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Häufig gestellte Fragen (FAQ)



Gibt es bei der Hirnstimulation eine Altersgrenze?

Die Anwendung der Hirnstimulation kann von verschiedenen Faktoren abhängen, einschließlich der spezifischen medizin​​ischen Indikation und des individuellen Gesundheitszustands. Zu betonen ist, dass es keine strikte Altersgrenze für die Hirnstimulation gibt. Vielmehr hängt die Eignung vom aktuellen Gesundheitszustand und etwaigen Begleiterkrankungen ab. Insbesondere bei älteren Menschen müssen möglicherweise zusätzliche Gesundheitsfaktoren berücksichtigt werden. Negativ wirken dementielle bzw. psychiatrische Auffälligkeiten, eine fehlende Mitarbeit seitens der Patient:innen, als auch schwere internistische Erkrankungen oder gar konsumierende Erkrankungen. Bevor eine Hirnstimulationstherapie in Betracht gezogen wird, wird in der Regel eine gründliche ärztliche Bewertung durchgeführt. Der behandelnde Arzt / die behandelnde Ärztin wird dann entscheiden, ob die Hirnstimulation eine geeignete Option ist, basierend auf einer umfassenden Beurteilung. Es ist wichtig zu betonen, dass die Entscheidung für oder gegen die Hirnstimulation immer individuell getroffen wird und auf einer sorgfältigen Abwägung der Risiken und Vorteile basiert. Diese Entscheidungen sollten gemeinsam zwischen der Patientin / dem Patienten und dem behandelnden medizinischen Team getroffen werden.​

Schränkt ein Stimulationssystem meinen Alltag ein?

Die Auswirkungen eines Stimulationssystems auf Ihre Lebensführung können von verschiedenen Faktoren abhängen, einschlie​​ßlich der Art des Stimulators, der zugrunde liegenden Erkrankung und Ihrer individuellen Reaktion auf die Therapie. Hier sind einige Überlegungen: Beispielsweise können Patient:innen mit einem Neurostimulator zur Schmerzkontrolle in der Regel ihre täglichen Aktivitäten relativ normal fortsetzen, ebenso bei implantierten Hirnstimulatoren. Es ist wichtig, offen mit Ihrer behandelnden Ärztin / Ihrem behandelnden Arzt über Ihre Lebensgewohnheiten, Bedenken und Erwartungen zu kommunizieren. Ihr:e Ärzt:in kann Ihnen genaue Informationen darüber geben, was Sie während und nach der Implantation eines Stimulationssystems erwarten können. In einigen Fällen müssen möglicherweise spezielle Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden, wie z. B. beim Passieren von Sicherheitsschleusen am Flughafen oder in der Nähe von starken Magnetfeldern bei bestimmten Arten von Stimulationssystemen. Auf alle Fälle sollte vor jeder MRT-Untersuchung sowohl die Einrichtung, in der die Implantation des jeweiligen System erfolgte als auch der / die Mitarbeiter:in der jeweiligen Firma konsultiert und befragt werden. Eine MRT-Untersuchung muss per se nicht ausgeschlossen sein, bedarf es aber eine vorherigen Beratung hinsichtlich der dann zu wählenden Geräteeinstellung in Abstimmung mit der zu untersuchenden Körperregion.​

Wer übernimmt die Kosten der Neuromodulation?

Die Kosten und die Frage der Finanzierung für neuromodulatorische Therapien können je nach Land, Region und indivi​​​duellen Gesundheitssystemen erheblich variieren. In Deutschland erfolgt eine komplette Kostenerstattung in Höhe von 15 – 25.000 Euro je nach implantierten Modell bzw. System. Deutschland nimmt somit im weltweiten Maßstab eine Sonderrolle ein.​

Hilft die Neuromodulation immer?

Die Wirksamkeit der Neuromodulation, insbesondere von Techniken wie der tiefen Hirnstimulation​ (DBS), der spinal cord stimulation (SCS, Rückenmarkstimulation) und der sog. Vagusnervstimulation ​(VNS), kann stark variieren und ist von verschiedenen Faktoren abhängig.  Hier sind einige Überlegungen: In einigen Fällen, wie bei bestimmten Formen von Bewegungsstörungen, neuropathischen Schmerzen oder psychiatrischen Erkrankungen, kann die Neuromodulation beträchtliche Verbesserungen bewirken, jedoch ist der Einzelfall entscheidend. Prädiktoren bzw. eine Vorhersagbarkeit gibt es gegenwä​​rtig nicht. Aber auch für die sog. Vagusnervstimulation sind die Ergebnisse ermutigend, wenngleich die Effekte eher mittel- bis langfristig bilanzierbar sind.​

Wie hoch ist die Komplikationsrate bei der SCS und DBS?

