Renale Denervation
Hintergrund der Wirksamkeit
Die Nieren spielen eine zentrale Rolle bei der Blutdruckregulation. Bei erhöhter sympathischer Aktivität setzen sie Substanzen wie Renin und Noradrenalin frei, die den Blutdruck erhöhen.
Die renale Denervation ist ein kathetergestütztes Verfahren zur Behandlung von schwer einstellbarem Bluthochdruck. Dabei werden um die Nierenarterien verlaufende Nervenbahnen des sympathischen Nervensystems unterbrochen, um die blutdrucksteigernde Aktivität der Nieren zu verringern. Zum Einsatz kommt in unserer Klinik die Radiofrequenzablation.
Ablauf des Eingriffs
Nach örtlicher Betäubung wird ultraschallkontrolliert die Leistenarterie (A. femoralis comm.) punktiert und eine Schleuse in das Gefäß vorgebracht. Über diese wird ein Katheter (kleiner Plastikschlauch) im Gefäßsystem durch die Bauchschlagader bis in die Nierenarterie vorgeschoben und die Nierengefäße dargestellt. Sind diese für eine Ablation geeignet, wird der Ablationskatheter eingewechselt, und die Elektrodenpole des Katheters werden an der Wand der Nierenarterie positioniert. Unter Vollnarkose (Schlafzustand, Patient/Patientin atmet selbst) wird über einen Generator hochfrequente Energie gezielt abgegeben, die das Gewebe rund um die Nierenarterie erreicht und die Nervenfasern unterbricht. Der Vorgang wird abhängig von Anzahl und Größe der Nierenarterienäste mehrfach wiederholt und in gleicher Weise an der Nierenarterie der gegenüberliegenden Seite durchgeführt. Insgesamt dauert der Eingriff ca. 60 min; der stationäre Aufenthalt ist für 1 Tag/Übernachtung vorgesehen.
Der vollständige Effekt der Behandlung tritt nach einigen Tagen bis Wochen ein. Es ist notwendig, die bisherige medikamentöse Therapie fortzuführen. Über eine Änderung wird nach ca. 3 Monaten in der ambulanten Nachsorge entschieden.
Indikationen
- Therapieresistente arterielle Hypertonie: Praxis-Blutdruck ≥ 140/90 mmHg und 24-Stunden-Langzeit-Blutdruck ≥ 130 mmHg systolisch unter ≥ 3 leitliniengerechten antihypertensiven Medikamenten
inklusive eines Diuretikums (meist ACE-Hemmer/AT1-Blocker + Calciumkanalblocker + Diuretikum; zudem empfehlen wir, dass ein Therapieversuch mit Spironolacton erfolgt sein sollte)
- eGFR ≥ 40 ml/min/1,73 m²
- weitere Indikationen:
- Unverträglichkeit gegenüber Antihypertensiva
- Hohes kardiovaskuläres Risiko, v. a. mit blutdruck-bedingten Organschädigungen
- Behandelte sekundäre Hypertonieformen, die weiterhin zu hohe Blutdruckwerte aufweisen
Die renale Denervation wird nicht empfohlen bei Patientinnen und Patienten
- mit unbehandelter arterieller Hypertonie als Erstbehandlung bei Bluthochdruck
- die nierentransplantiert sind
- die eine stark einschränkte Nierenfunktion mit GFR < 40 ml/min/1,73 m² haben (hier ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung möglich)
- die dialysepflichtig sind
- mit fibromuskulärer Dysplasie
Voraussetzungen:
- Ausschluss oder optimale Behandlung sekundärer Hypertonieformen, insbesondere primärer Hyperaldosteronismus (Bestimmung des ARQ), Nierenarterienstenosen (Duplexsonographie) und Schlafapnoesyndrom (Somnographie).
- Regelmäßige Einnahme der blutdrucksenkenden Medikamente lt. Medikationsplan
Terminvereinbarung zur Renalen Denervation
- Tel. 0341-97-12636 zur Vereinbarung eines Termines in unserer Hypertoniesprechstunde;
Wenn die Voraussetzungen für eine renale Denervation erfüllt sind, erfolgt eine Terminvergabe zur stationären Aufnahme (i.d.R. eine Übernachtung) zur renalen Denervation durch uns. - Wenn ambulant bereits eine ausführliche Hypertonie-Diagnostik erfolgte, können Sie uns die Befunde und den Medikationsplan zur Vereinbarung eines stationären Aufnahmetermins zur renalen Denervation schicken per E-Mail an kardiologie@medizin.uni-leipzig.de oder per Fax 0341-97-12659.