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Psychiatrie und Gesellschaft - Projekte

Haltungen zu Menschen mit psychischen Krankheiten

Haltungen zu Menschen mit psychischen Krankheiten in einer sich polarisierenden Gesellschaft

Ausgrenzung und Diskriminierung sind nach wie vor für viele Menschen mit psychischen Krankheiten Realität. Dieses Stigma ist mit erhöhter Suizidgefährdung, geringerer Inanspruchnahme von Hilfen sowie mit sozialem Rückzug der Betroffenen assoziiert. Im Kontext einer allgemein spürbaren Polarisierung der öffentlichen Meinung, bspw. durch die Ablehnung politischer Korrektheit oder des Schutzes gesellschaftlicher Minderheiten, droht eine Zunahme der Stigmatisierung dieser besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppe. Ziel des Projekts ist es, die soziale Funktion von Stigmatisierung besser zu verstehen. Hierzu wird anhand einer wiederholt durchgeführten Bevölkerungsbefragung eine Trendanalyse der Einstellungen zu Menschen mit psychischen Krankheiten von 1990 bis 2020 durchgeführt. Die erhobenen Einstellungen werden sowohl in situativen als auch in einem gesellschaftlichen Kontext verortet, um so neue Ansatzpunkte für Interventionen zum Schutz dieser Bevölkerungsgruppe zu finden.

Kooperationspartner:

  • Prof. Matthias C. Angermeyer, Center for Public Mental Health, Gösing am Wagram, Österreich
  • Prof. Eva Baumann, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

Förderung:

  • Fritz-Thyssen-Stiftung (Az. 10.18.2.009SO)

Inanspruchnahme von Hilfe bei psychischen Störungen

​Wie kann die Inanspruchnahme von Hilfe bei psychischen Störungen verbessert werden? Eine quasi-experimentelle Online-Studie zur Veränderbarkeit stigmatisierender Einstellungen und intermediärer Variablen im Prozess der Inanspruchnahme

In diesem Projekt befassen wir uns mit der Bedeutung stigmatisierender Einstellungen für die Inanspruchnahme professioneller Hilfe bei unbehandelten psychischen Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung. Die Intention, Hilfe zu suchen, ist der stärkste Prädiktor für die tatsächliche Inanspruchnahme, während stigmatisierende Einstellungen vor allem Zusammenhänge zur Selbstidentifikation als psychisch krank aufwiesen. Selbstidentifikation konnte als neuralgischer Punkt des Inanspruchnahme-Prozesses identifiziert werden, als bedeutsame intermediäre Variablen stellten sich ferner Mental Health Literacy, Selbstwirksamkeit, Ursachenvorstellungen, und subjektives nosologisches Konzept sowie die bisherigen Behandlungserfahrungen und die akute Symptomschwere heraus. Nun soll die Wirkung dieser intermediären Prozessvariablen und deren Interdependenz auf den Inanspruchnahme-Prozess systematisch überprüft werden. Methodisch sollen über eine Online-Studie mittels eines multifaktoriellen randomisierten (Quasi-)Experiments gezielt die intermediären Variablen manipuliert werden, die sich adaptiv auf die Selbstidentifikation und den Inanspruchnahme-Prozess auswirken können. Dieser soll mit zwei anschließenden Follow-up-Erhebungen über einen Zeitraum von 6 Monaten nachverfolgt werden.

Kooperationspartner:

  • Prof. Dr. phil. Silke Schmidt, Dr. phil. Holger Muehlan, Dr. phil. Samuel Tomczyk, Universität Greifswald, Psychologisches Institut, Lehrstuhl Gesundheit und Prävention

Förderung:

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (SCHO 1337/4-2)

FairMediaSUCHT

Ein Leitfaden zur stigmafreien Mediendarstellung von Menschen mit Suchtkrankheiten (FairMediaSUCHT)

Suchterkrankungen zählen zu den am stärksten stigmatisierten Krankheiten. Für die Entstehung von Stereotypen, Vorurteilen und Diskriminierung von als andersartig wahrgenommenen Bevölkerungsgruppen spielen in Fällen Suchterkrankter meist negativ konnotierte mediale Darstellungen eine wichtige Rolle. Substanzbezogene Sucht wird eher als Fehlverhalten und Anzeichen persönlicher Schwäche denn als Krankheit dargestellt, was für Betroffene die Schwelle zur Inanspruchnahme von Hilfe erhöht und frühzeitige präventive Intervention erschwert. Vorhabensziel dieses Projekts ist die Erstellung eines Medienleitfadens, der Medienschaffenden konkrete, unter realistischen Arbeitsbedingungen umsetzbare Hinweise gibt, wie Menschen mit substanzgebundenen Suchtkrankheiten in den Medien darzustellen sind, dass das soziale Stigma nicht verstärkt wird, sondern die Berichterstattung im Idealfall sogar dazu beiträgt es abzubauen.

Kooperationspartner:

  • Prof. Dr. Eva Baumann, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)
  • PD Dr. Hans-Jürgen Rumpf, Zenrum für integrative Psychiatrie, Campus Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig Holstein

Förderung:

  • Bundesministerium für Gesundheit

Wahrnehmung von Menschen mit belastenden Erlebnissen

Wie Menschen belastende Erlebnisse verarbeiten wird unter anderem wesentlich von der Haltung der Öffentlichkeit und der Reaktion des sozialen Umfelds beeinflusst. Die Konfrontation mit Tabus oder Vorurteilen kann für Betroffene eine schwerwiegende zusätzliche Belastung sein und zu sozialem Rückzug und einer geringeren Inanspruchnahme von Hilfe führen. Ziel des Projektes ist, die Haltungen der Gesellschaft gegenüber Menschen mit belastenden Erlebnissen besser einschätzen zu können. Hierzu wird im Winter 2019/2020 eine bundesweite telefonische Bevölkerungsbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse sollen Hinweise zur Entwicklung eines geeigneten Umgangs mit Menschen geben, die belastenden Erlebnissen ausgesetzt waren, und die Grundlage für weiterführende Erhebungen unter Einbezug der Betroffenen- und Expertenperspektive liefern.

Werte und Einstellungen zu Menschen mit psychischer Krankheit

Zusammenhang zwischen persönlicher Werteorientierung und den Einstellungen zu Menschen mit psychischer Krankheit – Entwicklung des WESI (Wertebasiertes Stigmainventar)

Menschen mit psychischen Krankheiten können in ihrem Umfeld sowohl Unterstützung wie auch Ablehnung und Ausgrenzung erleben. Es ist gut belegt, dass die Ausgrenzung („Stigmatisierung") von Menschen mit psychischen Krankheiten die Inanspruchnahme von Hilfe erschwert, sozialen Rückzug begünstigt und sogar im Zusammenhang mit Suizidgedanken stehen kann. Wir wollen untersuchen, inwieweit persönliche Wertvorstellungen mit den Haltungen zu Menschen mit psychischen Krankheiten in Verbindung stehen. Dazu entwickeln wir einen Fragebogen, der ab 01/2020 in einer bundesweiten Onlineumfrage getestet wird. Die erhobenen Daten sollen zeigen, welche Einzelfragen sich am besten für einen entsprechenden Kurzfragebogen, das WESI (Wertebasiertes Stigmainventar) eignen, das dann in einer größeren Erhebung im Herbst diesen Jahres eingesetzt werden soll.
Die Ergebnisse werden grundlegende Erkenntnisse über unterschiedliche Haltungen zu Menschen mit psychischer Krankheit in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten liefern, und damit auch Ansatzpunkte für gezielte Interventionen aufzeigen.

Kooperationspartner:

Dr. Rita Müller-Hilmer, policy matters- Gesellschaft für Politikforschung und Politikberatung in Berlin

Semmelweisstraße 10, Haus 13
04103 Leipzig
Telefon:
0341 - 97 24530 (Chefsekretariat)
Ambulanz:
0341 - 97 24304
Fax:
0341 - 97 24539
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