Made in Saxony – Skalierung der evidenzbasierten klinischen Entscheidungsunterstützung AMPEL
Abstract
Klinische Entscheidungsunterstützungssysteme haben in kontrollierten Studien ihr Potenzial zur Verbesserung der Patientensicherheit vielfach belegt – ihre systematische Übertragung in neue Versorgungskontexte bleibt jedoch methodisch wie regulatorisch eine offene Forschungsfrage. Das Projekt „Made in Saxony: Skalierung der klinischen KI-Unterstützung durch AMPEL" adressiert diese Lücke am Beispiel der AMPEL-Plattform, die seit 2018 am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) entwickelt wird. Auf Basis dieser wird eine Medizinprodukt-Eigenherstellung (LAMPE) am UKL in der Routineversorgung eingesetzt. In enger Kooperation zwischen dem UKL, dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus sowie der Technischen Universität Dresden wird die prototypische Übertragung der AMPEL-Plattform auf einen externen Standort erprobt, eine nutzerzentriert optimierte Benutzeroberfläche sowie ein Machine-Learning-Modell zur Sepsis-Früherkennung entwickelt und validiert und die Übertragbarkeit auf den ländlichen und ambulanten Raum bei unterschiedlichster IT-Infrastruktur konzeptionell untersucht. Die Ergebnisse sollen evidenzbasierte Grundlagen für eine sachsenweite Skalierung offener KI-Infrastrukturen in der Krankenhausversorgung schaffen.
Projektlaufzeit: November 2024 – Dezember 2027
Finanzierungsart: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
Die AMPEL wird seit 2018 am Universitätsklinikum Leipzig entwickelt und gilt heute als das erste wissenschaftlich fundierte klinische Entscheidungsunterstützungssystem im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen des vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt geförderten Projekts „Made in Saxony: Skalierung der klinischen KI-Unterstützung durch AMPEL" wird erstmals systematisch untersucht, unter welchen technischen, klinischen und regulatorischen Voraussetzungen eine Skalierung der Plattform auf externe Klinikinfrastrukturen gelingen kann. Das Projekt wird im Kooperationsverband zwischen dem Universitätsklinikum Leipzig, der Technischen Universität Dresden, dem Universitätsklinikum Dresden sowie dem Innovation Center Computer Assisted Surgery der Universität Leipzig durchgeführt.
Projektziele
Das Projekt verfolgt drei miteinander verzahnte Forschungsziele.
Im Bereich Interoperabilität wird die prototypische Übertragung der AMPEL auf das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erprobt. Dazu werden die technische Infrastruktur und klinischen Datenschnittstellen des Dresdner Standorts analysiert, ein interoperables Deployment realisiert und ein Implementierungsleitfaden erarbeitet, der die Übertragbarkeit auf weitere Standorte dokumentiert. Parallel erfolgt eine dokumentarische Aufarbeitung der regulatorischen Anforderungen einer Eigenherstellung am Universitätsklinikum Dresden nach Art. 5 Abs. 5 MDR.
Im Bereich Optimierung stehen Nutzerfreundlichkeit, klinische Akzeptanz,Erklärbarkeit der Algorithmen sowie die Entwicklung eines nutzerzentrierten Schulungskonzeptes im Vordergrund. Ein zentrales Teilprojekt ist darüber hinaus die Entwicklung und retrospektive Validierung eines Machine-Learning-Modells zur Früherkennung von Sepsis am Dresdner Standort sowie dessen prospektive Evaluation im intensivmedizinischen Setting hinsichtlich klinischer Outcomes.
Im Bereich Machbarkeit wird untersucht, ob und wie die AMPEL-Plattform auf Einrichtungen mit unterschiedlicher IT-Infrastruktur – insbesondere kleinere Krankenhäuser und die ambulante Versorgung – übertragen werden kann. Potenzielle Implementierungswege, darunter sektorenübergreifende Laborschnittstellen und die Verknüpfung mit der elektronischen Patientenakte, werden auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für weiterführende Folgeprojekte dienen.
Projektpartner
Die Projektkoordination liegt bei der Abteilung Medizinische KI und Translation (Prof. Dr. Toralf Kisten, Martin Federbusch) des UKL. Auf Seiten der Hochschulmedizin Dresden sind das Zentrum für Medizinische Informatik (Prof. Dr. Martin Sedlmayr), die Arbeitsgruppe Usability & Technologieakzeptanz des IMB (PD Dr. Brita Sedlmayr) sowie die Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des UKD (Prof. Dr. Mario Menk) beteiligt. Ergänzt wird das Konsortium durch das Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS, Prof. Dr. Thomas Neumuth) Leipzig.