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Stimulation des Rückenmarks (chronischer Schmerz, Angina pectoris – Schmerz, Durchblutungsstörungen)

​​​​​​​​Die Rückenmarkstimulation (engl. Spinal Cord Stimulation​, kurz: SCS) ist eine medizinische Behandlungsmethode, die bei bestimmten chronischen Schmerzzuständen verschiedenster U​​rsache und vaskulären Veränderungen eingesetzt wird. Bei dieser Technik wird ein kleines Gerät, das als Impulsgenerator bezeichnet wird, implantiert. Dieses Gerät sendet elektrische Impulse direkt an vorher platzierte Elektroden, die sich im Rückenmarkskanal auf ​dem Rückenmark befinden, um Schmerzen und Durchblutungsstörungen zu lindern bzw. positiv beeinflussen.

​Der Generator wird unter die Haut eingepflanzt, oft im Bereich des Gesäßes oder des Bauches und dient, vergleichbar einem Herzschrittmacher, als Stromquelle.

​Hintergrund der Therapie ist die Über​legung, dass die so applizierten Stromimpulse zum einen Schmerzsignale blockieren oder stören, die auf dem Weg zwischen den Nerven im Rückenmark und dem Gehirn übertragen werden, zum anderen kleinste Blutgefäße in Armen, Beinen und sogar im Herzen weitstellen und somit die Durchblutung befördern. Im Ergebnis dessen, kann diese Stimulation in der Lage sein, chronische Schmerzen zu reduzieren oder zu kontrollieren, insbesondere wenn andere herkömmliche Schmerzbehandlungen nicht ausreichend wirksam sind. Darüber hinaus ist die Stimulation potenziell in der Lage, Durchblutungsverhältnisse derart positiv zu beeinflussen, dass periphere arterielle Verschlusskrankheiten (pAVK) und sogar Angina pectoris-Beschwerden behandelbar werden.

​Die Anwendung der sog. SCS-Therapie erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen und bedarf es der kritischen Prüfung der bisherigen Therapiemaßnahmen.​

Chronischer Rückenschmerz, failed back surgery Syndrom (=FBSS) und SCS

​Failed Back Surgery Syndrom (kurz: FBSS) steht, wörtlich übersetzt, für „gescheitertes Rückenoperationssyndrom" und beschreibt chronische Schmerzen infolge oder trotz vorangegangener Rückoperationen verschiedener Art und verschiedenen Umfangs. Die sog. SCS-Therapie ist eine sehr gute Behandlungsalternative, wenn neuerliche Operationen, ab​​er auch zahlreiche konservative Verfahren und medikamentöse Schmerztherapien fehlschlagen. Das Konzept der SCS-Therapie ist, dass die elektrischen Impulse die normalen Schmerzsignale stören oder überdecken, was zu einer Verringerung der wahrgenommenen Schmerzintensität führen kann.

Das Verfahren kann chronische Schmerzen in Beinen und Armen, aber auch im Rücken lindern. Es kann dazu beitragen, die sonst erforderlichen Schmerzmedikamente zu reduzieren. Idealerweise kann das Verfahren ermöglichen, die bisherige eingeschränkte Lebensführung zu verbessern und sogar beitragen, Arbeitsfähigkeit wiederzuerlangen. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patient:innen mit FBSS automatisch für eine SCS in Frage kommen. Die Entscheidung zur Anwendung dieser Technik sollte daher von qualifizierten Ärzt:innen individuell getroffen werden.

Die SCS-Therapie wird normalerweise in einem Testverfahren getestet, bevor das komplette System implantiert wird. Während des Testverfahrens wird vorübergehend ein externer ​Stimulator platziert, um zu überprüfen, ob die SCS die Schmerzen des Patienten effektiv lindert. Wenn das Testverfahren erfolgreich ist, kann der permanente Spinal Cord Stimulator implantiert werden.​​​​

Komplex regionales Schmerzsyndrom (=CRPS) und SCS

Complex Regional Pain Syndrome (kurz: CRPS) steht, wörtlich übersetzt, für "komplexes regionales Schmerzsyndrom", für welches u.a. der sog. "Morbus Sudeck" (=CRPS I) ein repräse​​ntatives Beispiel ist. Dieses chronische Schmerzsyndrom kann in der Folge von Verletzungen oder Operationen auftreten und ist durch anhaltende, intensive Schmerzen charakterisiert. Da sich die primäre Therapie des CRPS grundsätzlich von einem neuromodulatorischen Verfahren unterscheidet, ist kritisch zu prüfen, ob eine SCS-Therapie im konkreten Fall sinnvoll und erfolgversprechend wäre.

Die Idee hinter der Anwendung von SCS bei CRPS ist ähnlich wie bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen. Durch die elektrischen Impulse, die direkt an das Rückenmark gesendet werden, versucht man, die normalen Schmerzsignale zu beeinflussen oder zu blockieren. ​​​Beim CRPS ist das Ziel, die Schmerzen zu lindern und die Funktionsfähigkeit des betroffenen Bereichs bzw. der betroffenen Extremität zu verbessern.

