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Das Blut

Blut ist eine Körperflüssigkeit, die oft auch als „flüssiges Gewebe", oder „flüssiges Organ" bezeichnet wird. Bis heute lässt es sich nicht künstlich herstellen.
Doch woraus besteht Blut eigentlich, welche Funktionen hat es im menschlichen Körper und wie war das noch mit den Blutgruppen und dem Rhesus-Faktor? Nachstehend haben wir die wesentlichen Informationen rund um den "roten Lebenssaft" einmal zusammengefasst.

Blut und seine Bestandteile

Im menschlichen Körper macht Blut etwa acht Prozent des Gesamtkörpergewichts aus. Während das Herz in einem abgeschlossenen System pro Minute ungefähr sechs Liter durch den Körper pumpt, laufen unzählige Prozesse ab, die den Organismus am Leben halten. Das Herz befindet sich hinter dem Brustbein zentral im Körper und besteht aus spezialisiertem Muskelgewebe, dessen stetige Kontraktion wir als Herzschlag wahrnehmen. Dieser wird ausgelöst von einem elektrischen Reiz, welcher von einer Zellgruppe im oberen Bereich des rechten Vorhofs stammt (Sinusknoten). Die im Herzen vorhandenen Klappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung gepumpt wird.

Bei Säugetieren besteht das Herz aus zwei Hälften aus zwei hintereinander geschalteten Pumpen. Während die linke das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge durch den gesamten Körper befördert, sorgt die rechte Hälfte dafür, dass das kohlendioxidreiche Blut zurück in die Lunge fließt und erneut Sauerstoff aufnehmen kann. Dieser Vorgang wird je nach Puls ca. 70 Mal pro Minute wiederholt.

Zusammensetzung des Blutes

Obwohl frisches Blut auf den ersten Blick flüssig wirkt, enthält es in jedem Mikroliter mehrere Millionen feste Teilchen - die Blutzellen. Der Anteil der zellulären Bestandteile des Blutes wird Hämatokrit genannt und variiert je nach Geschlecht und Entwicklungsphase eines heranwachsenden Menschen.

Das Blut wird in folgende Bestandteile unterteilt:

  • Blutzellen wie Erythrozyten, Thrombozyten, Leukozyten Erythrozyten: Die roten Blutkörperchen sind vor allem für den Sauerstofftransport von großer Bedeutung.
  • Thrombozyten: Die kleinsten, kernlosen Zellen dienen hauptsächlich der Blutgerinnung und Blutstillung.
  • Leukozyten: Obwohl die weißen Blutkörperchen am seltensten im Blut vorhanden sind, ist ihr in der Immunabwehr angesiedelter Aufgabenbereich ebenso wichtig. 
  • Blutplasma: Die proteinreiche, leicht gelbliche Flüssigkeit dient u. a. als Transportmedium für die festen Bestandteile. 

Die Blutgruppen

​Karl Landsteiner stellte 1900 beim Vermengen von Blut zweier Menschen fest, dass es häufig zu einer starken Verklumpung kam. Ein Jahr später konnte er diesen Vorgang auch bei Vermischung von Erythrozyten und Plasma zweier Menschen nachweisen. So gelang es ihm, drei verschiedene Blutgruppen zu klassifizieren: A, B und 0 (die er noch C nannte). Die Blutgruppe AB entdeckten zwei seiner Kollegen wenig später.

Heute wissen wir, dass Menschen entsprechend ihrer Blutgruppen Antikörper bilden - und zwar immer gegensätzlich zu ihren Antigenen: Wer Blutgruppe A hat, wird Antikörper gegen das B-Antigen bilden, bei Blutgruppe B gegen das A-Antigen. Menschen mit der Blutgruppe AB haben keine Antikörper gegen die Antigene A oder B; Menschen mit der Blutgruppe 0 bilden Antikörper gegen beide.

Blutgruppe​Antigene​Antikörper
​Null (0)​keine​gegen A und B
​A​A​gegen B
​BB​gegen A
​AB​A und B​keine


Das AB0-System der Blutgruppen

Grundlage für die Unterscheidung der Blutgruppen ist auch heute noch das AB0-System, welches 1901 von Karl Landsteiner aufgestellt wurde. Folgende Begriffserläuterungen sind hilfreich, um zu verstehen, welche Rolle die Blutgruppen bei der Blutübertragung spielen.

Antigene sind chemische Verbindungen, die groß genug sind um von unseren Immunzellen erkannt zu werden. Jede Zelle unseres Körpers hat an ihrer Oberfläche solche Antigene. Diese dienen als Schutz vor dem eigenen Immunsystem, sozusagen als "Ausweis" der Zelle. Da es nicht nur körpereigene Antigene gibt, haben unsere Immunzellen die Fähigkeit, körpereigene von körperfremden Antigenen (z.B. Viruspartikel oder zerstörte Bakterien) zu unterscheiden.

Erkennen unsere Abwehrzellen ein fremdes Antigen, bilden sie dagegen sogenannte Antikörper. Diese binden die eingedrungenen Mikroorganismen, welche mit dieser Markierung durch das Immunsystem einfacher beseitigt werden können.

Das Immunsystem schützt also den Körper, indem es fremde von eigenen Antigenen unterscheidet und entsprechende Antikörper bildet.

