+++ Leitlinien-Update online: Pressemitteilung DGPPN (15.12.2025) +++
Leitlinien sind systematisch entwickelte Empfehlungen, die Ärzten, anderen Gesundheitsfachberufen sowie Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen helfen, fundierte Entscheidungen bei spezifischen Gesundheitsproblemen zu treffen. Sie dienen als wichtige Instrumente zur Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen und zielen darauf ab, die medizinische Versorgung durch die Bereitstellung aktuellen Wissens zu verbessern. Leitlinien werden in Deutschland nach dem Regelwerk der AWMF, dem Netzwerk der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, in vier Entwicklungsstufen von S1 bis S3 entwickelt und klassifiziert, wobei S3 die höchste Qualitätsstufe der Entwicklungsmethodik ist.
Ende 2012 hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psycho-somatik und Nervenheilkunde (DGPPN) die erste Auflage der evidenz-basierten Konsensus Leitlinie (S3 Leitlinie) „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen" veröffentlicht. 
Psychosoziale Therapien sind neben somatischen und psychotherapeutischen Therapieverfahren eine wichtige Säule in der Behandlung schwer psychisch kranker Menschen. Hauptmerkmal dieser Leitlinie ist der diagnoseübergreifende Ansatz. Die Zielgruppe – Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen – ist definiert durch eine Krankheitsdauer von mehr als zwei Jahren und erhebliche Beeinträchtigungen der psychosozialen Funktionsfähigkeit und einen komplexen Hilfebedarf.
Die Behandlungsleitlinie wird zusätzlich zur Langversion ergänzt durch zahlreiche Produkte zur Verbreitung der Leitlinie und des Wissens über Psychosoziale Therapien (siehe auch Leitlinien - Publikationen - DGPPN):

Bis Ende 2024 wird nun unter Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Wirksamkeit psychosozialer Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen eine 3. Auflage entwickelt. In diesem Update erfolgt die Systematisierung entlang eines Recovery-orientierten Modells der psychosozialen Versorgung. Die einzelnen Interventionen können hinsichtlich ihrer Zielrichtung dabei in fünf großen Bereichen verortet werden: Beschäftigung und berufliche Teilhabe, soziale und kulturelle Teilhabe, Behandlung und deren Koordination, Gesundheitskompetenz und Selbsthilfe sowie Gesundheit und Wohlergehen.

Ein vollkommen neuer Aspekt bei der aktuellen Überarbeitung der Leitlinie ist der systematische Einbezug von Angehörigen und Betroffenen in die Leitlinienarbeit. Um die durchgehende, prozessbegleitende Mitarbeit von Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen im Prozess der Leitlinienerstellung sicherzustellen, wurde eine „Arbeitsgruppe Impuls" etabliert. Die Arbeitsgruppe mit zwölf Vertretern aus dem Kreis der Angehörigen und Betroffenen steht in intensivem Austausch untereinander und mit der Leitlinien-Projektgruppe und begleitet den gesamten Prozess des Updates der S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen. Sie ist damit Vorreiter für den Einbezug von Betroffenen und Angehörigen in der gesamten Leitlinienwelt.
Die dritte aktualisierte Auflage der S3 Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen wird voraussichtlich Ende des Jahres 2024 erscheinen.
