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Tiefe Hirnstimulation ​(Parkinson, Tremor, Dy​stonie im Erwachsenen- und Kindesalter)

​​​​​​​​​​​​​​​​Der Neurochirurg nutzt das Verfahren der sogenannten "Tiefen Hirnstimulation", um mithilfe von Bildgebung und Elektroden b​​estimmte Teile des Gehirns, zehntelmillimeter genau zu erreichen und späterhin zu stimulieren.

​Was ist Tiefe Hirnstimulation?

Die Tiefe Hirnstimulation (engl. Deep brain stimulation, DBS) nutzt kleine Elektroden, die in bestimmte Bereiche des Ge​​hirns implantiert werden. Diese Elektroden werden unter der Haut und somit nahezu unsichtbar mit schrittmacherähnlichen Impulsgebern verbunden, die minimalste Stromimpulse an das Gehirn abgeben. Der Ihnen in unserer Einrichtung betreuende Neurologe wählt einen solchen, für Sie in aller Regel nicht spürbaren Stromimpuls aus, der zum einen Ihre Symptome mindern hilft, zum anderen dazu beiträgt, Ihren Medikamentengebrauch zu reduzieren.​

Die tiefe Hirnstimulation findet zum überwiegenden Teil Anwendung bei der Behandlung der Parkinsonerkranku​ng​, dem essentiellen Tremor​ als auch der Dystonie / Huntingto​n-Erkrankung​​.

Idiopathischer Morbus Parkinson

Parkinson ist eine neurologische, neurodegenerative Erkrankung, die durch Symptome wie Zittern, Steifheit und langsame Bewegungen gekennzeichnet ist. Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine Behandlungsoption für Patienten mit einem sog. ideopathischen Parkinson, d.h. bei de​​​nen keine spezielle Ursache gefunden werden konnte. Im Rahmen der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, um abnormalen, d.h. krankhaften neuronalen Aktivitäten entgegenzuwirken und Bewegungsabläufe zu normalisieren.

Die THS hat sich als wirksame Methode zur Linderung von Parkinson-Symptomen erwiesen. Diese Form der Therapie kommt in Betracht, wenn Medikamente ihre Wirksamkeit verlieren, wenn sie Wirkungsschwankungen bieten bzw. Nebenwirkungen der Medik​​​amente zu zusätzlichen Beeinträchtigungen führen, aber auch wenn die Erkrankung in ihrer Intensität weiter fortschreitet. Die elektrischen Impulse, die von den implantierten Elektroden abgegeben werden, können die abnormale neuronale Aktivität im Gehirn modulieren und so die motorischen Symptome von Parkinson reduzieren.

Obwohl die THS eine vielversprechende Behandlungsmethode für Parkinson-Patienten darstellt, birgt sie auch potenzielle Risiken. Daher sollte die Entscheidung für eine THS-Behandlung sorgfältig ab​gewogen und mit einem qualifizierten medizinischen Team besprochen werden. Die Tiefe Hirnstimulation kann leider die Erkrankung nicht heilen, ist aber in der Lage, die Symptome wesentlich zu lindern. Mittels Tiefer Hirnstimulation sind Patienten mit Parkinson lange Zeit gut behandel- und einstellbar, ist aber die Dauer und Intensität wesentlich von individuellen Faktoren abhängig, die gegenwärtig Gegenstand klinischer Forschung sind.​

Essentieller Tremor

Der essentielle Tremor ist eine neurologische Erkrankung, die durch unkontrollierbares Zittern in den Händen, Armen, Kopf oder anderen Körperteilen (z.B. Zunge) gekennzeichnet ist. Tiefe Hirnstimulation (T​​HS) ist eine Behandlungsoption für Patienten mit schwerem essentiellen Tremor, bei der Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Symptome zu lindern.

Die THS hat sich als wirksame Methode zur Linderung von essentiellem Tremor erwiesen, insbesondere bei Patienten, deren Symptome nicht ausreichend auf Medikamente ansprechen. Die elektrischen Impulse, die​​ von den implantierten Elektroden abgegeben werden, können die abnormale neuronale Aktivität im Gehirn modulieren und so das Zittern, das mitunter so heftig ist, dass allein schon die Nahrungsaufnahme, aber auch tägliche Verrichtungen oder das Pflegen von Hobbys nicht oder schwerlich möglich ist, reduzieren.

Die Tiefe Hirnstimulation stellt insbes. beim essentiellen Tremor eine lebensverändernde Option für jene Patienten dar, die​​ ansonsten nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten haben.​

Dystonie

Dystonie ist eine neurologische Bewegungsstörung, die durch unwillkürliche Muskelkontraktionen gekennzeichnet ist, die zu sich wiederholenden und verdrehenden Bewegungen o​​​der abnormalen Körperhaltungen führen können. Diese Bewegungen können einen einzelnen Muskel, eine Gruppe von Muskeln oder den gesamten Körper betreffen. Dystonie kann genetisch bedingt oder erworben und ihr Schweregrad von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Die Tiefe Hirnstimulation zielt auf bestimmte Hirnregionen, die an der motorischen Kontrolle beteiligt sind, um abnormale Muskelkontraktionen zu regulieren. Der sog. Globus pallidus internus (GPi) ist das am besten untersuchte und für diese Erkrankung am häufigsten genutztes Zielgebiet.

Der Mechanismus, durch den die DBS die Dystonie-Symptome lindert, ist nicht vollständig geklärt. Man geht je​doch davon aus, dass die abnorme neuronale Aktivität in den Zielregionen des Gehirns moduliert wird, wodurch normalisierte Muster der neuronalen Kommunikation wiederhergestellt werden.

Die Ansprechrate ist leider nicht so sicher wie es bei anderen Erkrankungen der Fall ist und beträgt nach aktuellem Stand ca. 50 Prozent. Als Besonderheit ist zu nennen, dass der stimulative Effekt mit einer Verzögerung von Wochen und Monaten auftreten kann. Insbes. bei Erkrankungen im Kind​​es- und Jugendalter ist eine frühzeitige Diagnosestellung und frühzeitige Behandlung von Vorteil.​

Morbus Huntington

​Morbus Huntington ist eine genetisch bedingte neurodegenerative Erkrankung, die durch die fortschreitend​​​e Einbu​​ße von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die Erkrankung führt zu motorischen, kognitiven und psychiatrischen Symptomen,  die im Laufe der Zeit zunehmen. Die Behandlung von Morbus Huntington konzentriert sich auf die Linderung der Symptome. Derzeit ist keine Heilung der Erkrankung möglich.

Die tiefe Hirnstimulation​ bei Morbus Huntington wird aktuell erforscht und angewandt, um die motorischen Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Die Forschung zur Hirnstimulation bei Morbus Huntington ist noch im Gange, gibt es aber auch eigene vielversprechende Ergebnisse. Die Herausforderung der Gegenwart besteht darin, optimale Stimul​ationsparamete ​​zu identifizieren und die langfristigen Auswirkungen der Behandlung zu analysieren. Zudem ist es wichtig, die individuellen Unterschiede zwischen den Patienten zu berücksichtigen, da die Symptome und der Verlauf der Erkrankung variieren können.

Insgesamt könnte die Hirnstimulation eine vielversprechende Ergänzung zu den bestehenden Behandlungsmöglichkei​ten für Morbus Huntington darstellen und bieten wir diese Form der Therapie bei gründlicher Auswahl der in Betracht kommenden Erkrankten an.​

Kontakt

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Prof. Dirk Winkler
E-Mail: dirk.winkler@uniklinik-leipzig.de

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