​Es ist schwierig, spezifische Prozentangaben zu den Komplikationsraten bei neuromodulatorischen Therapien wie bei der tiefen Hirnstimulation (DBS), der Rückenmarkstimulation (SCS) und Vagusnervstimulation (VNS) anzugeben, da diese stark von verschiedenen Faktoren abhängen, einschließlich der Art der Therapie, der zugrunde liegenden Erkrankung, der individuellen gesundheitlichen Situation der Patientin / des Patienten und der Erfahrung des behandelnden Teams. Eine grobe Einteilung von Nebenwirkungen und Komplikationen, die in der Summe eher sehr gering ausfallen, ist nachfolgend beschrieben:

  • ​Chirurgische Komplikationen: Bei Eingriffen zur Implantation von neuromodulatorische​n Geräten können chirurgische Komplikationen auftreten. Dazu gehören Infektionen, Blutungen, Wundheilungsstörungen und Reaktionen auf die implantierten Materialien. Das Ausmaß dieser Komplikationen hängt von der Art des Eingriffs und der individuellen Anatomie der Patientin / des Patienten​ ab.
  • Programmierungsprobleme: Nach der Implantation von Geräten wie einem Neurostimulator kann es erforderlich sein, die Stimulationseinstellungen zu optimieren. Schwierigkeiten bei der Programmierung können zu unerwünschten Effekten oder mangelnder Wirksamkeit führen.
  • Nebenwirkungen: Neuromodulatorische Therapien können mit Nebenwirkungen verbunden sein, die von leicht bis schwerwiegend reich​​en können. Diese können lokale Reizungen an der Implantationsstelle, unerwünschte sensorische Effekte (Missempfindungen) oder, in seltenen Fällen, systemische Reaktionen umfassen.
  • Technische Probleme: Es besteht die Möglichkeit von technischen Problemen mit den implantierten Geräten, wie beispielsweise Ausfällen oder Fehlfunktionen. Dies kann eine erneute Intervention erfordern.
  • Individuelle Reaktion: Die Wirkung neuromodulatorischer Therapien kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Manche Menschen erleben eine erhebliche Verbesserung ihrer Symptome, während bei anderen die Therapie möglicherweise weniger effektiv ist.

Generell gilt, in einem persönlichen Gespräch zwischen erwartbarem, d.h. realistischem Nutzen und etwaigen Komplikationen abzuwägen. Prinzipiell gilt, dass jede Form der Therapie – gleich, ob medikamentös oder chirurgisch, das Potenzial von Komplikationen bietet und dass die Entscheidung zur jeweiligen Therapie möglichst gemeinsam und unter Zugrundelegung der zu behandelnden Krankheit bzw. Störung zu treffen ist.​

Kann ich mit einem Neuromodulationssystem verreisen?

Ja, es i​​st generell möglich, mit einem Neuromodulationssystem in den Urlaub zu fahren. Einige Überlegungen und Vorkehrungen, sollen Sie führen bzw. treffen:

