Sie sind hier: Skip Navigation LinksKlinik und Poliklinik für Strahlentherapie

Gebärmutterschleimhautkrebs

​Bestrahlungsindikationen

Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Grundpfeiler der Therapie des Endometriumkarzinoms und kann in verschiedenen Konstellationen zum Einsatz kommen.

1. Bestrahlung und ggf. zusätzliche Chemotherapie im Anschluss an eine Operation

Unsere Behandlung schließt sich in diesem Fall an eine operative Entfernung der Gebärmutter und ggf. weiterer Organe an.

Die Empfehlung zu einer anschließenden (adjuvanten) Strahlentherapie – ggf. ergänzt um eine zusätzliche Chemotherapie (Radiochemotherapie) – richtet sich nach der Aufarbeitung des histologischen Materials und dem Ausbreitungsstadium des Tumors und orientiert sich an den Empfehlungen der interdisziplinären S3-Leitline zur Behandlung des Endometriumkarzinoms.

Die Ergänzung der Operation um eine anschließende Strahlen- oder Strahlenchemotherapie zielt darauf ab, verbliebene mikroskopisch-kleine Tumorzellnester abzutöten und damit die Heilungschance zu verbessern und das Rückfallrisiko zu verkleinern.

2. Bestrahlung, ggf. in Kombination mit einer gleichzeitigen Chemotherapie als alleinige Therapiemaßnahme anstatt Operation

Bei fortgeschrittenem Tumorbefall und in Fällen, bei denen eine Operation nicht sinnvoll möglich ist oder von der Patientin abgelehnt wird, kommen Strahlentherapie und ggf. eine gleichzeitige Chemotherapie als alleinige Behandlungsmaßnahme zum Einsatz.

In diesem Fall ist die Behandlung darauf ausgerichtet, die Dosis gezielt im Tumorgebiet zu applizieren und den Tumor radikal zu zerstören.

Auch durch diese Behandlung streben wir in der Regel die vollständige Beseitigung des Tumors bei Erhalt des betroffenen Organs an. Allerdings sind die Heilungs- und Rückfallraten in diesen Situationen weniger gut als bei der Kombination aus Operation und anschließender Strahlen(-chemo)-Therapie.

3. Palliative Bestrahlung bei lokalem symptomatischen Befall oder Metastasen

Die Bestrahlung ist in diesem Fall darauf ausgerichtet, den Tumor zu verkleinern und Gefäße zu veröden und dadurch eine Besserung der Symptome (z.B. Schmerzen, Blutungen) sowie ein Zurückdrängen bzw. ein verlangsamtes Fortschreiten der Erkrankung zu erreichen. 

Welche Bestrahlungstechniken kommen zum Einsatz?

​Bei der Strahlentherapie des Endometriumkarzinoms werden grundsätzlich zwei Bestrahlungtechniken angewendet. Oftmals kommen im Rahmen der Therapie auch beide Bestrahlungstechniken in Kombination zum Einsatz.

1. Perkutane Photonenteletherapie mit dem Linearbeschleuniger

Bei dieser Bestrahlungstechnik wird die Patientin unter einem Linearbschleuniger-Bestrahlungsgerät gelagert und das Zielgebiet „durch die Haut" aus verschiedenen Einstrahlrichtungen mit Strahlen behandelt.

Zur Anwendung kommen modernste Bestrahlungstechniken, die auf einer computergestützten Bestrahlungsplanung beruhen. Durch die intensitätsmodulierte Radiotherapie erreichen wir eine individuelle Anpassung der Therapiefelder mit dem Ziel einer zuverlässigen Erfassung des Zielgebietes bei gleichzeitiger Schonung Risikoorganen wie zum Beispiel der Harnblase. Es erfolgt immer eine begleitende Lagerungskontrolle während der Strahlenbehandlung durch moderne bildgebende Verfahren. Dabei kann sowohl eine Abweichung der Patientenlagerung als auch eine Lageänderung von Zielorganen dargestellt und ggf. korrigiert werden. Nähere Informationen finden Sie imauf der Seite bildgeführte Strahlentherapie – IGRT.

2. Intraluminale HDR-Brachytherapie

Bei dieser Technik wird ein sogenannter Applikator von vaginal direkt am Zielgebiet im oberen Scheidendrittel sowie im Bereich der Gebärmutter positioniert. Nachgelagert wird der Applikator mit einer radioaktiven Strahlenquelle bestückt und das Geschwulst „von innen" bestrahlt. Auf diese Weise kann Dosis direkt am Tumor wirken und umliegendes Gewebe bestmöglich geschont werden.

Welche Therapiekonzepte gibt es?

​Für die Behandlung des Endometriumkarzinoms stehen unterschiedliche Konzepte zur Verfügung, aus denen für jeden Patienten individuell das günstigste ausgewählt wird.  Einflussfaktoren sind u.a. das Ausbreitungsstadium der Erkrankung, das Risikoprofil, Begleiterkrankungen und nicht zuletzt die Präferenz des Patienten. Bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie orientieren wir uns an den Leitlinien für Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Endometriumkarzinoms der Deutschen Krebsgesellschaft (S3-Leitlinien).

Alleinige HDR-Brachytherapie nach erfolgter Operation

Die alleinige HDR-Brachytherapie erfolgt in der Regel an insgesamt 3 Bestrahlungstagen. Dabei findet die Bestrahlung üblicherweise einmal wöchentlich statt.

