RE:cover –Internetbasierte Therapie für Frauen nach Partnerschaftsgewalt
Das Erleben von Gewalt in Partnerschaften ist ein weit verbreitetes Phänomen, welches für Betroffene ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt. Eine Vielzahl von Studien belegen erhöhte Prävalenzen verschiedener psychischer Störungen bei Betroffenen. Seit 2019 unterscheidet die ICD-11 in diesem Bereich zwischen posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen (kPTBS). Die Ausbildung einer kPTBS scheint vor allem mit langanhaltenden oder sich wiederholenden Beziehungstraumata in Verbindung zu stehen, auch Erfahrungen häuslicher Gewalt oder Partnerschaftsgewalt werden als mögliches Ereignis in den Diagnosekriterien benannt. Spezifische Therapieprogramm zur Linderung der kPTBS bei Betroffenen von Partnerschaftsgewalt liegen im deutschsprachigen Bereich bisher nicht vor. Weiterhin erschweren personenbezogene und strukturelle Hürden eine angemessene psychotherapeutische Unterstützung von Betroffenen. Es fehlen wirksame Unterstützungsangebote, die einen niedrigschwelligen und anonymisierten Zugang bieten und räumlich-flexibel einsetzbar sind. Vor diesem Hintergrund können internetbasierte Therapien eine effektive Alternative zu konventionellen psychotherapeutischen Angeboten darstellen. Primäres Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Evaluation der ersten deutschsprachigen, therapeut*innengestützten und internetbasierten Intervention zur Reduktion komplexer posttraumatischer Belastungen bei Betroffenen von Partnerschaftsgewalt. Hierfür wurde ein eigenes Manual entwickelt, das auf die spezifischen Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten wurde und dessen Wirksamkeit untersucht werden soll.
Projektleitung im Studienzentrum Leipzig: Prof. Dr. Anette Kersting
Projektmitarbeiter: Marlene Holzhausen (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig), Julia Deller (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig), Dr. rer. nat. Julia Treml (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig)
Förderung: Roland Ernst Stiftung für Gesundheitswesen
Laufzeit: 03/2025 – 02/2027
Anhaltende Trauerstörung in der Hausarztpraxis –Wissensstand über die neue Diagnose und Umgang mit Betroffenen
Die Anhaltende Trauerstörung (ATS) wurde kürzlich als neue Diagnose in die aktuellen Klassifikationssysteme ICD-11 und DSM-5-TR aufgenommen. Sie geht für Betroffene mit erheblichen funktionalen Einschränkungen, wie beispielsweise starke Sehnsucht, emotionalen Schmerzen und Schlafstörungen einher und bedarf einer spezifischen Behandlung. Für trauernde Hinterbliebene sind Hausärzt:innen in der Regel die erste Anlaufstelle. Internationale Forschung zeigt jedoch, dass sich viele Hausärzt:innen nicht auf die Behandlung von Hinterbliebenen mit anhaltender Trauersymptomatik vorbereitet fühlen. Das Wissen bezüglich Symptomatik und Risikofaktoren der ATS ist gering oder veraltet und es bestehen Wissenslücken in Bezug auf Behandlungsmöglichkeiten.
Studien zur Lage in Deutschland fehlen bisher. Die Erfassung des Kenntnisstandes von Hausärzt:innen zum Thema ATS ist jedoch von entscheidender Bedeutung, um die Versorgung von Trauernden zu verbessern. Durch die Identifizierung von Wissenslücken können spezifische Fortbildungen entwickelt werden. Ziel des vorliegenden Projektes ist daher, den Kenntnisstand zum Thema ATS und die allgemeine Fortbildungsbereitschaft von Hausärzt:innen in Deutschland zu untersuchen. Zusätzlich soll die Patient:innenperspektive erhoben und die Bedürfnisse sowie das subjektive Erleben von trauernden Hinterbliebenen erfasst werden. Die Pilotstudie dient der Vorbereitung eines DFG-geförderten Projektes.
Die Fragestellungen werden mit Hilfe eines Mixed-Method Designs untersucht, das quantitative und qualitative Ansätze kombiniert. In Teilstudie I wird eine Umfrage mit ambulanten Hausärzt:innen durchgeführt werden. In Teilstudie II werden Interviews mit Hausärzt:innen und in Teilstudie III Fokusgruppeninterviews mit trauernden Hinterbliebenen umgesetzt. Die Ergebnisse beider Studien sollen langfristig in die Entwicklung einer Online-Fortbildung zum Thema Anhaltende Trauerstörung für in der hausärztlichen Versorgung tätige Fachärzt:innen und Ärzt:innen in Weiterbildung einfließen.