Beteiligte Expertinnen und Experten (3.Auflage)
Konsensusgruppe (3.Auflage)
AG Impuls (3. Auflage)
Leitlinienprojektgruppe:
Dr. rer. med. Uta Gühne; Prof. Dr. med. Thomas Becker, Dr. Dr. Stefan Weinmann und Prof. Dr. med. Steffi Riedel-Heller, MPH
Projektverantwortliche Ansprechpartnerinnen:
Dr. rer.med. Uta Gühne (uta.guehne@medizin.uni-leipzig.de)
Prof. Dr. med. Steffi G. Riedel-Heller, MPH
Leitlinien-Sekretariat
Antje Kramer
Tel.: +49 (0)341/9724560
Info-Leitlinie-PsychosozialeTherapien@medizin.uni-leipzig.de
Wissenschaftliche Publikationen zum Leitlinienprozess
Gühne U, Daszkowski J, Desch M, Weinmann S, Riedel-Heller SG, Becker T; AG Impuls. Einbindung von Betroffenen- und Angehörigenvertreter:innen in Leitlinienprozesse : S3-Leitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen" geht neue Wege. Nervenarzt 2025; 96 (1):66-73. doi: 10.1007/s00115-024-01760-z
Breilmann J, Allgower A, Kilian R, Gühne U, Riedel-Heller SG, Hasan A, Becker T, Falkai P, Ajayi K, Brieger P, Frasch K, Halms T, Heres S, Jager M, Kuthmann A, Putzhammer A, Schneeweis B, Schwarz M, Kosters K. Bedarfe von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Nervenarzt 2025. Doi: 10.1007/s00115-025-01835-5
Lamp N, Breilmann J, Becker T, Allgöwer A, Kilian R, Gühne U, Riedel-Heller SG, Hasan A, Falkai P, Ajayi K, Brieger P, Frasch K, Heres S, Jäger M, Küthmann A, Putzhammer A, Schneeweiß B, Schwarz M, Kösters M. Wohnsituation von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Psychiat Prax 2025; 52 (2): 80-88 doi: 10.1055/a-2419-7254
Richter D, Breilmann J, Becker T, Allgöwer A, Kilian R, Hasan A, Falkai P, Ajayi K, Halms T, Brieger P, Frasch K, Heres S, Jäger M, Küthmann A, Putzhammer A, Riedel-Heller SG, Schneeweiß B, Schwarz M, Kösters M, Gühne U. Selbsthilfeangebote für Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung – wer nutzt welches Format? Nervenarzt 2025; 96(1): 57-65. doi: 10.1007/s00115-024-01749-8
Schladitz K, Weitzel EC, Löbner M, Soltmann B, Jessen F, Schmitt J, Pfennig A, Riedel-Heller SG, Gühne U. Wie gelingt die Einbindung von Betroffenen- und Angehörigenvertreter:innen in die Entwicklung von evidenz- und konsensbasierten Behandlungsleitlinien? Ergebnisse einer Umfrage im Fachbereich Psychiatrie. Psychiat Prax. 2024; 51(4):195-201. doi: 10.1055/a-2201-7987
Fritz S, Kösters M, Allgöwer A, Becker T, Kilian R, Gühne U, Riedel-Heller SG, Hasan A, Falkai P, Ajayi K, Baumgärtner J, Brieger P, Frasch K, Heres S, Jäger M, Küthmann A, Putzhammer A, Schneeweiß B, Schwarz M, Breilmann J. Einfluss von Leitlinienempfehlungen, Versorgungsstrukturen und individuellen Faktoren auf die Inanspruchnahme von psychosozialen Therapien bei schwer psychisch kranken Menschen. Psychiat Prax. 2024; 51(3):129-138. doi: 10.1055/a-2133-3527
Soltmann B, Lange T, Deckert S, Riedel-Heller SG, Gühne U, Jessen F, Bauer M, Schmitt J, Pfennig A. Konzepte zur Unterstützung dynamischer Aktualisierungsprozesse von Leitlinien und ihre Implementierung in der Praxis– systematische Literaturrecherche. Nervenarzt. 2023; 94(7):594-601. doi: 10.1007/s00115-023-01505-4
Pfennig A, Soltmann B, Riedel-Heller SG, Gühne U, Jessen F, Bauer M, Schmitt J. Herausforderungen und aktuelle Ansätze der Entwicklung psychiatrischer Living Guidelines in Deutschland. Nervenarzt. 2023; 94(7):587-593.. doi: 10.1007/s00115-023-01504-5