Konventionelle Strahlentherapie nach erfolgter Operation oder als alleinige Therapiemaßnahme mit dem Therapieziel einer Heilung (ggf. ergänzt um Chemotherapie und HDR-Brachytherapie)

In Standardfraktionierung erfolgt die Radiotherapie an fünf Wochentagen über einen Zeitraum von ca. 5 - 7 Wochen. Ggf. wir zudem einer Dosisaufsättigung der Tumorregion und des oberen Scheidendrittels mittels HDR-Brachytherapie empfohlen. Die HDR-Brachytherapie erfolgt dann in der Regel zusätzlich zur laufenden Behandlung an insgesamt zwei oder drei Terminen, einmal wöchentlich.

Sollte parallel eine Chemotherapie empfohlen sein erfolgt die Behandlung während des mehrwöchigen Bestrahlungszeitraums in der Regel mit Cisplatin 40mg/m² Körperoberfläche jeweils einmal wöchentlich einige Stunden vor der Bestrahlung.

Palliative Strahlentherapie und Strahlentherapie zu Symptomkontrolle

Insbesondere in fortgeschrittenen Situationen, in denen eine vollständige Heilung nicht mehr angestrebt werden kann, ist es wichtig die Behandlungskonzepte den Bedürfnissen und der Krankheitsgeschichte der Patientinnen anzupassen. Es erfolgt in den meisten Fällen eine alleinige Bestrahlung von außen. Ziel ist eine Lebensverlängerung bei möglichst guter Lebensqualität durch ein möglichst weitgehendes Zurückdrängen des Tumors sowie Linderung bzw. Verhinderung von tumorbedingten Symptomen, wie z.B. Schmerzen und Blutungen. Unser Ziel ist insbesondere in diesen Situationen eine Verkürzung der Behandlungszeit. Die tatsächliche Behandlungsdauer und die verwendeten Techniken werden durch Ausbreitungsstadium, die Symptome sowie die aktuelle Situation und die Wünsche der Patientin bestimmt. In der Regel erfolgt die Behandlung 1x täglich an fünf Wochentagen über einen Zeitraum von 2 - 4 Wochen.

Verträglichkeit der Behandlung und Verhaltenshinweise

​Durch die neuesten Entwicklungen in der Strahlentherapie treten gravierende Nebenwirkungen deutlich seltener auf, so dass die Lebensqualität nach der Therapie in den allermeisten Fällen nicht beeinträchtigt wird. Bei alleiniger intrakavitärer Brachytherapie betrifft die Strahlenbelastung umliegender Gewebe und Organe nur sehr kleine Volumina, so dass hierbei das Nebenwirkungsrisiko vergleichsweise sehr gering ist.

Im Bestrahlungszeitraum kann es zu Reizungen im Bereich des Darmes, der Harnblase oder der Haut (nicht bei alleiniger Brachyrherapie) kommen. Eine Enddarmreizung zeigt sich durch gehäuften Stuhldrang und Durchfälle. Eine Harnblasenreizung manifestiert sich durch gehäuften Harndrang und z.B. Brennen beim Wasserlassen. Erfolgt eine simultane Chemotherapie kann Übelkeit auftreten. Durch die prophylaktische Gabe entsprechender Medikamente kann dies jedoch in den meisten Fällen verhindert bzw. gelindert werden.

Durch Einhaltung der folgenden Hinweise können Sie das Risiko für Nebenwirkungen reduzieren.

Sie können während der Therapie Ihre gewohnte Lebensführung grundsätzlich beibehalten, sollten jedoch insbesondere bei Bestrahlung von außen folgende Ratschläge berücksichtigen:

  • Tragen Sie keine Reizstoffe auf die Haut in der Beckenregion auf.
  • Verwenden Sie beim Waschen und Duschen mit warmem Wasser keine Seife, da Ihre Haut vorübergehend die Fähigkeit zur eigenen Schutzstoffbildung verliert.
  • Fette, scharf gebratene sowie schwere Speisen, scharfe Würzungen, frische Salate und rohes, blähendes Obst sollten Sie vermeiden.
  • Tendenziell günstig wirken sich Kartoffeln, Reis und gekochtes Gemüse aus. Auch Bananen und schwarze Schokolade können hilfreich sein.
  • Verzehren Sie Milchprodukte in kleinen Mengen. Die enthaltenen Säurebakterien können Durchfall provozieren.
  • Achten Sie darauf, genügend zu trinken.
  • Vermeiden Sie drückende, beengende sowie aus Synthetikmaterial bestehende Kleidung.
  • Sorgen Sie zur Bestrahlungssitzung für eine gut gefüllte Harnblase.  Bei gefüllter Blase wird ein Teil der Blasenwand aus dem Bestrahlungsfeld herausgehalten. Dadurch sinkt das Risiko von Nebenwirkungen maßgeblich. Trinken Sie dazu circa 30 Minuten bis eine Stunde vor der Bestrahlung einen halben Liter Flüssigkeit und gehen Sie erst nach der Bestrahlungssitzung zur Toilette. Nähere Informationen erhalten Sie zum Aufklärungsgespräch in Form eines Trinkprotokolls

Bei simultaner Chemotherapie sind regelmäßige Blutbildkontrollen (meist 2x/Woche) erforderlich, um Mangelerscheinungen z.B. der weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen frühzeitig zu erkennen.

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