Die eigenen Erfahrung hinsichtlich der neuromodulatorischen Therapie dieses chronischen Schmerzsyndroms sind sehr ​positiv und betrachten wir die SCS-Therapie als eine sehr sinnvolle Behandlungsalternative.​

Angina pectoris-Schmerz und SCS

Angina pectoris ist eine Symptomatik, die durch einen vorübergehenden Mangel an Sauerstoffzufuhr zum Herzmuskel verursacht wird. Dieser Mangel an Sauerstoff, auch Ischämie genannt, führt zu Schmerzen oder Druckgefühl im Brustbereich. Angina pectoris ist in der Regel ein Symptom einer koronaren Herzkrankheit (KHK), bei der die Herzkranzgefäß​​​e, die das Herz mit Blut versorgen, verengt oder blockiert sind. Die Hauptziele bei der Behandlung von Angina pectoris umfassen die Verbesserung der Durchblutung des Herzmuskels, die Reduzierung der Belastung des Herzens und die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterin.

Unabhängig davon, dass die derzeitigen kausalen Behandlungsmöglichkeiten in den Händen der Herzchirurg:innen und Kardiolog:innen sehr vielfältig und in der Regel erfolgversprechend sind, gibt es Umstände, die die Entwicklung eines chronischen Angina pectoris-Schmerzes befördern, die keinen weiteren Verfahren und Therapien zugänglich sind. Hier besteht die Möglichkeit, über die SCS-Therapie eine sog. Re-Distribution (=Neu-Verteilung) des versorgenden Blutes im Herzmuskel zu erzeugen und darüber eine Linderung der Beschwerden zu erreichen, ohne einen drohenden Herzinfarkt zu überlagern oder zu „maskieren“.

Die Anwendung von SCS sollte in erster Linie bei Patient:;innen mit chronischen Schmerzen in Betracht gezogen werden und nicht als primäre Methode zur Behandlung von Herz-Kreislauf-E​rkrankungen. Dennoch bestehen eigenen positive Erfahrungen bei der Therapie mittels SCS, wenn gleich diese Methode ihre Domäne bes. im angloamerikanischen Raum findet.​

Durchblutungsstörungen (pAVK u.a.) und SCS

PAVK steht für periphere arterielle Verschlusskrankheit. Diese Erkrankung betrifft die Blutgefäße, die das Blut von und zum Herzen transpo​rtieren, insbesondere die Arterien, die die Extremitäten, vor allem die Beine, versorgen. PAVK tritt auf, wenn diese Arterien z.B. durch Ablagerungen von Cholesterin und anderen Substanzen (Arteriosklerose) verengt oder blockiert werden.

Die verminderte Blutzufuhr zu den Beinen kann z​u verschiedenen Symptomen führen, darunter: Schmerzen beim Gehen (Claudicatio intermittens), Wadenkrämpfe, Kältegefühl und andere beinbezogene Beschwerden.

Die Anwendung von Spinal Cord Stimulation (SCS) sollte nicht die primäre Behandlungsoption für periphere arterielle Verschlusskrankheiten (pAVK) sein, sondern ordnet sich die SCS-Therapie an das Ende der therapeu​tischen Bemühung ein. Ungeachtet dessen ist die SCS-Therapie, frühzeitig angewandt, eine sehr verlässliche und vor allem meßbare Methode, die die Durchblutung und neuerliche Erwärmung der Extremität befördert. Studien weisen darauf hin, dass über dieses Verfahren Extremitäten lange Zeit erhalten werden und Patient:innen vor Amputationen bewahrt werden können.

​​Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, an Symptomen von pAVK leidet, ist es wichtig, eine:n darauf spezialisierte:n Ärzt:in (Angiolog:in, Gefäßchirurg:in) aufzusuchen. Der Arzt oder die Ärztin kann eine umfassende Untersuchung durchführen, die Diagnose bestätigen und geeignete Behandlungsoptionen besprechen. Selbstbehandlung oder die Annahme, dass SCS in jedem Fa​ll die geeignete Option ist, wäre nicht angemessen und könnte die Gesundheit gefährden. Aufgrund der sehr engen Zusammenarbeit mit hiesigen Gefäßchirurg:inmen und Angiolog:innen ist die SCS-Therapie bei pAVK-Patient:innen eine sehr sichere und erfolgreiche Behandlungsmethode.

Darüber hinaus gibt es vielversprechende Ansätze, ebenso andere Durchblutungsstörungen wie das Morbus R​aynaud-Syndrom positiv zu beeinflussen.​


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Prof. Dr. med. Dirk Winkler

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E-Mail:  Dirk.Winkler@medizin.uni-leipzig.de

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Häufig gestellte Fragen

​Weitere Antworten zu Ablauf, Alltag mit einem Stimulationssystem, Kosten, Risiken und Nachsorge finden Sie in unseren häufig gestellten Fragen zur Neuromodulation​.


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