  • ​Flughafen- und Sicherheitskontrollen: Neuromodulationssysteme können in der Nähe von Sicherheitskontrollen am Flughafen Alarm auslösen. Es ist ratsam, einen Gerätepass oder einen ​Ausweis der behandelnden Ärzt:in bzw. der Firma, deren Implantate Sie tragen, mit sich zu führen, der die Implantation des Systems bestätigt. Dies macht die Ein- und Zuordnung eines „unerwünschten“ Signals deutlich leichter.
  • Reiseziel und Aktivitäten: Wenn Ihr Urlaubsziel Aktivitäten umfasst, die das neuromodulatorische System beeinflussen könnten (wie starke Magnetfelder), sollten Sie dies vorab mit Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt besprechen. Möglicherweise müssen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen getroffen oder Aktivitäten vermieden werden. Entsprechend der gewählten Destination bzw. des gewählten Reiselandes ist ebenso zu überlegen, welche Konsequenzen ein Systemausfall hätte bzw. wie ein solcher Systemausfall vor Ort kompensierbar wäre. Dies betrifft in erster Linie eine ausreichend dosierbare Ersatzmedikation.
  • Medizinische Unterlagen: Es ist ratsam, eine Kopie der relevanten medizinischen Unterlagen, einschließlich des Geräteausweises, mit sich zu führen. Dies kann hilfreich sein, falls eine medizinische Notfallversorgung notwendig ist oder wenn Sie spezielle Anforderungen bei der Sicherheitskontrolle erklären müssen.​
  • Lade- und Programmiergeräte: Stellen Sie sicher, dass Sie alle erforderlichen Lade- und Programmiergeräte für Ihr Neuromodulationssystem mitnehmen, einschl. etwaige Adapter für das dortige Stromnetz.

Vor Ihrer Reise wäre es ratsam, mit der / dem Sie betreuenden Firmenmitarbeiter:in bzw. Ihrer behandelnden Ärztin / Ihrem behandelnden Arzt zu sprechen. Hier können Ihnen spezifische Empfehlungen gegeben und alle erforderlichen Informationen bereitgestellt werden.​

Ist die Neuromodulation eine lebenslange Therapie?

Die Dauer der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Art der zugrunde liegenden Erkrankung, für die die Neuromodulation angewendet wird, der individuellen Reaktion des Patienten auf die Therapie als auch die gewählten bzw. erforder​lichen „Ströme“, die im Rahmen der Therapie angewandt werden. Prinzipiell kann die Neuromodulation als langfristige oder sogar lebenslange Therapieoption betrachtet werden, insbesondere wenn sie wirksam ist und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führt.

Chronische Schmerzerkrankungen: Bei Patient:innen mit chronischen neuropathischen Schmerzen, bei denen andere Therapieoptionen nicht ausreichend wirksam sind, kann die spinal cord stimulation (SCS, Rückenmarkstimulation) als langfristige Schmerzmanagementstrategie in Betracht gezogen werden. In wenigen Fällen konnten wir beobacht​​en, dass nach Jahren der erfolgreichen Stimulation diese fernerhin nicht mehr erforderlich ist, da sich das „normale“ Schmerzniveau neuerlich eingestellt hat. Dies ist jedoch nicht die Regel, sondern stellt einen positive Ausnahmefall dar.

Bewegungsstörungen: Bei bestimmten Bewegungsstörungen wie der Parkinson-Krankheit bzw. dem Tremor kann die​​​ tiefe Hirnstimulation (DBS) dazu beitragen, Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern. In diesen Fällen kann die Neuromodulation als langfristige bis lebenslange Behandlungsoption betrachtet werden.

Konsens besteht dahingehend,​ dass die Wirksamkeit der Neuromodulation individuell variiert. Einige Patient:innen erleben möglicherweise eine anhaltende Linderung ihrer Symptome, während andere möglicherweise nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Darüber hinaus können sich im Laufe der Zeit neue medizinische Entwicklungen ergeben, die alternative Therapieansätze ermöglichen oder kann es auch dazu kommen, dass zusätzliche Störungen Symptome ändern bzw. diese verstärken. Eine generelle Vorhersagbarkeit ist somit nicht gegeben und nicht realistisch.​

Wie gehe mit Auffälligkeiten im Narbenbereich um?

Wir möchten Sie bitten bzw. ermuntern, dass Sie bzw. Angehörige regelmäßig (z.B. einmal pro Woche) sämtliche Narben und Bereiche, unter denen sich ein Implantat befindet, kontrolliere​​n. Wenn Sie Auffälligkeiten bemerken, ist es wichtig, diese umgehend mit Ihrer behandelnden Ärztin / Ihrem behandelnden Arzt zu besprechen. Hier sind einige allgemeine Schritte, die Sie in Betracht ziehen können:​

