Der 2026 aktualisierte Algorithmus zur Erkennung von akutem Nierenversagen beinhaltet eigentlich zwei Algorithmen. Neben der KDIGO-gerechten Einteilungen einer akuten Nierenschädigung (AKI, „acute kidney injury“) umfasst er gleichzeitig Alarmierungen im Rahmen einer Vancomycin-Therapie. Der AKI-Algorithmus entstand in enger Kooperation der Abteilung MedKIT mit den vier Klinikbereichen Apotheke, Mikrobiologie, Infektiologie und Labormedizin. Durch die Live-Überwachung und Alarmierungen der Software können Nierenschädigungen (durch die Antibiotikatherapie) früher erkannt und in ihrem Ausmaß deutlich begrenzt werden.
Klinische Relevanz der akuten Nierenschädigung
Das akute Nierenversagen (AKI, „acute kidney injury“) ist ein häufiges Krankheitsbild im klinischen Alltag. Inzidenzen von 12 % bis zu 23% über alle stationären Fachrichtungen dokumentieren eine hohe interdisziplinäre Relevanz. Assoziiert mit einem signifikant erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko bedarf das AKI einer kurzfristigen, adäquaten Therapie.
Die Progression einer eingeschränkten Nierenfunktion geht mit einem signifikant schlechteren Outcome und hohen zusätzlichen Behandlungskosten einher. Daher sollte im Sinne einer verbesserten Patientensicherheit ein AKI während eines stationären Aufenthaltes insbesondere dann nicht übersehen werden, wenn die akute Gefahr besteht, dass die Nierenschädigung zunimmt.
Methodik und Funktionsweise
Bei dem AKI-Algorithmus handelt es sich um ein komplexes Regelwerk mit vielen Wenn-Dann-Entscheidungen und insgesamt 7 unterschiedlichen Alarmierungen. Der Algorithmus analysiert dabei Labordaten im zeitlichen Verlauf und Prozeduren des Krankenhausinformationssystems.
Evaluation
Der 2026 aktualisierte Algorithmus zur Erkennung von akutem Nierenversagen unter Vancomycin-Gabe wurden UKL-intern retrospektiv auf Sicherheit und Effizienz bewertet. Die vielversprechenden aber theoretischen Metriken der klinischen Wirksamkeit werden aktuell prospektiv in der Praxis beobachtet.
Der bis 2025 aktuelle Algorithmus wurde in insgesamt 3 Veröffentlichungen untersucht. Eine Studie zeigte, dass
von 9700 erkannten Fälle von akutem Nierenversagen lediglich 63% ärztlich erkannt und entsprechend kodiert wurden. Die klinische Wirksamkeit einer entsprechenden automatisierten Erkennung könnte von einem Geschlechts- und Alter-angepassten Algorithmus massiv profitieren. Denn
nach leitliniengerechter AKI-Einteilung erfolgt eine erhebliche Diskriminierung von Frauen.
Interdisziplinäre Entwicklung und Implementierung
Der AKI-Algorithmus entstand UKL-intern in enger Kooperation der Abteilung MedKIT mit den vier Klinikbereichen Apotheke, Mikrobiologie, Infektiologie und Labormedizin. In seiner ersten Version wurde er zudem entscheidend durch die Zusammenarbeit mit der Controlling-Abteilung des UKL entwickelt.
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