Der Rhesusfaktor

Landsteiner entdeckte 1940 zusammen mit Alexander Wiener ein weiteres Merkmal der Blutgruppen: Den Rhesusfaktor.

Inzwischen kennt man nicht nur einen Faktor, sondern ein ganzes „Rhesussystem" von Antigenen. In der Transfusionsmedizin spielt vor allem das Antigen D eine Rolle, da dieses fast immer die Bildung von Antikörpern hervorruft. Ist ein Mensch Rhesus-positiv, trägt er das D-Antigen auf seinen Erythrozyten. Neben der Bezeichnung Rhesus-positiv kann ebenso „D-positiv" oder „D-negativ" gewählt werden. In Mitteleuropa sind ca. 85 von 100 Menschen Rhesus-positiv, diese Zahl variiert weltweit jedoch sehr stark und wird heute auch als Indikator für die genetische Distanz von Völkern verwendet.

Wussten Sie schon?

Folgenschwere Auswirkungen kann der Rhesusfaktor vor allem bei Schwangerschaften haben: Ist eine rhesus-negative Frau mit einem rhesus-positiven Kind schwanger, kann während der Geburt rhesus-positives Blut in den Kreislauf der Mutter gelangen. Wie nach einer Impfung ist sie somit gegen das Rhesus-Antigen immunisiert und bildet Anti-D-Antikörper. Bei der nächsten Schwangerschaft ist dann Vorsicht geboten: Wenn das Kind erneut rhesus-positiv ist, besteht die Gefahr, dass Anti-D-Antikörper in den kindlichen Blutkreislauf gelangen und dessen lebensnotwendige Erythrozyten zerstören.

Abwenden lässt sich dies, indem man die Immunisierung der Mutter verhindert: Man gibt der Mutter unmittelbar nach der Geburt eines rhesus-positiven Kindes spezielle Anti-D-Antikörper, welche zum einen die Rhesusfaktoren blockieren und zum anderen die für ein weiteres rhesus-positives Kind gefährliche Immunisierung der Mutter verhindern.

Blutgruppenkompatibilität

blood-1968458_1280.pngOb zwei Blutgruppen miteinander kompatibel, also verträglich sind, hängt hauptsächlich vom Rhesus- und vom ABO-System ab. Dabei muss man bei der Übertragung der verschiedenen Blutbestandteile wichtige Unterschiede beachten. Bei der Transfusion von roten Blutzellen (Erythrozytenkonzentrate) ist die Blutgruppe 0 - (Null, rhesus-negativ) Universalspender: diese Blutgruppe enthält keine Antigene, die mit eventuell vorhandene Antikörpern des Empfängerblutes reagieren können. Patienten der Blutgruppe AB+ (rhesus-positiv) sind wiederum Universalempfänger: Sie bilden weder gegen die Antigene AB noch gegen das Rhesus-Antigen Antikörper, weil diese Antigene als körpereigen erkannt werden.

Überträgt man hingegen Plasma, kehren sich Universalempfänger und -spender um: Patienten mit der Blutgruppe 0 können jedes Plasma bekommen: Selbst die Antikörper, die gegen A-, B- oder Rh-Antigene gerichtet sind, können kein Antigen finden, um damit zu reagieren. Somit sind Patienten mit 0 also Universalempfänger für Plasma. Patienten der Blutgruppe AB+ können demnach universal spenden: Ihr Plasma enthält keine Antikörper gegen die relevanten Antigene des Empfängerblutes.

​Plasmaspende​A**​B**​AB**​0 (Null)**
​A*POOP
​B*OPOP
AB*PPPP
​0 (Null)*OOOP

*Spender, **Empfänger

​ErythrozytenA**​B**AB**0 (Null)**
​A*POPO
​B*OPPO
AB*OOPO
​0 (Null)*PPPP

*Spender, **Empfänger

Funktionen des Blutes

  • Transportfunktion: Das Blut transportiert hauptsächlich Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen hin und sorgt für den Abtransport von Stoffwechselendprodukten, Kohlenstoffdioxid oder Harnstoff. Zudem werden Hormone und andere Wirkstoffe befördert.
  • Abwehrfunktion: Blut ist Teil des Immunsystems und erfüllt vor allem durch die enthaltenen Thrombozyten und Leukozyten zahlreiche Aufgaben in der Immunabwehr. Darunter zählen u. a. die direkte Abwehr von krankheitserregenden Mikroorganismen sowie die Wundversorgung bei Verletzungen (Blutstillung und -gerinnung).
  • Thermoregulation: Um die Körperwärme konstant zu halten, transportiert das Blut auch Wärme. Durch diese Zirkulation wird gewährleistet, dass ständig eine Temperatur von etwa 36,5 °C herrscht.
  • Atmungsfunktion: Das Blut befördert den in der Lunge aufgenommenen Sauerstoff in die Zellen des Körpers und sorgt für den Rücktransport des Kohlenstoffdioxids in die Lunge.
  • Blutstillung und -gerinnung: Der als Hämostase bezeichnete Prozess schützt den Körper vor Blutungen.
  • Spülfunktion: Schadstoffe und Abfallprodukte werden zu den jeweiligen Ausscheidungsorganen befördert.
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