  1. ​Kontakt mit dem Arzt aufnehmen: Bei jeglichen Auffälligkeiten, wie Rötungen, Schwellungen, Schmerzen, Veränderungen oder erst recht bei spontanen Narbendefekten bis hin zur Sichtbarkeit von Kabeln oder Generatoren, sollten Sie sofort Ihre behandelnde Ärztin / Ihren behandelnden Arzt kontaktieren. Diese:r kann die Ursache der Auffälligkeiten einordnen und die entsprechenden Maßnahmen einleiten.
  2. Keine Selbstbehandlung: Vermeiden Sie es, selbständig Veränderungen am Narbenbereich zu behandeln oder daran zu manipulieren, insbesondere wenn ein Neuromodulationssystem implantiert ist. Selbstmedikation oder die Anwendung von Salben ohne Rücksprache mit dem / der Behandler:in – in diesem Fall mit dem / der Behandler:in des Bereichs „funktionelle Neurochirurgie“ - kann das Risiko von Komplikationen beträchtlich erhöhen.
  3. Hygiene beachten: Achten Sie darauf, den Narbenbereich sauber zu halten und den Anweisungen Ihrer Ärztin / Ihres Arztes zur Wundpflege zu folgen. Vermeiden Sie es, den Bereich übermäßig zu reiben oder zu kratzen.
  4. Risikofaktoren beachten: Informieren Sie Ihre:n Ärzt:in über eventuelle Veränderungen in Ihrem Lebensstil, die Einfluss auf den Narbenbereich haben könnten, wie zum Beispiel Gewichtsveränderungen, übermäßige Sonneneinstrahlung oder intensiven Sport. Rauchen schadet Ihrer Gesundheit generell, aber besonders in der Phase der Narbenheilung.

Nur Ihre behandelnde Ärztin / Ihr behandelnder Arzt kann eine genaue Diagnose stellen und die geeignete Vorgehensweise empfehlen. Daher ist es entscheidend, mögliche Veränderungen oder Beschwerden unverzüglich mit Ihrer Ärztin / Ihrem ​​​​Arzt zu besprechen.​

Wie kann ich mich zu einer passenden Therapie beraten lassen?

Wenn Sie sich nach Ihrer Recherche zur Neuromodulation für eine Beratung interessieren, können Sie die folgenden Schritte unternehmen:

  1. Kontaktieren Sie Ihre Hausärztin / Ihren Hausarzt oder Spezialist:in: Der erste Schritt ist, Ihre Hausärztin / Ihren Hausarzt oder den / die Ärzt:in (Neurolog:in, Psychiater:in, Gefäßspezialist:in, Schmerztherapeut:in u.a.) aufzusuchen, der /die Ihre spezifische Erkrankung behandelt und Kenntnis über Symptome, etwaige Ursachen, Untersuchungsergebnisse und zur bisherigen Therapie hat.
  2. Besprechung Ihrer Symptome und Erfahrungen: Teilen Sie Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt mit, dass Sie sich über neuromodulatorische Therapieoptionen informiert haben und dass Sie Interesse an einer weiteren Beratung haben.
  3. Überweisung an eine:n Spezialist:in für Neuromodulation: Ihrer behandelnde Ärztin / Ihr behandelnder Arzt kann Sie daraufhin via Überweisungsschein unserer Einrichtung zuweisen.
  4. Terminvereinbarung: Vereinbaren Sie über die oben genannten Kontaktmöglichkeiten (telefonisch, Email) einen Termin in der dafür vorgesehenen Spezialsprechstunde (jeweils montags, im Ausnahmefall mittwochs).
  5. Fachliche Bewertung und Diagnose: Unsere ärztliche Aufgabe ist es, Ihre Symptome zu bewerten und die Eignung für neuromodulatorische Therapien bzw. andere in Frage kommende Verfahren zu beurteilen. Dies könnte weiterführende Untersuchungen, Bildgebungsverfahren oder weitere diagnostische Tests beinhalten bzw. andersartige Therapien, die aus unserer Bewertung heraus noch keine Anwendung fanden.
  6. Einholen einer Zweitmeinung: In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, eine Zweitmeinung von einer / einem anderen Spezialist:in einzuholen, um sicherzustellen, dass Sie gut informierte Entscheidungen treffen und Sie sich in der getroffenen Wahl sicher fühlen. Gern unterstützen wir Sie hierbei.

Denken Sie daran, dass die Entscheidung fü​​r oder gegen neuromodulatorische Therapie individuell ist und auf Ihrer spezifischen medizinischen Situation basieren sollte.​​​



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