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Refeeding-Syndrom

​​​​Das Refeeding-Syndrom (RFS) ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Komplikation bei mangelernährten Patient:innen. Der am Universitätsklinikum Leipzig entwickelte RFS-Algorithmus dient der Früherkennung und unterstützt die klinische Versorgung durch automatisierte Analyse von Routinedaten und gezielte Alarmierung des spezialisierten Ernährungsteams.

Klinische Relevanz des Refeeding-Syndroms

Mangelernährung birgt viele Gefahren für die Gesundheit der Betroffenen. Eine davon ist das sogenannte Refeeding-Syndrom.
Das kann auftreten, wenn chronisch​mangelernährten Menschen, beispielsweise nach der Aufnahme in einem Krankenhaus, wieder mit der normalen Nahrungsaufnahme beginnen. Durch die plötzliche Zufuhr von Nährstoffen kann es zu Stoffwechselveränderungen kommen. Dieses Risiko betrifft etwa 8 bis 14 Prozent der mangelernährten Patient:innen.

Symptome, die beim Refeeding-Syndrom auftreten, sind oft unklare Beschwerden des Kreislaufs und des Nervensystems, die aufgrund der Verschiebungen im Mineralstoff- und Flüssigkeitshaushalts im Körper auftreten. Sie können im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Eine Befragung unter Mediziner:innen in Deutschland hat gezeigt, dass nur 14 Prozent dieses Krankheitsbild erkennen und gezielt behandeln.

Dabei ist eine geringe oder fehlende Kalorienaufnahme eine durchaus häufige Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen. Etwa 20 – 30 Prozent der Patentienten und Patientinnen in Krankenhäusern sind von schwerer Mangelernährung betroffen​​​​ 

Methodik und Funktionsweise des RFS-Modells​

Der RFS-Algorithmus analysiert Labor- und Routinedaten, darunter vor allem Phosphat, Magnesium und Kalium, und bewertet, ob die Konstellation mit einem Refeeding-Syndrom vereinbar ist oder andere Ursachen wahrscheinlicher sind. Bei relevantem Risiko alarmiert das System ein spezialisiertes Ernährungsteam direkt am digitalen Arbeitsplatz bzw. per E-Mail oder Telefon. Am Bett prüfen die Expert:innen den Befund und leiten bei Bedarf sofort Schritte ein – von einem stufenweisen Kalorienaufbau bis zur gezielten Substitution kritischer Elektrolyte und Vitamine.​

Ergebnisse der prospektiven Evaluation

In einer prospektiven Studie lag der RFS-Algorithmus in 2/3 der Fälle richtig. Trotz der vergleichsweise seltenen Komplikation zeigte der Algorithmus einen sehr hohen positiven prädiktiven Wert (PPV) und somit keine Gefahr einer Alert-Fatigue-Situation. Besonders wichtig: Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen war das Syndrom von den behandelnden Teams zuvor nicht erkannt worden. Der Algorithmus leistet daher nicht nur Früherkennung, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur klinischen Sensibilisierung.

Ergebnisse der prospektiven Refeeding-Syndrom Studie

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Konzeption und Validierung des RFS-Modells erfolgte in Zusammenarbeit der Abteilung Medizinische KI und Translation (MedKIT)​ und der Klinik für Endokrinologie und Neprologie​ sowie dem spezialisierten Ernährungst​eam​ des Universitätsklinikums Leipzig. Diese interdisziplinäre Struktur gewährleistet die Überführung von wissenschaftlicher Innovation in eine verlässliche klinische Anwendung.

> Pressemitteilung zum Refeeding Syndrom (2023)

> Algorithmen



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