Gühne U, Weitzel EC, Schladitz K, Löbner M, Soltmann B, Jessen F, Schmitt J, Pfennig A, Riedel-Heller SG. Erwartungen der Leitlinienentwickler*innen an „living guidelines". Nervenarzt. 2023; 94(7):602-608. doi: 10.1007/s00115-023-01476-6
Richter D, Riedel-Heller S, Breilmann J, Hasan A, Falkai P, Kilian R, Allgoewer A, Ajayi K, Baumgaertner J, Brieger P, Frasch K, Heres S, Jäger M, Küthmann A, Putzhammer A, Schneeweiß B, Schwarz M, Becker T, Kösters M, Gühne U. Der subjektive Stellenwert von Bewegungs- und Sporttherapie bei Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung in Deutschland. Fortschr Neurol Psychiatr. 2023; 91(5):191-198. doi: 10.1055/a-1854-5174
Schladitz K, Weitzel EC, Löbner M, Soltmann B, Jessen F, Schmitt J, Pfennig, A, Riedel-Heller SG, Gühne U. Demands on Health Information and Clinical Practice Guidelines for Patients from the Perspective of Adults with Mental Illness and Family Members: A Qualitative Study with In-Depth Interviews. Int J Environ Res Public Health. 20221; 19(21):14262. doi: 10.3390/ijerph192114262
Gühne U, Weinmann S, Becker T, Riedel-Heller SG. Das Recovery-orientierte Modell der psychosozialen Versorgung. Psychiat Prax. 2022 ; 49(5):234-236. doi: 10.1055/a-1809-8461
Gühne U, Richter D, Breilmann J, Täumer E, Falkai P, Kilian R, Allgöwer A, Ajayi K, Baumgärtner J, Brieger P, Frasch K, Heres S, Jäger M, Küthmann A, Putzhammer A, Schneeweiß B, Schwarz M, Becker T, Kösters M, Riedel-Heller SG. Genesungsbegleitung: Inanspruchnahme und Nutzenbewertung aus Betroffenenperspektive. Ergebnisse einer Beobachtungsstudie. Psychother Psychosom Med Psychol 2021; 71(12): 499-507. doi: 10.1055/a-1667-9966
Gühne U, Pabst A, Löbner M, Breilmann J, Hasan A, Falkai P, Kilian R, Allgöwer A, Ajayi K, Baumgärtner J, Brieger P, Frasch K, Heres S, Jäger M, Küthmann A, Putzhammer A, Schneeweiß B, Schwarz M, Becker T, Kösters M, Riedel-Heller SG. Employment status and desire for work in severe mental illness: results from an observational, cross-sectional study. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2021;56(9): 1657-1667. doi: 10.1007/s00127-021-02088-8
Gühne U, Riedel-Heller SG. Möglichkeiten in der Behandlung von schwer psychisch kranken Menschen mit psychosozialen Therapien. Neurotransmitter 2021; 32: 46-53
Gühne U, Weinmann S, Becker T, Riedel-Heller SG. Psychosoziale Therapien in der Psychiatrie : Update der DGPPN-S3-Leitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen". Nervenarzt. 2020; 91(11):993-1002. doi: 10.1007/s00115-020-00955-4
Gühne U, Weinmann S, Riedel-Heller SG, Becker T. Psychosocial therapies in severe mental illness: update on evidence and recommendations. Curr Opin Psychiatry. 2020; 33(4):414-421. doi: 10.1097/YCO.0000000000000618
Breilmann J, Kilian R, Riedel-Heller SG, Gühne U, Hasan A, Falkai P, Allgöwer A, Muche R, Becker T, Ajayi K, Brieger P, Frasch K, Heres S, Jäger M, Küthmann A, Putzhammer A, Schmauß M, Schneeweiß B, Schwarz M, Kösters M. Implementation of the patient version of the evidence-based (S3) guideline for psychosocial interventions for patients with severe mental illness (IMPPETUS): study protocol for a cluster randomised controlled trial. Trials. 2020 18;21(1): 275. doi: 10.1186/s13063-020-4200-z