Projektleitung im Studienzentrum Leipzig: Dr. Julia Treml
Principal Investigator: Dr. Julia Treml
Projektmitarbeiter: Fiona Wilke-Imelmann
Kooperationspartner: Prof. Dr. med. Markus Bleckwenn, Direktor des Institutes für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Leipzig
Förderung: Nachwuchsförderung der Medizinischen Fakultät
Laufzeit: 02/2025 – 09/2026
Migrationsbedingte Trauer: Die ukrainische Erfahrung in Deutschland
Das Forschungsvorhaben „Migrationsbedingte Trauer bei ukrainestämmigen Personen in Deutschland“ beschäftigt sich mit Trauerprozessen von ukrainestämmigen Personen und deren Kindern in Deutschland. Es leben rund 1.2 Mio. Personen mit ukrainischem Migrationshintergrund in Deutschland. Ukrainestämmige Personen stellen damit die zweit größte Gruppe von Migrant*innen in Deutschland dar. Migration ist häufig mit einer Vielzahl an Verlusten verbunden, die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben können. Dabei können Migrant*innen als Reaktion auf multiple zwischenmenschliche, materielle und abstrakte Verluste während und nach der Migration migrationsbedingte Trauer entwickeln. Migrationsbedingte Trauer wurde bisher wenig untersucht, obwohl sie im Zusammenhang mit psychischen Störungen (z.B. Depressionen) stehen kann. In der vorliegenden Studie werden migrationsbedingte Verluste sowie migrationsbedingte Trauer von ukrainestämmigen Personen in Deutschland untersucht. Weiterhin wird ein möglicher Zusammenhang mit verschiedenen psychischen Störungsbildern und möglichen Einflussfaktoren erfasst.
Projektleitung im Studienzentrum Leipzig: Prof. Dr. Anette Kersting
Projektmitarbeiter: Dr. Sarah M. Leisterer-Peoples (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig), Dr. Katja Linde (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig), Dr. Viktoria Schmidt (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig); M.Sc. Pia M. Siegel (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig)
Laufzeit: 09/2025 – 03/2027
Care:FULL - Schutzfaktoren gegen Gewalt in der häuslichen Pflege: Eine quantitative Querschnittsstudie auf Basis des ökologischen Modells
Das Forschungsvorhaben „Care:FULL – Schutzfaktoren gegen Gewalt in der häuslichen Pflege“ beschäftigt sich mit selbstberichteter Gewaltausübung durch pflegende Angehörige im häuslichen Pflegekontext in Deutschland. Rund 80 % der pflegebedürftigen Menschen werden hierzulande zu Hause versorgt, überwiegend durch informell pflegende Angehörige, die häufig einer hohen physischen und psychischen Belastung ausgesetzt sind. In diesem Spannungsfeld kann es zu grenzüberschreitendem oder gewaltförmigem Verhalten gegenüber der gepflegten Person kommen. Während Risikofaktoren für Gewalt in der häuslichen Pflege bereits teilweise erforscht wurden, fehlt es bislang an einer differenzierten Analyse schützender Faktoren. Vor dem Hintergrund des ökologischen Modells der WHO untersucht die vorliegende quantitative Querschnittsstudie Zusammenhänge zwischen individuellen, beziehungsbezogenen, gemeinschaftlichen und gesellschaftlich-strukturellen Schutzfaktoren und der Prävalenz selbstberichteter Gewaltausübung durch pflegende Angehörige. Darüber hinaus werden potenzielle Risikofaktoren wie aktuelle psychische Belastung sowie Missbrauchs- und Vernachlässigungserfahrungen in der Kindheit erfasst. Ziel der Studie ist es, empirische Grundlagen für die Entwicklung gezielter Präventions- und Unterstützungsangebote zu schaffen, um pflegende Angehörige zu entlasten und pflegebedürftige Menschen wirksamer vor Gewalt zu schützen.
Projektleitung im Studienzentrum Leipzig: Prof. Dr. Anette Kersting
Projektmitarbeiter: Ricarda Becker (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig), Dr. med. Carolin Webelhorst, MHBA (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig), Dr. Julia Treml (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig)
Laufzeit: 06/2025 – 02/2027
TELL US – ERLEBEN VON GEWALT IN PARTNERSCHAFTEN
Sehr viele Menschen erleben im Laufe Ihres Lebens Gewalt in einer Partnerschaft – allein in Deutschland sind es fast die Hälfte der Personen ab einem Alter von 14 Jahren. Dabei gibt es verschiedene Formen von Gewalt wie physische oder sexuelle Gewalt, aber auch emotionale Gewalt. Diese Erlebnisse können z.B. die mentale Gesundheit beeinträchtigen und zu einem hohen Stresslevel bis hin zu traumatischem Stress führen.
Häufig leiden Betroffene zudem unter Gefühlen von Schuld, Scham oder Stigmatisierung aufgrund des Erlebten. Um psychosoziale Unterstützungsangebote zu verbessern, möchten wir die Betroffenenperspektive (u.a. aktuelles Befinden, Erfahrungen im bestehenden Hilfesystem) besser verstehen. Zu diesem Zweck führen wir eine anonymisierte Onlinebefragung durch. Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren aller Geschlechtsidentitäten und aller sexuellen Orientierungen, die in den letzten 12 Monaten Gewalt in einer Partnerschaft erlebt haben.
Projektleitung: Prof. Dr. Anette Kersting
Projektmitarbeiterinnen: M. Sc. Julia Deller, Dr. rer. nat. Julia Treml
Laufzeit: 01/2023 – 06/2024
Kooperationspartnerin: Dr. med. Julia Schellong, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden