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Nachruf auf Professor Dr. med. Klaus Weise (1929-2019)

Am 14.05.2019 ist Klaus Weise nach längerer Krankheit verstorben. Er war von 1973 bis 1995 Direktor der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der Universität Leipzig und Ordinarius für Psychiatrie. Für die Sozialpsychiatrie in der DDR, vor allem als Gestalter menschenwürdigeren psychiatrischen Wirkens, steht sein Name bis heute paradigmatisch.

Die Leipziger neurologisch-psychiatrische Universitätsklinik war nach ihrer Kriegszerstörung dezentral aufgeteilt in 5 über das Stadtgebiet verstreuten Gebäuden, die psychiatrische Abteilung weitab im ältesten Haus der klassisch-patriarchalisch geführten Heil-und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen. Die Stationen waren verschlossen, die Fenster vergittert, die Kranken wurden in großen Schlafsälen verwahrt, die Therapie wurde angeordnet. Dies war die Psychiatrie, mit der Weise in den 1950er-Jahren konfrontiert wurde.

Er wollte etwas anderes und knüpfte an phänomenologische und anthropologische Konzepte sowie die Daseinsanalyse an. Der lebenslang überzeugte Marxist Weise interpretierte psychopathologische Phänomene nicht nur als Krankheitssymptome und allein Ausdruck neuronaler Störungen. Für ihn war die psychosoziale Sicht die wichtigere, die die Subjektivität auch des kranken Menschen im lebensgeschichtlichen Kontext suchte. Humanistische  Psychotherapie sollte somit die Basis aller Behandlungen sein. Als psychiatrischer Oberarzt und Direktor baute er entsprechend die eigene Klinik nach humanen und rehabilitativen Grundsätzen um. Mit der Fertigstellung des Bettenhauses erfolgte 1985 die Rückkehr des stationären und tagesklinischen Bereiches aus dem als Provisorium gedachten, heruntergekommenen Dösener Anstaltsgebäude in das klinische Viertel. Weise konnte gerührt erstmals miterleben, dass in Leipzig psychisch und körperlich Kranke die gleichen Klinikeingänge nutzten.

Doch über die eigene Klinik hinaus wirkte er auf die heute noch oft deutschlandweit als mustergültig angesehene extramurale, gemeindenahe psychiatrische Versorgung der Stadt Leipzig ein. Federführend organisierte er die sektorpsychiatrische Pflichtversorgung und die Universitätsklinik begann 1976 die regionale Pflichtversorgung für Leipzig-Süd  mit 110.000 Einwohnern in Kooperation mit der multiprofessionell besetzten Nervenabteilung der Stadtbezirkspoliklinik. Wenn möglich ambulant begleitet und so, dass der psychisch kranke Mensch über sich selbst bestimmt, soll ihm vonseiten des professionellen Therapeuten begegnet werden.  

Wegbegleiter sprechen noch immer voller Respekt und Warmherzigkeit von ihrem ehemaligen Kollegen, Chef und Lehrer, der ihnen stets als eine beeindruckend bescheiden gebliebene Persönlichkeit gegenüber getreten war.

Bildquelle: Klaus Weise
Quelle: Archiv für Leipziger Psychiatriegeschichte, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig

 

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