Health related long-term Consequences of SED-Injustice: Stigmatization Processes
Forschungsgruppe Epidemiologie – Risikofaktoren und Outcomes
Research Group Epidemiology – Risk Factors and Outcomes
Projektleitung: Prof. Dr. Schomerus (Georg.Schomerus@medizin.uni-leipzig.de)
Ansprechpartner: M. Sc. Psych. Tobias Schott, M. Sc. Psych. Anne Weiß, Philipp Laue
Projektbeschreibung: Als Teil des länderübergreifenden Forschungsverbundes „Gesundheitliche Langzeitfolgen von SED-Unrecht" werden am Standort Leipzig die möglicherweise bis in die Gegenwart anhaltenden Stigmatisierungsprozesse erforscht, die Betroffene von SED-Unrecht erleben.
In Form von halbstrukturierten Interviews mit Betroffenen wird untersucht, ob diese aufgrund ihrer Unrechtserfahrung bis in die Gegenwart hinein stigmatisiert werden, d. h. mit bestimmten Eigenschaften in Verbindung gebracht werden, Vorurteilen ausgesetzt sind, Ausgrenzung oder auch Diskriminierung erfahren. Dabei sollen die möglichen Kontexte, individuelle Folgen für die Betroffenen sowie deren Bewältigungsformen ergründet werden.
Mit Hilfe einer Befragung des professionellen Hilfesystems soll erforscht werden, inwiefern Betroffene von SED-Unrecht in der ambulanten und stationären Versorgung Behandlungsangebote in Anspruch nehmen, um den allgemeinen Bedarf innerhalb der Versorgung zu erfassen. Dabei soll der Fokus u. a. auf mögliche Barrieren und Vorbehalte gelegt werden, die eine Behandlungsaufnahme erschweren können, damit eine bedarfsgerechte Versorgung ermöglicht werden kann. Darüber hinaus soll ebenfalls erfasst werden, wie gut sich Behandler:innen über die Thematik informiert und für eine mögliche Behandlung vorbereitet fühlen, damit angepasste Weiterbildungsmöglichkeiten abgeleitet werden können. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll ein Stigma-sensitives Modul zu „DDR-Unrecht in der Versorgung" u. a. für die curriculare Weiterbildung entwickelt werden.
Teil der SED-Politik sah vor, dass vieles im Verborgenen stattfand und teilweise keine vollständige Dokumentation über Geschehnisse vorliegt. Menschen die Unrecht durch die SED-Politik erfahren haben, stehen häufig vor dem Problem, dass ihnen das widerfahrene Unrecht möglicherweise nicht geglaubt oder die Erfahrungen angezweifelt werden. Dies führt nicht selten zu Miss- und Unverständnis sowie Ausgrenzungen. Uns interessiert im Rahmen dieses Forschungsprojekts was Menschen bundesweit über SED-Unrechtserfahrungen wissen, wie sie mit Betroffenen umgehen und ihnen begegnen. Dazu werden wir eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchführen und aus den Ergebnissen einen Leitfaden zur Entstigmatisierung und Wissensvermittlung entwickeln.
Seit Juli 2024 wird das
Projekt mit dem Ziel der Implementierung der Ergebnisse des Forschungsverbundes
fortgeführt. Am Standort Leipzig wird insbesondere die Erstellung von
Informationsmaterial für die Allgemeinbevölkerung in Form einer umfassenden
Informationsbroschüre, von Flyern u.ä. sowie eine Kooperation mit Online- und
Print-Medien zur Dissemination der Erkenntnisse angestrebt.
Laufzeit: 1. Juli 2021 bis 30. Juni 2025
Website: www.sed-gesundheitsfolgen.de
Förderung: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)