Breilmann J, Müller-Stierlin A, Gühne U, Kilian R, Becker T, Kösters M. Gewichtsmanagement bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Ernährungs Umschau 2020; M100-M107
Gühne U, Weinmann S, Becker T, Riedel-Heller SG. Aktualisierte DGPPN-S3-Leitlinie. Empfohlene psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen. InFo Neurologie & Psychiatrie 2020; 22: 46-53
Gühne U, Weinmann S, Becker T, Riedel-Heller SG. Up-Date S3-Leitline Psychosoziale Therapien auf Inklusionskurs – Stand und Perspektiven. Sozialpsychiatrische Informationen 1/2020: 18-22
Gühne U, Konrad M. Chancen zur Umsetzung der Leitlinienempfehlungen zu psychosozialen Therapien im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG). Psychiat Prax. 2019; 46(8):468-475. doi: 10.1055/a-1011-9606
Gühne U, Weinmann S, Becker T, Riedel-Heller SG. Evidenzbasierte Behandlung von schwer psychisch kranken Menschen mit psychosozialen Therapien – Erstes Update der DGPPN-S3-Leitlinie erscheint Ende 2018. Psychother Psychosom Med Psychol. 2018; 68(11): 475-480. doi: 10.1055/a-0743-5259
Gühne U, Weinmann S, Becker T, Riedel-Heller SG. Die S3-Leitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen" – nach dem Update ist vor dem Update. Psychiatr Prax. 2018; 45(3):119-121.doi: 10.1055/a-0574-4008
Gühne U, Becker T, Riedel-Heller S. Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen: Ausblick auf das Update der S3-Leitlinie der DGPPN. Psychother Psychosom Med Psychol. 2016 ; 66(8):337-40. doi: 10.1055/s-0042-111733
Gühne U, Weinmann S, Arnold K, Becker T, Riedel-Heller SG. S3 guideline on psychosocial therapies in severe mental illness: evidence and recommendations. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2015 ; 265(3):173-88. doi: 10.1007/s00406-014-0558-9
Gühne U, Stein J, Scherer M, Wiese B, Weyerer S, Maier W, König HH, Riedel-Heller SG. Der Bedarf an Leitlinienempfehlungen für die Behandlung depressiver Menschen im höheren Lebensalter aus Expertensicht. Ergebnisse einer qualitativen Studie. Fortschr Neurol Psychiatr 2015; 83: 232–237. doi: 10.1055/s-0034-1399403
Gühne U, Becker T, Salize H-J, Riedel-Heller SG. Wie viele Menschen in Deutschland sind schwer psychisch krank? Psychiat Prax 2015; 42: 415-423. doi: 10.1055/s-0035-1552715
Riedel-Heller SG, Gühne U, Weinmann S, Becker T; German Society for Psychiatry, Psychotherapy and Neurology. Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen - Die S3-Leitline der DGPPN: Stand der Forschung, Behandlungsempfehlungen und Desiderate für die Versorgungsforschung. Psychother Psychosom Med Psychol. 2012; 62(11):425-8. doi: 10.1055/s-0032-1327676
Riedel-Heller SG, Gühne U, Weinmann S, Arnold K, Ay ES, Becker T. Psychosoziale Interventionen bei schweren psychischen Störungen: Evidenz und Empfehlungen: Psychoedukation, Training sozialer Fertigkeiten, Sport und Bewegung. Nervenarzt. 2012; 83(7):847-54. doi: 10.1007/s00115-011-3471-8
Gühne U, Weinmann S, Arnold K, Ay E.-S., Becker T, Riedel-Heller S G. Künstlerische Therapien bei schweren psychischen Störungen. Sind sie wirksam? Nervenarzt 2012; 83(4): 855-860. doi: 10.1007/s00115-011-3472-7
Gühne U, Weinmann S, Arnold K, Atav E-S, Becker T, Riedel-Heller SG. Akutbehandlung im häuslichen Umfeld: Systematische Übersicht und Implementierungsstand in Deutschland. Psychiat Prax 2011; 38(3): 114-122. doi: 10.1055/s-0030-1248598