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Multimorbidität im Alter: Komorbidität und Multimorbidität in der hausärztlichen Versorgung (MultiCare)

Multimorbidität, das heißt das gleichzeitige Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen, ist besonders im höheren Lebensalter weit verbreitet und beeinflusst erheblich die Lebensqualität, den funktionellen Status und die Lebenserwartung der Betroffenen. Sie ist ein komplexes Phänomen mit vielen möglichen Krankheitskombinationen, deren Auswirkungen oft unklar sind. Die Auftretenshäufigkeit variiert stark, mit Studien, die Raten zwischen 21 % und 98 % finden (Marengoni, 2008). Vor allem Querschnittstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen Multimorbidität und höherer Sterblichkeit, zunehmender Behinderung und einem Rückgang der Funktionsfähigkeit verbunden. Es gibt jedoch nur wenige längsschnittliche Studien, die die langfristigen Auswirkungen von Multimorbidität auf die Gesundheit von Patientinnen und Patienten und das Gesundheitssystem insgesamt untersuchen.

Im Rahmen des Förderprogramms „Gesundheit im Alter" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist der zentrale Fokus des MultiCare-Verbundes die Erforschung von Multimorbidität, d.h. des gleichzeitigen Vorliegens mehrerer chronischer Krankheiten bei einer Person über einen längeren Zeitraum. Das Projekt umfasste dabei die folgenden Ziele:

  1. Untersuchung der inneren Zusammenhänge der Krankheiten im Fall von Multimorbidität: spezifische Kombinationen, Interaktionen zwischen Krankheiten und Entwicklungen im zeitlichen Verlauf.
  2. Untersuchung der Folgen von Multimorbidität für die Patientinnen und Patienten (Krankheitslast, Lebensqualität etc.).
  3. Identifikation von Risikofaktoren und Ressourcen der Patientinnen und Patienten für die Entwicklung bzw. Bewältigung der Multimorbidität.
  4. Untersuchung der Inanspruchnahme des Gesundheitswesens und der damit verbundenen Kosten.

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Metho
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Das Projekt umfasste eine multizentrische, longitudinale Kohortenstudie mit multimorbiden Patientinnen und Patienten im Alter von 65 bis 84 Jahren, die zufällig aus hausärztlichen Patientenakten ausgewählt wurden. Voraussetzung für die Teilnahme war das Vorliegen von mindestens drei chronischen Erkrankungen aus einer vordefinierten Liste. Die Untersuchung basierte auf umfassenden Interviews mit den Patientinnen und Patienten zu Hause sowie auf Datenerhebungen bei den Hausärztinnen und Hausärzten der Probanden. In der ersten Förderphase wurden 3.189 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die in 158 Hausarztpraxen an acht Studienzentren rekrutiert wurden (Bonn, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Jena, Leipzig, Mannheim und München). Die Rekrutierung der Patientinnen und Patienten und die Erhebung der Baseline-Daten erfolgten zwischen Juli 2008 und Oktober 2009. Follow-up-Erhebungen wurden in Abständen von 15 Monaten durchgeführt. Insgesamt wurden vier Erhebungswellen im Abstand von jeweils 15 Monaten realisiert. Am Ende der vierten Erhebungswelle konnten noch 2.071 der ursprünglich eingeschlossenen Patientinnen und Patienten untersucht werden, was fast zwei Dritteln der Ausgangsstichprobe entspricht.

Auswahl aus den Ergebnissen

  • 62% der Menschen über 65 Jahre (fast zwei Drittel) sind multimorbide, d.h. sie haben mindestens drei chronische Krankheiten.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität nimmt bei älteren Menschen mit zunehmender Anzahl und Schwere der Erkrankungen deutlich ab
  • Parkinson-Krankheit, rheumatische Erkrankungen, Depression und starkes Übergewicht haben den stärksten negativen Einfluss auf die Lebensqualität
  • Soziale Unterstützung, ein hoher Bildungsgrad und ein hohes Einkommen verbessern die Lebensqualität
  • Eine Depression kann sowohl die wahrgenommene soziale Unterstützung als auch die Lebensqualität stärker beeinträchtigen als die Multimorbidität selbst. Es ist daher entscheidend, Depressionen frühzeitig zu diagnostizieren.


Mitglieder der MultiCare Studiengruppe

Die MultCare Studiengruppe umfasst die folgenden Mitglieder: Attila Altiner, Horst Bickel, Wolfgang Blank, Monika Bullinger, Hendrik van den Bussche† (PI), Anne Dahlhaus, Lena Ehreke, Michael Freitag, Angela Fuchs, Jochen Gensichen, Ferdinand Gerlach, Heike Hansen, Sven Heinrich, Susanne Höfels, Olaf von dem Knesebeck, Hans-Helmut König, Norbert Krause, Hanna Leicht, Margrit Löbner, Melanie Luppa, Wolfgang Maier, Manfred Mayer, Christine Mellert, Anna Nützel, Thomas Paschke, Juliana Petersen, Jana Prokein, Steffi Riedel-Heller, Heinz-Peter Romberg, Ingmar Schäfer, Martin Scherer (PI), Gerhard Schön, Susanne Steinmann, Sven Schulz, Karl Wegscheider, Klaus Weckbecker, Jochen Werle, Siegfried Weyerer und Birgitt Wiese. Unser Dank gilt den Hausärztinnen und Hausärzten in Bonn, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Jena, Leipzig, Mannheim und München, die klinische Informationen zu ihren Patientinnen und Patienten bereitgestellt haben. Wir möchten allen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern für ihre Teilnahme an der Studie danken.

Förderung
Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. (MultiCare Studie, Förderkennzeichen 01ET0725-31 und 01ET1006A-K).

Publikationen
Hier finden Sie eine Übersicht über die im Projekt entstandenen Veröffentlichungen: Link Pubmed.

Projektleitung in Leipzig:
Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller, MPH

​Ansprechpartner
Prof. Dr. Margrit Löbner
Margrit.Loebner@medizin.uni-leipzig.de
Dr. Alexander Pabst
Alexander.Pabst@medizin.uni-leipzig.de

 

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Philipp-Rosenthal-Str. 55, Haus W
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