-psychiatrische Versorgung von Eltern und Kindern in den ersten Lebensjahren evaluieren. Zum einen umfasst das multizentrische (IPU Berlin, Charité Berlin, UKL Leipzig) Forschungsprojekt eine epidemiologische und zum anderen zwei randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien. Ziel ist es einerseits die Versorgungslage, also das Auftreten von psychischen Störungen der Eltern nach Geburt eines Kindes und Regulationsstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern zu erfassen, die Inanspruchnahme von Therapien sowie die Analyse des Bedarfs, Kenntnisse und Kosten, zu evaluieren. Abschließend soll die Wirksamkeit der ESKP in der ambulanten, tagesklinischen sowie stationären Behandlung verglichen zur Routinetherapie erfasst werden. Die Wirksamkeit kann, unter Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Aspekte, anhand verschiedener Kriterien gemessen werden. Beispielhaft kann am hier vorangestellt die Reduktion psychopathologischer Symptome sowie die Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung nennen. Weiterhin sehr wichtige Kriterien die organisierte Bindungsqualität, Intensität der emotionalen Verfügbarkeit von Mutter und Kind sowie die kindliche Entwicklung. Es nehmen deutschlandweit 360 Mutter-Kind-Paare teil, die auf die verschiedenen Untersuchungsgruppen verteilt werden. 120 dieser Familien werden von der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters wissenschaftlich begleitet. 

Laufzeit: 2018 - 2021

Finanzierung: Gemeinsamen Bundesausschuss Innovationsfond Versorgungsforschung

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage oder dem Projektflyer 

Abgeschlossene Projekte

​Informationen zu unseren abgeschlossenen Projekten finden Sie hier.

Liebigstr. 20a, Haus 6
04103 Leipzig
Telefon:
0341 - 97 24010
Fax:
0341 - 97 24019
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